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Grauer Star (Katarakt, Linsentrübung)

Als grauer Star (med.: „Katarakt“) bezeichnet man Augenerkrankungen, bei denen es durch eine Eintrübung der körpereigenen Augenlinse zu einer Abnahme des Sehvermögens und der Sehschärfe kommt. Vor allem Menschen ab dem 60. Lebensjahr sind von den Linsentrübungen betroffen. Inzwischen kann die Erkrankung immer besser und individueller behandelt werden.

Inhaltsverzeichnis: Grauer Star

Grauer Star: Überblick

  • Beim grauen Star (Katarakt) kommt es zu einer Eintrübung oder Brechkraftänderung der körpereignen Augenlinse. Je nach Lokalisation der Trübung kommt es zu Einschränkungen beim Sehen in der Nähe oder beim Sehen in der Ferne.
  • Die häufigste Form ist der sogenannte Altersstar ab dem 60. Lebensjahr. Andere Formen der Katarakt können im Verlauf bestimmter Augen- oder Allgemeinerkrankungen, infolge einer Augenverletzung oder schon bei Neugeborenen auftreten.
  • Hauptsymptome des grauen Stars sind der Verlust der Sehschärfe und eine steigende Blendempfindlichkeit
  • Meist tritt die Erkrankung erst bei einem Auge auf, bevor sie im weiteren Verlauf beide Augen betrifft.
  • Einzige Therapiemöglicheit des grauen Stars ist die Kataraktoperation. Bei dieser wird die getrübte Augenlinse gegen eine Kunstlinse (IOL) ausgetauscht. Durch dieses Verfahren lässt sich das Sehvermögen oft deutlich verbessern.

Grauer Star: Ursachen

Die genauen Ursachen eines Altersstars sind noch nicht bekannt. Man weiß inzwischen aber, dass verschiedene Risikofaktoren, wie eine genetische Veranlagung, Stoffwechselerkrankungen, Virusinfektionen oder schädliche Umwelteinflüsse eine Rolle spielen. Bei allen Ursachen kommt es zu einer Verdichtung von Linsenzellen und einer Veränderung der Struktureiweiße in der Augenlinse. Dabei verliert die glasklare Augenlinse über die Jahre zunehmend an Elastizität und trübt sich ein. Die getrübte Linse führt zu einer verschleierten Sicht. Einfallendes Licht kann nicht mehr ungehindert auf die Netzhaut des Auges gelangen und wird zudem gestreut. Es entstehen unscharfe Bilder auf der Netzhaut und betroffene Menschen werden zunehmend blendempfindlich.

Die Linsentrübungen verlaufen in der Regel sehr langsam, über mehrere Jahre und Jahrzehnte. Im hohen Alter ist die Linseneintrübung quasi ein normaler Lebensvorgang und findet in unterschiedlicher Form bei allen Menschen statt. So haben im Alter zwischen 50 bis 65 Jahren 50 % der Bevölkerung einen beginnenden grauen Star, ohne Einschränkungen beim Sehen zu spüren. Ab dem 75. Lebensjahr haben über 90 % Linsentrübungen, die bei der Hälfte der Betroffenen zu Sehstörungen führt. Der Begriff grauer Star beschreibt meist das Stadium, in der eine Linsentrübung den Alltag behindert und eine Operation nötig ist.

Grauer Star: zwei Formen mit unterschiedlichen Ursachen

Je nach Art der Linsentrübung bis hin zum grauen Star werden unterschiedliche Ursachen für die Entstehung der Erkrankung verantwortlich gemacht. Diese lassen sich in zwei Gruppen einteilen:

-> erworbener (erblicher) grauer Star

  • Altersstar: natürlicher Altersprozess und erbliche Veranlagung
  • Grauer Star als Begleiterkrankung bei Neurodermitis oder Morbus Wilson (eine Störung der Leber, bei der es zu Kupfereinlagerungen kommt)
  • Strahlenstar: Grauer Star bei schädlichen Strahlen (z. B. UV-Strahlen)
  • Bei Augenerkrankungen wie Glaukom oder einer starken Kurzsichtigkeit
  • Bei Verletzungen des Auges
  • Myotoniestar: Entsteht bei Myotoner Dystrophie (erbliche Muskelerkrankung), die zu einer zunehmenden Muskelschwäche führt
  • Rauchen oder hoher Alkoholkonsum
  • Bei Stoffwechselstörungen, zum Beispiel Diabetes oder starker Kalziummangel
  • Bei Mangel an essenziellen Nährstoffen und Salzen (bei Unterernährung oder Durchfallerkrankungen)
  • Durch kortisonhaltige Medikamente
  • Nach einer Augenoperation kann sich ein Grauer Star ebenfalls entwickeln

