Ich vergesse oft Dinge. Wo bekomme ich Hilfe?

(Foto: [© Dan Race], stock.adobe.com)

Das Gefühl im Alltag immer öfter etwas zu vergessen ist beängstigend. Im Alter an Alzheimer oder Demenz zu erkranken, ist eine berechtigte Sorge vieler Menschen. Allerdings steht man dieser Gefahr nicht hilflos gegenüber. Denn mit Übungen kann man das Gehirn fit halten und wer rechtzeitig auf die ersten Anzeichen reagiert, kann sich fachkundige Hilfe von Ärzten oder Pflegern suchen.

Einen Schlüssel zu verlegen, einen Termin oder einen Namen zu vergessen kann im Stress des Alltags gelegentlich vorkommen. Ursachen dafür können beispielsweise Stress, Schlafstörungen, Flüssigkeitsmangel oder Müdigkeit sein. Vergesslichkeit ist nicht mit Demenz oder Alzheimer gleichzusetzen.

Dement oder vergesslich?

Vergesslich zu sein bedeutet nicht unbedingt, dass man krank ist oder krank wird. Demenz ist im Vergleich zu Alzheimer keine Krankheit, sondern bezeichnet das gemeinsame Auftreten verschiedener Symptome, die geistige Leistungseinbußen, darunter Vergesslichkeit inkludieren. Gedächtnisstörungen können diverse Gründe haben, häufig eine schlechtere Durchblutung des Gehirns oder sie sind etwa ein häufiges Symptom von Depressionen.

Eine Demenz äußert sich vor allem durch den schrittweisen Verlust des Gedächtnisses, zunehmende Konzentrations- und Aufmerksamkeitsprobleme, Verwirrung und Desorientierung sowie durch Energielosigkeit und Schwindel. Auslöser für Demenz sind absterbende Nervenzellen im alternden Gehirn, dabei ist besonders die Alzheimer-Demenz eine häufige Erkrankung.

Was kann man selbst tun?

Die Therapie bei krankhafter Vergesslichkeit hängt mit der zugrunde liegenden Ursache zusammen und kann in unterschiedlichem Maße zu einer Verbesserung der Lebensqualität bis hin zur vollständigen Wiederherstellung der Gedächtnisfunktion beitragen. Einer Vergesslichkeit lässt sich vorbeugen, indem Sie einen möglichst gesunden Lebensstil pflegen. Das bedeutet neben einer ausgewogenen Ernährung auch, sich regelmäßig zu bewegen. Wenig und nicht zu häufiger Alkoholgenuss ist ebenfalls zuträglich – am besten verzichten Sie komplett darauf. Sorgen Sie zudem für regelmäßige Entspannung, vor allem wenn Sie gestresst sind oder unter Schlafstörungen leiden.
Dabei können zum Beispiel Entspannungstechniken wie Yoga, Autogenes Training oder Progressive Muskelentspannung nach Jacobson helfen.

Von den rund 100 Milliarden Nervenzellen, die ein Mensch besitzt, nutzen wir nur einen kleinen Bruchteil. Regelmäßiges Training fördert die kognitive Leistung, ist nicht nur für Ihre Muskeln gut, sondern hält auch den Geist fit. Für das mentale Training suchen Sie sich am besten Hobbies, die Sie geistig fordern, dazu gehören Lesen, musizieren oder Schach spielen. Aber auch der soziale Kontakt mit anderen Menschen scheint dem Gehirn gut zu tun. Wenn Sie Ihre grauen Zellen nicht regelmäßig herausfordern, riskieren Sie, dass diese verkümmern und an Leistungsfähigkeit einbüßen. 

Es ist zwar nicht nachgewiesen, dass ein Gedächtnistraining vor Demenz schützt, es schadet dennoch nicht, dagegen zu arbeiten, unkonzentriert und vergesslich zu werden. Es könne jedoch in der Tat auch Menschen davon profitieren, die bereits unter einer Demenz leiden. Für diese sind normale Formen des Gedächtnistrainings aber weniger gut geeignet, denn die Demenz verhindert, dass sich Erkrankte etwas merken, das Gedächtnis aufbauen und verbessern können. Bei ihnen ist es hilfreicher, die Erinnerungen zu aktivieren, die im Langzeitgedächtnis gespeichert sind.

Kann der Arzt helfen?

Besteht der Verdacht, dass Ihre Vergesslichkeit auf einer ernsthaften Gedächtnisstörung beruhen könnte, können verschiedenen Untersuchungen und Tests Klarheit bringen. Bestätigt sich der Verdacht, wird der Arzt Ihnen eine geeignete Behandlung vorschlagen.

Man solle stutzig werden, wenn Gedächtnisstörungen zunehmen oder man sich Dinge nicht mehr merken kann, die einem früher keine Probleme bereitet haben, erklärt Professor Hans Förstl, Direktor der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie in München. Zum Beispiel wenn vertraute Arbeitsabläufe auf einmal Probleme bereiten, ist eine Untersuchung beim Hausarzt in jedem Fall sinnvoll. Dieser prüft mit Tests, ob Anzeichen für eine (Demenz)Erkrankung vorliegen und wird eine geeignete Behandlung vorschlagen oder den Patienten weiter zum Facharzt überweisen.

Dass sich eine Demenz meist schleichend entwickelt und im Frühstadium oft nicht bemerkt wird, macht sie tückisch. Vorsorge und Vorsicht sind immer empfehlenswert – eine pauschale Empfehlung, bis wann man sich keine Sorgen machen muss und ab wann man sich besser untersuchen lässt, gibt es dagegen nicht. Je früher eine Demenz erkannt wird, desto besser kann sie behandelt werden. Für Patienten sei es „lohnenswert, sich offen den Gedächtnisproblemen zu stellen“, sagt Demenzexperte Förstl.

Medikamentöse Therapie krankhafter Vergesslichkeit

Zu den pflanzlichen Nootropika (Medikamente zur Verbesserung der Hirnleistung) gehören Ginkgo-Extrakte, die bei gewissen Formen von Hirnleistungsstörungen (mit Symptomen wie Schwindel, Kopfschmerzen, Ohrensausen) eingesetzt werden können. Eine spezifische medikamentöse Therapie mit sogenannten Antidementiva (beispielsweise Galantamin, Donepezil, Rivastigmin, Memantin) kann bei einer Demenz das Fortschreiten der Krankheit eventuell hinauszögern oder dabei behilflich sein, die vorhandenen geistigen Fähigkeiten möglichst lange zu erhalten.

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