Akkommodation (Auge): Anpassung der Brechkraft

Akkommodation (Auge): Anpassung der Brechkraft
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Unter Akkommodation (lat.: accomodare „anpassen“) versteht man die funktionelle Fähigkeit des Auges, die Brechkraft für die Nah- und Fernsicht dynamisch anzupassen. Möglich ist dies durch eine aktive Veränderung der Linsenkrümmung, die es erlaubt, Gegenstände in diversen Entfernungen scharf sehen zu können. Im Laufe zunehmenden Alters kann es zu einer Verschlechterung der Akkommodation und der Entstehung einer Altersweitsichtigkeit (Presbyopie) kommen. Erfahren Sie in diesem Beitrag mehr zu Akkommodation.

Akkommodation: Einführung

Entscheidend bei der Akkommodation ist die aktive Veränderung der Brechkraft der flexiblen Augenlinse. Deren Form wird durch den ringförmigen Ziliarmuskels und dessen Ziliarfasern gesteuert und erlaubt eine Anpassung an unterschiedlich weit entfernte Objekte. Der Ziliarmuskel beeinflusst die Linsenkrümmung reflektorisch und verändert, durch den Kontraktionszustandes der an der Linse verankerten Zonulafasern, den Brechungsgrad der Linse – entweder im Sinne einer Nah- oder Fernakkommodation.

Akkommodationsbereich

Als Akkommodationsbereich wird der Unterschied der Brechwerte bei Nah- und Fernakkommodation bezeichnet. Das heißt, das ist der Bereich, in dem die elastische und veränderbare Augenlinse Dinge scharf erkennen kann. Bei jungen Menschen kann dieser Bereich bis zu 14 Dioptrien betragen. Die beiden Endwerte des Akkommodationsbereiches nennt man auch „Nahpunkt“ und „Fernpunkt“. Der Nahpunkt ist dabei der kürzeste Abstand, bei dem ein Objekt gerade noch scharf gesehen werden kann.

Akkommodationsbereich

Akkommodation: Formen

Man unterscheidet zwischen Nah- und Fernakkommodation, einer Naheinstellungsreaktion und dem Akkommodationsruhepunkt.

  • Nahakkommodation: Bei der Beobachtung naher Objekte wird der Ziliarmuskels angespannt, sodass die Zonulafasern entspannt sind und die Linse aufgrund ihrer Eigenelastizität an Krümmung zunimmt. Sie wird breiter bzw. tiefer. Dadurch kommt es zu einer Erhöhung der Brechkraft und parallel einfallende Lichtstrahlen werden stärker gebrochen. Auf diese Weise kommt es zu einer besseren Darstellung von Gegenständen, die sich in der Nähe vor dem Auge befinden.
  • Fernakkommodation: Bei der Betrachtung ferner Objekte kommt es zu einer Entspannung des Ziliarmuskels und einer gleichzeitigen Anspannung der Zonulafasern. Die gespannten Fasern führen dazu, dass die Linse in eine längliche Form gezogen wird und die Linsenkrümmung und Brechkraft abnimmt. Das Auge schaltet auf Fernsicht und parallel einfallende Lichtstrahlen werden so gebrochen, dass wir beim Blick in die Ferne alle Objekte scharf sehen.
  • Akkommodationsruhepunkt: Wenn kein Reiz für eine Nah- und Fernakkommodation vorliegt (z. B. bei Dunkelheit), ist der Ziliarmuskel nur leicht kontrahiert und befinden sich in einer Zwischenstellung. Normalsichtige können dann auf Entfernungen zwischen 0,5-2 m scharf sehen.
  • Naheinstellungsreaktion: Um nah gelegene Objekte scharf sehen zu können, muss es neben einer Nahakkommodation zusätzlich zu einer Verengung der Pupille kommen. Bei dieser sog. „Konvergenzreaktion“ wird die Tiefenschärfe erhöht und die schärfere Darstellung naher Objekte gewährleistet.
 
