Hornhautverkrümmung (Astigmatismus): Alles Wissenswerte zum Thema

Hornhautverkrümmung
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Bei einer Hornhautverkrümmung (med.: Astigmatismus) handelt es sich um eine Fehlsichtigkeit, bei der eine ungleichmäßige Form der Hornhaut des Auges die Sicht beeinträchtigt. Die Hornhaut weist in diesem Fall keine optimale, gleichmäßige Krümmung auf und verursacht so einen besonderen Brechungsfehler des Auges. Einfallende Lichtstrahlen werden nicht optimal gebrochen und Betroffene sehen in der Folge unscharf oder verzerrt. Die Ursachen der Erkrankung sind vielfältig und oftmals angeboren. Mithilfe spezieller Sehhilfen lässt sie sich häufig erfolgreich ausgleichen und therapieren. Lesen Sie in diesem Beitrag mehr über die Hornhautverkrümmung.

Hornhautverkrümmung: Beschreibung

Von einer Hornhautverkrümmung spricht man, wenn die Hornhaut des Auges (Cornea) nicht gleichmäßig gekrümmt ist. Diese Abweichung wird auch als Stabsichtigkeit bezeichnet. Der medizinische Fachausdruck lautet Astigmatismus, was wörtlich übersetzt „Punktlosigkeit“ bedeutet. Egal wie die Erkrankung im Einzelfall bezeichnet wird, es handelt sich dabei um eine Fehlsichtigkeit, die korrigiert werden muss.

Bei einem gesunden Auge sorgt die Hornhaut zusammen mit der Augenlinse dafür, dass die parallel einfallenden Lichtstrahlen gebündelt werden und auf einen Punkt der Netzhaut scharf abgebildet werden. Die abweichende Krümmung der Hornhaut bei einem Astigmatismus führt dazu, dass das Licht nicht richtig gebündelt werden kann. Je nach Stelle der Hornhaut werden die Lichtstrahlen mal stärker und mal schwächer gebündelt. Dadurch vereinen sich diese nicht auf einen Punkt der Netzhaut und die Sicht der Betroffenen ist unscharf.

Hornhautverkrümmung: Ursachen

Genetik

In etwa 80 Prozent aller Fälle ist die Hornhautverkrümmung (Astigmatismus) angeboren. Die Hornhaut des Auges ist dann nicht gleichmäßig nach außen (konvex) gewölbt, sondern hat eine oder mehrere „Dellen“. Die meisten Menschen mit iner Hornhautverkrümmung stammen aus Familien, in denen Astigmatismus häufiger vorkommt. Wissenschaftliche Studien konnten dort eine Vererbungsdynamik nach der Mendel-Regel nachweisen. Betroffenen Familien wird nahegelegt bei ihren Kinder ab dem 6. Lebensmonat eine Brechkraftbestimmung unter weitgestellter Pupille durchführen zu lassen, um eine kindliche Schwachsichtigkeit (Amblyopie) zu vermeiden. Neuste wissenschaftlichen Studien haben zudem bereits mehrere Gen-Sequenzen identifiziert, die eine Hornhautverkrümmung mit hoher Wahrscheinlichkeit auslösen.

Erkrankungen, Verletzungen und Infektionen

Eine Hornhautverkrümmung kann auch erstmalig im Erwachsenenalter auftreten. Geschwüre, Infektionen oder Entzündungen an der Hornhaut des Auges können diese so verändern, dass es zu starken und irregulären Astigmatismen kommt. Darüber hinaus kann dieser von weiteren Abbildungsfehlern begleitet werden. Außerdem können erblich bedingte Augenerkrankungen, wie ein Keratokonus oder Keratoglobus, zu einer voranschreitenden kegelförmige Verformung der Hornhaut führen. So wölbt sich beim einem Keratokonus die Hornhaut (Kornea) in mehreren Schüben zu einem Kegel. Bemerkbar macht sich ein Keratokonus meist zwischen dem 20. und 30. Lebensjahr. Auch die Alterserscheinung Grauer Star kann durch die Trübung der Augenlinse einen Astigmatismus bedingen.

Operative Eingriffe

Verschiedene ophthalmo-chirurgische Eingriffe am Auge, wie etwa Operationen zur Behandlung eines grünen Stars (Glaukom), eines Grauen Stars (Katarakt) oder eines Strabismus (Schielen) können zu Astigmatismus führen.

Hornhautverkrümmung: Formen

Es gibt unterschiedliche Formen einer Hornhautverkrümmung. Je nachdem, welche Hornhautschicht von Unregelmäßigkeiten betroffen ist und wodurch die Verformung ausgelöst wurde, unterscheidet man zwischen regulären und irregulären Astigmatismus. Gewöhnlich ist es jedoch die Verformung der vorderen Hornhaut (regulär), die umgangssprachlich als Hornhautverkrümmung bezeichnet wird.

