Netzhaut des Auges: Aufbau & Funktion

Netzhaut
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Die Netzhaut des Auges (auch: Retina) ist die mehrschichtige, innere Augenhaut, die einfallende Lichtstrahlen nach der Durchquerung von Hornhaut, Linse und Glaskörper in Nervenimpulse umwandelt. Die Retina setzt dort an, wo der sogenannte Strahlenkörper des Auges endet. Ihre wesentlichen Bestandteile sind lichtempfindliche Sinneszellen (Fotorezeptorzellen), die einfallende Lichtstrahlen so umzuwandeln, dass diese über den Sehnerv ans Hirn weitergeleitet und dort zum Seheindruck verarbeitet werden können.

Makroskopisches Bild der Netzhaut

Blickt man mit einer Spaltlampe durch die Pupille auf den Augenhintergrund, schaut man auf die obere, farblose und durchsichtige Neuroretina. Dahinter liegend und ebenfalls zu erkennen ist das dunkel erscheinende retinale Pigmentepithel und die darunterliegende Aderhaut. Die Retina ist anatomisch gesehen mit ihrer eigentlichen Außenseite dem Licht zugewandt, während sich die Innenseite näher an der äußeren Wand des Augapfels befindet. Das einfallende Licht trifft auf die äußere Seite der Retina und wandert dann nach innen. Es wurde zuvor von der Linse des Auges so gebrochen, dass der Brennpunkt in einem bestimmten Bereich der Netzhaut liegt. Diese zentrale Stelle, die von entscheidender Bedeutung für das scharfe Sehen ist, wird als Makula bezeichnet. Eine weitere wichtige Struktur auf der Netzhaut des Auges ist der blinde Fleck, also die Stelle im Gesichtsfeld, durch die die Nervenfasern der Sinneszellen den Augapfel verlassen. Diese liegt etwa 15° nasal von der optischen Achse und hat etwa einen Durchmesser von 1,5 Millimetern.

Netzhaut des Auges
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Aufbau der Netzhaut

Die Netzhaut des Auges ist im gesunden Zustand zwischen 0,1 und 0,5 Millimetern dick und besteht aus einer inneren und einer äußeren Schicht. Sie trennt den Glaskörper von der Aderhaut. Ihre Aufgabe ist es, alle Lichtstrahlen, die durch das Auge wahrgenommen werden, durch Nervenimpulse aufzunehmen und daraus ein konkretes Bild zu formen. Dieses wird anschließend durch das Gehirn erkannt und verarbeitet.

Neben einer Vielzahl an Nervenzellen beinhaltet die Netzhaut ebenfalls zahlreiche versorgende Strukturen in Form von mikroskopisch kleinen Blutgefäßen und unterstützenden Strukturen. Die äußere Schicht der Netzhaut beinhaltet das retinale Pigmentepithel, das unter anderem für den wichtigen Vitamin-A-Stoffwechsel, den Wärmeausgleich zur benachbarten Aderhaut und der Resorption des wahrgenommenen Lichts zuständig ist.

Wesentlich komplexer ist der Aufbau der inneren Schicht der Retina, denn diese beinhaltet große, bipolare Ganglienzellen und eine Photorezeptorschicht (auch 1. Neuron genannt). Bevor die Lichtimpulse in die Photorezeptorschicht gelangen, müssen sie die gesamte neurosensorische Schicht durchqueren.

Die Photorezeptorschicht besteht beim Menschen aus etwa sechs Millionen zapfen- und 120 Millionen stäbchenartigen Rezeptoren, die einfallendes Licht in elektrische Impulse umwandeln. Die Zapfen sorgen dafür, dass wir verschiedene Farb- und Helligkeitsstufen voneinander unterscheiden können und sind im Gegensatz zu den Stäbchen vor allem am Tag aktiv. Die Stelle, an der die höchste Konzentration an Stäbchenzellen herrscht und an der das Bild am schärfsten wahrgenommen wird, wird als Fovea centralis bezeichnet. Die Stäbchen hingegen werden dann aktiv, wenn die Umgebung dunkel ist. Sie ermöglichen eine Orientierung bei sehr geringer Beleuchtung und in der Dämmerung. Aufgrund dieser lichtempfindlichen Rezeptoren wird die innere Schicht der Netzhaut auch als neurosensorische Schicht bezeichnet.

