Makula (Gelber Fleck): Aufbau, Funktion & Erkrankungen

Makula (Gelber Fleck)
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Als Makula (lat.: macula lutea) oder Gelben Fleck wird die Stelle der menschlichen Netzhaut bezeichnet, die die größte Dichte an farbempfindlichen Fotorezeptoren (Zapfen) aufweist. Fokussieren wir Objekte, werden sie genau dort scharf abgebildet. Aus diesem Grund nennt man den Gelben Fleck auch Ort des schärfsten Sehens. Lesen Sie in diesem Beitrag mehr über den Aufbau, die Funktion und mögliche Erkrankungen der Makula.

Makula: Einführung

Die Makula ist winzig klein und dennoch für mehr als 80 % der an die Sehrinde des Gehirns gesendeten Informationen verantwortlich. Sie wurde erstmals von Samuel Thomas von Soemmerring als „Gelber Fleck“ anatomisch beschrieben. Die gelbliche Färbung des Areals wird durch die eingelagerten Pigmente Lutein und Zeaxanthin hervorgerufen, ist bei lebenden Menschen aber kaum sichtbar. Besondere Bedeutung hat der gelbe Fleck für die Wahrnehmung von Farben. Nirgends auf der Netzhaut erreicht die Anzahl an farbsensitiven Zapfenellen eine so hohe Dichte wie in der Makula. Darüber hinaus verläuft die Sehachse des Auges durch den Gelben Fleck. Durch Kopf- oder Augenbewegung werden ständig wechselnde Bereiche der Umgebung genau so fixiert, dass sie auf den Bereich der Makula projiziert und scharf abgebildet werden.


Makula: Aufbau und Funktion

Die kreisförmige Makula hat bei Erwachsenen einen Durchmesser von etwa 2,5 bis 5 Millimeter. Sie befindet sich im hinteren, zentralen Bereich der Netzhaut (Retina), etwa 15° nasal (nasenwärts) der Sehnervenpapille gelegen. Im Bereich der Makula ist die Zahl der farbsensitiven Zapfen besonders hoch. Diese wandeln einfallende Lichtstrahlen in Nervenreize um und präparieren diese für eine Weiterleitung an das Gehirn. Auf die gesamte Netzhaut bezogen ist das Verhältnis von Zapfen zu Stäbchen circa 1:20. Das heißt, 120 Millionen Stäbchen stehen etwa 6 Millionen Zapfen gegenüber, die meisten davon in der Mitte der Makula (Fovea centralis).

Beim Menschen unterscheidet man drei verschiedene Typen von farbsensitiven Sinneszellen: S-, M- und L-Zapfen. Je nach Typ decken sie unterschiedlichen Bereiche des sichtbaren Farbspektrums ab. Die S-Zapfen decken den blauen Bereich des Spektrums ab und haben ihr Absorptionsmaximum bei einer Wellenlänge von etwa 455 nm (blauviolett). Das Absorptionsmaximum der M-Zapfen liegt im grünen Bereich, genauer bei ungefähr 534 nm (smaragdgrün). Darüber hinaus decken M-Zapfen auch den Bereich zwischen blauem und orangem Licht ab. Die L-Zapfen gelten auch als Rotrezeptoren und ihr Absorptionsmaximum liegt bei ungefähr 563 nm (gelbgrün). Sie decken den gesamten Bereich der Wahrnehmung von Gelbgrün bis zu Rot ab.

Makula
© Alila Medical Media / Fotolia

Fovea centralis – Ort des schärfsten Sehens

Die trichterförmig vertiefte und gefäßfreie Fovea centralis (Sehgrube) befindet sich im Zentrum der Makula und ist der Bereich des schärfsten Sehens. Bei erwachsenen Menschen hat sie einen Durchmesser von etwa 1,5 mm und liegt etwa 4 mm schläfenwärts der Sehnervenpapille. Sie enthält keine Stäbchenzellen zum Dämmerungssehen, sondern ausschließlich etwa 140.000 Zapfenzellen pro Quadratmillimeter zur Farbwahrnehmung. Durch das Fehlen der Stäbchenzellen können Menschen bei schlechten Lichtverhältnissen oder Dunkelheit weniger scharf sehen und auch Farben schlecht erkennen.