Regulärer Astigmatismus

Von einem regulären Astigmatismus (Astigmatismus regularis) spricht man, wenn die maximal und minimal brechenden Ebenen senkrecht aufeinander stehen (Verkrümmung im vertikalen Bereich). Einfallende Lichtstrahlen werden auf senkrecht stehenden Brennlinien („Stab“) abgebildet. Diese Form der Hornhautverkrümmung ist angeboren und verändert sich zumeist nicht mehr im Laufe des Lebens. Ein regulärer Astigmatismus kann oft mit einer (torischen) Brille oder Kontaktlinsen korrigiert werden.

Irregulärer Astigmatismus

Bei einem irregulären Astigmatismus (Astigmatismus irregularis) stehen die optischen Ebenen nicht senkrecht, sondern in einem abweichenden Winkel von 90° zueinander. Hierbei ist die rückseitige Krümmung der Hornhaut betroffen. Diese kann beispielsweise durch einen Keratokonus oder Vernarbungen eine unregelmäßige Brechungsfläche aufweisen. Einfallende Lichtstrahlen werden in verschiedenste Richtungen abgelenkt, sodass kaum mehr Brennlinien vorhanden sind. Die Behandlung des irregulären Astigmatismus ist deutlich schwieriger als die des regulären Astigmatismus. Möglichkeiten der Therapie sind mit Kontaktlinsen oder einen operativen Eingriff möglich.

Hornhautverkruemmung
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Astigmatismus ohne Hornhautverkrümmung

Oft ist mit Astigmatismus und der Hornhautverkrümmung das Gleiche gemeint, aber eigentlich ist der Begriff „Astigmatismus “ deutlich weiter gefasst. Unter dem Begriff werden auch Unregelmäßigkeiten der Linse (lentikulärer Astigmatismus) oder sogar des Augenhintergrundes geführt. Der häufigste Grund für eine Stabsichtigkeit ist aber die Hornhautverkrümmung.

Vorübergehender Astigmatismus

Nach bestimmten Eingriffen am Auge (zum Beispiel eine Glaukom- oder Grauer-Star-OP) kann es zu einem vorübergehenden Astigmatismus kommen, da es einige Zeit dauern kann, bis die Hornhaut wieder in die alte Form zurückgefunden hat.

Symptome

Eine leichte Form des Astigmatismus (bis etwa 0,5 Dioptrien) hat kaum spürbare Auswirkungen und findet sich bei vielen Menschen. Eine Hornhautverkrümmung macht sich meist erst dann bemerkbar, wenn sie stark ausgeprägt ist (ab 0,75 Dioptrien) und zeigt folgende Symptome:

  • Kopfschmerzen
  • unscharfes Sehen in Nähe und Ferne
  • verzerrte Wahrnehmung der Umwelt
  • Augenreizungen
  • Schwindel
  • Müdigkeit
  • bei Kindern besteht die Gefahr einer bleibenden Abnahme der Sehkraft durch Entwicklung einer Schwachsichtigkeit (Amblyopie)

Hornhautverkrümmung: Behandlung

Um die Auswirkungen einer Hornhautverkrümmung auf den Alltag so gering wie möglich zu halten, führt der Augenarzt eine genaue Untersuchung der Augen durch. Er ermittelt, an welcher Stelle sich die Verkrümmungen in welchem Ausmaß zeigen, und leitet die entsprechenden Werte an den Optiker weiter. Dieser nutzt die Datenbasis, um eine Brille mit speziellen Zylindergläsern anzufertigen oder Kontaktlinsen anzupassen. Eine Behandlung der Hornhaut ist mit konservativen Methoden nicht möglich. Der Augenarzt kann nur durch den Einsatz eines Lasers die Unregelmäßigkeiten der Hornhaut entfernen und dadurch die Brechung der Lichtstrahlen verbessern.

Hinweise auf einen Keratokonus ernst nehmen

Vorsicht ist insbesondere geboten, wenn sich die Krümmung der Hornhaut mit der Zeit verändert. In der Regel bedeutet dies, dass diese zunimmt. Eine Zunahme der Krümmung, kann das ein Hinweis auf einen möglichen Keratokonus sein. Die Hornhaut verliert dabei immer mehr ihre ursprünglich runde Form und gleich zunehmend einem Kegel. Um Auswirkungen auf die Netzhaut zu verhindern, sind eine Beobachtung und gegebenenfalls eine Behandlung durch den Augenarzt erforderlich. Zudem geht der Mediziner Hinweisen auf mögliche Trübungen der Hornhaut nach, wie sie beim Grauen Star vorkommen können. Auch sie kommen als eine mögliche Ursache für Astigmatismus in Betracht.

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