Hornhaut-Transplantationen: Hilfe aus dem Tierreich?

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Jahr für Jahr kann das Augenlicht von mehr als 100.000 Menschen rund um den Globus durch eine Hornhauttransplantation gerettet werden. Eine solche Keratoplastik zeigt in über 95% der Fälle Wirkung und gilt daher als die erfolgsreichste Transplantationsmethode überhaupt. Wahrscheinlich könnte noch deutlich mehr Menschen geholfen werden – doch wie so oft fehlt es an Spendern. Bislang greifen Ärzte auf die Hornhaut verstorbener Menschen zurück. Die Zahl derer, die einer Transplantation vorab einwilligen, ist allerdings seit Jahren rückläufig. Die Augenmedizin muss sich dementsprechend nach Alternativen umschauen, da die Anzahl der transplantationsbedürftigen Menschen derweil konstant bleibt oder gar steigt.

Hornhaut wird nicht über die Blutbahn versorgt

Die nur 0,6 Millimeter dicke Hornhaut – im Fachjargon „Cornea“ genannt – ist so etwas wie die Windschutzscheibe des Auges. Im Gegensatz zu anderen biologischen Zelllagen im menschlichen Körper weist sie keine eigenen Blutgefäße auf, sondern wird von einem komplexen, angrenzenden System mit Nährstoffen versorgt – so unter anderem durch den auf dem Auge liegenden Tränenfilm.

Durch diese anatomische Besonderheit können in die Blutbahn gelangte Medikamente die Hornhaut gar nicht bzw. nur teilweise erreichen, was eine Therapie bei entsprechenden Erkrankungen erschwert. Es gibt allerdings auch einen wesentlichen Vorteil: Mangels Kontakt zum Immunsystem des Körpers kommt es bei einer Hornhauttransplantation sehr selten zu Abstoßreaktionen – die Heilungschancen sind entsprechend hoch.


Tilapia-Fisch können eventuell für Hornhautimplantate genutzt werden

Nach Auskunft der Weltgesundheitsorganisation leben mehr als zehn Millionen Menschen weltweit mit einer nicht bzw. nur eingeschränkt funktionsfähigen Hornhaut. Die Dunkelziffer dürfte höher liegen. Sehr vielen von ihnen könnte durch eine Hornhauttransplantation geholfen werden. Hilfe könnte nun wie so oft aus dem Tierreich kommen: Wissenschaftler haben festgestellt, dass die Schuppen des Tilapia-Fisch aus einem Kollagen bestehen, das der menschlichen Hornhaut sehr ähnlich ist.

Der wohlschmeckende Fisch lebt insbesondere im asiatischen und lateinamerikanischen Raum. Wissenschaftler aus Taiwan haben bereits aus entsprechenden Schuppen bestehende Hornhautimplantate hergestellt und diese erfolgreich in Tierversuchen getestet. Sollten die weiteren Forschungsergebnisse verheißungsvoll bleiben, dürfte eine Anwendung beim Menschen in naher Zukunft durchaus möglich sein.

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