-> angeborener (konnataler) grauer Star

  • der graue Star bei Neugeborenen kann durch Schädigungen in der Schwangerschaft verursacht werden. Diese können infolge einer Mumps-, einer Rötelninfektion oder übermäßigen Alkoholkonsum der Mutter entstehen
  • Genetische Krankheiten oder Syndrome, zum Beispiel Stoffwechselstörungen (z.B. Galaktosämie) können ebenfalls zu einem grauen Star bei Neugeborenen führen

Weitere Infos zu den Ursachen des grauen Stars

  • Erbliche Veranlagung: Die erbliche Veranlagung ist Ursache der häufigsten Form des grauen Stars, dem Altersstar
  • Grauer Star als Begleiterkrankung bei Neurodermitis: Dass es bei einer Neurodermitis zu Linsentrübungen kommen kann, hängt mit der embryonalen Entwicklung des Menschen im Mutterleib zusammen. Genau wie die Haut und die Haare, geht das Linsengewebe aus dem äußeren Keimblatt (Ektoderm) hervor und kann daher von einer Neurodermitis betroffen sein.
  • Strahlenstar: Die Augenlinse reagiert sehr empfindlich auf alle Strahlen, wie zum Beispiel UV-Strahlen, Röntgen, Infrarotlicht bis hin zu radioaktiven Strahlen. Vor allem Sportler, die oft und viel in den Bergen und auf dem Meer sind, sollten ihre Augen durch eine geeignete Sonnenbrille schützen, um nicht frühzeitig an einem grauen Star zu erkranken.
  • Grauer Star bei Augenerkrankungen: Bei einem chronischen grünen Star (Glaukom) oder einem akuten Glaukomanfall kann es zur Entwicklung eines grauen Stars kommen. Zudem kann es im Verlauf einer Makuladegeneration, bei Durchblutungsstörungen oder entzündlichen Augenerkrankungen zu einer Eintrübung der Linse kommen.
  • Augenverletzungen: Kommt es zu offenen Verletzungen, starken Prellungen des Augapfels oder Fremdkörpern im Auge, können diese über die direkte Schädigung hinaus zu einer Entwicklung eines grauen Stars führen.
  • Grauer Star durch Rauchen oder starken Alkoholkonsum: Stoffwechselprodukte, die beim Abbau von Alkohol gebildet werden als auch Schadstoffe im Rauch, können langfristig zu Linsentrübungen führen.
  • Diabetes mellitus als Ursache für grauen Star: In der Regel sind Menschen mit Typ -1- Diabetes vom sog. Zuckerstar (Cataracta diabetica) betroffen. Dieser zeigt sich durch plaqueartige Linsentrübungen in der Nähe der Linsenkapsel (subkapsuläre Rindentrübung). Bei Menschen mit Typ-2-Diabetes kann es im Verlauf der Diabeteserkrankung zu einem vorgezogenen Altersstar kommen.
  • Kortisonstar: Eine Kortisonbehandlung, egal in welcher Arzneiform, kann vor allem bei langanhaltender Therapie einen grauen Star auslösen. Aus diesem Grund sollten bei einer Kortisontherapie alle drei Monate wiederkehrende Kontrolluntersuchungen beim Augenarzt stattfinden. Stellt der Augenarzt einen beginnenden Katarakt fest, so kann er die Behandlung umstellen oder gegebenenfalls abbrechen. Im Einzelfall kann sich so eine beginnende Linsentrübung wieder zurückbilden.
  • Angeborener (konnataler) grauer Star: Von dieser Form des grauen Stars sind weniger als ein Prozent der Neugeborenen betroffen. Man unterscheidet hierbei, ob erblich bedingte Faktoren oder erworbene Schädigungen in der Schwangerschaft die Ursache des grauen Stars sind. Die Entscheidung eines frühzeitigen Eingriffes durch einen Augenarzt hängt vom Ausmaß der Linsentrübung ab. Bei einer deutlichen Katarakt ist eine Operation der Augen zwingend notwendig, um im weiteren Lebensverlauf des Kindes die Ausbildung einer Schwachsichtigkeit (Amblyopie) vorzubeugen. Handelt es sich nur um geringfügige Linsentrübungen, entwickeln sich die Kleinen meistens auch ohne Operation normal.
  • Galaktosämie bei Neugeborenen: Die Stoffwechselstörungen Galaktosämie führt bei Neugeborenen in den ersten Lebenstagen und -wochen zu Linsentrübungen und wird meist beim Neugeborenen-Screening gestellt. Durch eine spezielle Diät, die oft lebenslang eingehalten werden muss, können sich die bereits gebildete Linsentrübungen oft vollständig zurückbilden.
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Grauer Star: Anatomie