Die Zapfenzellen der Fovea centralis – fast ausschließlich Zapfenzellen des M- und L-Typs – sind besonders schlank gebaut und erlauben eine enge, mosaikähnliche Anordnung. Die neuronale Verschaltung und Zuordnung jeder Zapfenzelle im Verhältnis 1:1:1 mit den nachgeschalteten Bipolar- und retinalen Ganglienzellen erlaubt zudem das höchste Auflösungsvermögen und somit die größte Sehschärfe (Visus) auf der gesamten Netzhaut.

Inmitten der Fovea centralis befindet sich die circa 0,35 mm im Durchmesser messende Foveola. Sie stellt den okulomotorischen Nullpunkt dar und repräsentiert zugleich die Hauptsehrichtung „geradeaus“. Zudem ist die Foveola der absolut schärfste Punkt beim Sehen. Mit ihr kann man beim Lesen nur ein bis zwei Buchstaben erkennen.

Die Fovea centralis wird von einer etwa 0,5 Millimetern schmalen Zone, der sogenannten Parafovea, umgeben. In dieser Übergangszone sinkt der Anteil der Stäbchen stark ab und es sind zunehmend mehr Stäbchen vorhanden, die für das Hell-Dunkelsehen zuständig sind. Das Verhältnis von Zapfen zu Stäbchen beträgt in der Parafovea etwa 1:1.

Der äußere Ring der Makula wird auch Perifovea genannt. Dieser, etwa 1,5 mm breite Rand, ist fast ausschließlich mit Stäbchen besetzt und enthält nur noch wenige Zapfen. Diese Region ist für das scharfe Sehen während der Dämmerung und Dunkelheit zuständig und grenzt an den Bereich der höchsten Stäbchendichte in der Netzhaut.

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Makula: Erkrankungen

Erkrankungen der Makula können für das Sehvermögen der Patienten erheblichen Folgen haben. Oft kommt es dabei zu Problemen im zentralen Gesichtsfeld. Mögliche Veränderungen oder Erkrankungen der Makula sind zum Beispiel:

Bei allen aufgeführten Erkrankungen der Makula sollte in jedem Fall eine fundierte Diagnose und umfassendere Behandlung durch den Augenarzt erfolgen. Der Experte überprüft beispielsweise, ob es zu Rissen und Löchern in der Netzhaut gekommen ist, ob diabetische Veränderungen vorliegen oder ob sich Entzündungen zeigen. Je nach Befund kann eine Behandlung mit Medikamenten oder eine Operation erforderlich werden. Werden die Erkrankungen nicht oder zu spät behandelt, drohen unter Umständen irreparable Sehschäden bis hin zur Erblindung. Eine bloße Korrektur vermeidlicher Brechungsfehler der Augen durch eine Sehhilfe reichen nicht aus.

Altersbedingte Makuladegeneration

Die häufigste Krankheit, die die Makula betreffen kann, ist die sogenannte altersbedingte Makuladegeneration (AMD). Im Verlauf der Erkrankung kommt es zu einem fortschreitenden Sehverlust im zentralen Gesichtsfeld. Dabei werden Teile der Netzhaut durch abgelagerte Stoffwechselendprodukte nach und nach zerstört und es kommt zu einer Unterversorgung der Fotorezeptoren, die in der Folge schrittweise absterben. Erste Symptome der altersbedingten Makuladegeneration sind eine verschwommene und verzerrte Wahrnehmung beim Lesen oder dem Erkennen von Personen. Auch eine erhöhte Blendungsempfindlichkeit und eine verringerte Kontrastwahrnehmung können mit der Erkrankung einhergehen. Die AMD ist in Deutschland und den westlichen Industriestaaten die mit Abstand häufigste Erblindungsursache bei über 50.-jährigen Menschen.


Blinder Fleck

Die Makula (Gelber Fleck) sollte nicht mit dem sog. „Blinden Fleck“ des Auges verwechselt werden. Das ist die viel auffälligere, rosa gefärbte Region auf der Augenrückseite, an der der Sehnerv (Nervus opticus), die Zentralarterie und die Zentralvene in das Auge ein- bzw. austreten. In diesem Bereich befinden sich keine Sehzellen und Lichtinformationen, die auf diesen Teil des Auges fallen, können nicht wahrgenommen werden.


Quellen:
Grehn, F.: Augenheilkunde, Springer-Verlag, 31. Auflage, 2012-
Schulte, E.: Schumacher, U. & Schünke, M.: PROMETHEUS Kopf, Hals und Neuroanatomie, 3. Auflage, 2002.
Walter, P. & Plange, N.: Basiswissen Augenheilkunde, Springer-Verlag, 2017.

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