Akkomodation - Abbildung: Nah-und Fernsicht
© Alila Medical Media / Fotolia

Akkommodation: Störungen

Bei einer Störung der Akkommodation ist immer die Einstellungsfähigkeit der Linsenkrümmung beeinträchtigt. Es kommt zu Problemen beim Nah- und Fernsehen durch fehlende Anpassung des Auges. Die Ursachen dafür können in Veränderungen des Linsenapparats oder einer Fehlfunktion der steuerenden Nervenfasern sein.

Kurzsichtigkeit (Myopie)

Bei einer Kurzsichtigkeit ist häufig ein erblich bedingter, zu langer Augapfel Grund für die unscharfe Darstellung von Objekten in der Ferne (Achsenmyopie). Darüber hinaus kann auch eine zu hohe Brechkraft der Augenlinse eine Kurzsichtigkeit verursachen (Brechungsmyopie). Bei beiden Formen liegt der Brennpunkt des einfallenden Lichtes vor der Netzhaut, statt wie normal auf der Netzhaut. Betroffene Menschen nehmen deshalb Gegenstände in der Ferne verschwommen wahr.

Weitsichtigkeit (Hyperopie)

Eine Weitsichtigkeit kann unterschiedliche Ursachen haben. Entweder ist der Augapfel zu kurz (Achsenhyperopie), die Brechkraft der Hornhaut oder Augenlinse zu gering (Brechungshyperopie) oder es ist eine Kombination aus beiden. Egal, um welche Form es sich handelt, eine scharfe Abbildung eines Objektes entsteht erst hinter der Netzhaut. Um entfernte Objekte scharf auf der Netzhaut abzubilden, passen Weitsichtige die Brechkraft der Linse durch die Aktivität ihres Ziliarmuskels verstärkt an (Akkommodation). Bei weit entfernten Objekten und in jungen Jahren funktioniert dieser Vorgang oft sehr gut. Mit zunehmenden Alter und bei sehr nahen Gegenständen kommt es dagegen zu Problemen.

Alterssichtigkeit (Presbyopie)

Leider kommt es ab dem 40. bis 45. Lebensjahr zu einer Verschlechterung der Akkommodationsfähigkeit und damit einhergehenden Alters(weit-)sichtigkeit (Presbyopie). Die Augenlinse verliert zunehmend an Elastizität und kann ihre Form und damit ihre Brechkraft immer weniger anpassen. Der starre Kern der Augenlinse gewinnt im Alter immer mehr an Größe und verdrängt die verformbare Linsenrinde. In der Folge kann die Augenlinse Gegenstände in der Nähe nicht mehr scharf stellen und der Nahpunkt verschiebt sich vom Auge weg. Betroffene Menschen bekommen dann Probleme beim Lesen von Kleingedrucktem und der Akkommodationsbereich verringert sich auf unter drei Dioptrien.

Akkommodation: Störungen

Akkommodationslähmung (Zykloplegie)

Bei einer Akkommodationslähmung (Zykloplegie) ist der Ziliarmuskel vollständig (ggf. reversible) gelähmt. Eine Anpassung an Nah- und Fernsicht ist ohne funktionsfähigen Ziliarmuskel nicht mehr möglich. Die Störung kann ein- oder beidseitig auftreten. Mögliche Ursachen einer Akkommodationslähmung sind Traumen im Bereich des Auges, Schädigung des Nervus oculomotorius, bestimmte Medikamente, Vergiftungen (etwa mit Blei) oder Erkrankungen wie Multiple Sklerose, Alkoholkonsum und Diabetes mellitus.

Im Rahmen ausgewählter augenärztlicher Untersuchungen oder Operationen kann eine Lähmung der Akkommodation mithilfe von Medikamenten auch ganz gezielt ausgelöst werden. Jedoch bewirken diese Medikamente, welcher der Gruppe der Parasympatholytika angehören, auch eine Vergrößerung der Pupille (Mydriasis).


Quellen:
Burk, A. & Burk, R.: Checkliste Augenheilkunde. Georg Thieme Verlag, Stuttgart, 6. Auflage, 2018.
Lang, G.K.: Augenheilkunde. Georg Thieme Verlag, Stuttgart, 6. Auflage, 2019.
Walter, P. & Plange, N.: Basiswissen Augenheilkunde. Springer-Verlag, Heidelberg, 1. Auflage, 2017.

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