Sobald ein Lichtstrahl in der Photorezeptorschicht in ein elektrisches Signal umgewandelt wurde, wird dieses durch Impulse über die retinale Ganglienzellschicht( 2. Neuron) zur Neuron – Ganglienzellschicht des Nervus opticus (3. Neuron) weitergeleitet. Im hinteren Bereich des Auges münden die Ganglien in den Sehnerv. An dieser Stelle verfügt die Netzhaut über keinerlei Photorezeptoren, weshalb dieser Ort auch als blinder Fleck bezeichnet wird.

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Untersuchung der Netzhaut (Retina)

Die am weitesten verbreitete Methode für Untersuchungen des Augenhintergrunds ist die Funduskopie, die beim Augenarzt auch als Ophthalmoskopie bekannt ist. Mit einem vergrößernden Spiegel und einer Lichtquelle kann sich der Augenarzt ein gutes Bild vom Zustand der Netzhaut und ihrer Oberfläche machen. Der Fokus liegt dabei in der Regel auf dem Sehnerv und dem gelben Fleck. Im Rahmen der Augenhintergrunduntersuchung treten auch mögliche Degenerationen, Ablösungen und sonstige Erkrankungen der Netzhaut zutage. Eine weitere, relativ neue Methode ist die Optische Kohärenztomografie (OCT), bei der mithilfe eines speziellen Laserlichtes Netzhaut und Sehnerv untersucht werden können. Weitere Verfahren zur Untersuchung der Netzhaut sind: Retinale Gefäßanalyse, Elektroretinogram, Fluoreszenzangiographie sowie Elektrookulogram.

Erkrankungen

Die Netzhaut des Auges kann direkt von einer Erkrankung betroffen sein oder in Folge einer anderen Grunderkrankung (z.B. Diabetes Mellitus) Schaden nehmen. Beispiele für Erkrankungen der Netzhaut sind:

  • Diabetische Retinopathie
  • Makuladegeneration
  • Netzhautablösung
  • Retinoschisis (Netzhautspaltung)
  • Retinopathia pigmentosa
  • Gefäßverschlüsse
  • hypertensive Retinopathie
  • Azoor
  • Netzhautforamen

Vorsorge

Schäden an der Netzhaut des Auges machen sich in vielen Fällen durch nachlassendes Sehvermögen oder Ausfälle in bestimmten Bereichen des Gesichtsfeldes bemerkbar. Wer entsprechende Veränderungen seiner Augen feststellt, sollte umgehend seinen Optiker oder Augenarzt aufsuchen. Bisweilen fallen dem Optiker auch bei einer routinemäßigen Kontrolle der Sehschärfe oder des Augeninnendrucks Veränderungen auf, die Hinweise auf eine Erkrankung der Netzhaut (Retina) liefern können. Der Optiker teilt seine Beobachtungen und die Ergebnisse seiner Untersuchungen dem Augenarzt mit, damit der Mediziner eine geeignete Therapie planen kann. Zuvor stehen in der Regel weitere diagnostische Maßnahmen an.

Quellen:
Behrends, J. et al.: Duale Reihe Physiologie , Georg Thieme Verlag, 3. Auflage, 2016.
Kellner, U. & Wachtlin, J.: Retina: Diagnostik und Therapie von Erkrankungen des hinteren Augenabschnitts, Georg Thieme Verlag, 1. Auflage, 2008.
Schulte, E., Schumacher, U. & Schünke, M.: PROMETHEUS Kopf, Hals und Neuroanatomie, Georg Thieme Verlag, 3. Auflage, 2012.

2 KOMMENTARE

  1. Sehr informativ. Habe grosse Sorge vor einer evtl. Netzhautablösung, weil bei mir der Nachstar auf beiden Augen gelasert werden soll. Bin Mitte 80 und möchte meine Sehkraft so lange wie möglich erhalten. Leide unter Bluthochdruck u. Herzinsuffizienz. Trage eine Gleitsichtbrille, bin weitsichtig. Aber das Lesen wird etwas anstrengend. Die Katarkt-OP’s wurden vor 14 und vor 9 Jahren durchgeführt. Lt. Aussage ( Untersuchung letzte Woche ) ist wohl die Makuladegeneration “ auch nicht mehr weit entfernt!“ Sollte ich in meinem Alter besser auf das Lasern verzichten? Vielen Dank für eine Nachricht. MfG Ruth F.

    • Sehr geehrte Frau F.,
      wir haben Ihnen eine E-Mail bezüglich Ihres Anliegens gesendet.
      Mit freundlichen Grüßen

      Das aumedo Team

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