Augenärzte sprechen bei einem grauen Star zum Beispiel von einer hinteren Schalentrübung oder einem Kernkatarakt, je nachdem welcher Bereich der Augenlinse getrübt ist. Um ein besseres Verständnis darüber zu bekommen, wo und wie die Veränderungen beim grauen Star auftreten, ist ein Blick auf den vorderen Abschnitt des Auges und vor allem auf die Augenlinse hilfreich.

Die Augenlinse

Die Augenlinse ist Bestandteil der vorderen Augenkammer und befindet sich hinter der Pupille. Ihre Aufgabe ist die Brechung und Bündelung der durch die Pupille einfallenden Lichtstrahlen, sodass diese ein scharfes Bild auf der Netzhaut des Auges projizieren. Durch die Kontraktion der Ziliarmuskeln und dem Augeninnendruck, wird die eigentliche Kugelform der Augenlinse abgeflacht und erhält die typische Linsenform.

Die Augenlinse ist klar, durchsichtig und hat einen Durchmesser von etwa neun Millimeter. Sie ist relativ elastisch und hat im Mittel eine Dicke von vier Millimetern. In der Linsenmitte befindet sich der Linsenkern, der von einer weichen Linsenrinde umgeben wird. Rundherum wird die Linse von einer Hülle, der sog. Linsenkapsel, umschlossen, die sich in vordere und hintere Linsenkapsel aufteilt.

Die Augenlinse© Alila Medical Media / Fotolia

Die Formen des grauen Stars

Je nach Lokalisation der Linsentrübungen kann der graue Star an verschiedenen Stellen auftreten. Dabei unterscheidet man folgende Formen des grauen Stars:

  • Rindenstar (Cataracta corticalis): Dabei kommt es zu Trübungen der Augenlinsenrinde. Etwa die Hälfte aller Patienten mit Altersstar leiden am Anfang unter dieser Form des Grauen Stars.
  • subkapsuläre Rindentrübung/hintere Schalentrübung (Cataracta subcapsularis posterior): Macht etwa 20 % der Erkrankungen an grauen Star im Alter aus (Altersstar) und betrifft auch Menschen, die an Diabetes leiden.
  • Kernstar (Cataracta nuclearis): Diese Form schreitet langsam voran, erfasst die gesamte Augenlinse und führt im Verlauf zur Erblindung. In diesem Stadium ist die Linsentrübung auch für medizinische Laien deutlich an der grauen Verfärbung der Augenlinse erkennbar.
  • Mischformen: Bei diesen Formen des grauen Stars kann es zu einer gleichzeitigen Rinden- und Kerntrübung der Augenlinse kommen.

In Einzelfällen kann die Lokalisation der Linsentrübung Hinweise auf die Entstehung des grauen Stars geben. Ein durch eine Operation entstandener grauer Star zeigt sich in eine Trübung des Linsenkerns, während eine durch Kortison verursachte Linsentrübung oft als hintere Schalentrübung auftritt.

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Grauer Star: Symptome

Die Symptome des grauen Stars sind abhängig von der Form und dem Schweregrad der Linsentrübung. Unscharfes Sehen, erhöhte Blendempfindlichkeit, das Sehen bei Dunkelheit erschwert oder weniger Farbkontraste – der graue Star behindert das Sehen zum Teil erheblich. Wann welches der unterschiedlichen Symptome überwiegt, hängt vom Stadium und dem Bereich der Linsentrübung ab.

Rindentrübung

Der Altersstar (Rindenstar) macht sich vor allem durch eine starke Blendempfindlichkeit bemerkbar. Gerade abends, wenn die Pupille aufgrund der Dunkelheit weit gestellt ist, kommt es zu Blendungen durch Autos, Lampen und andere Lichtquellen infolge der diffusen Lichtstreuung. Zu einem Verlust der Sehschärfe kommt es erst, wenn die Trübungen zentrale Bereiche der Augenlinse betreffen.

Kerntrübung

Bei einem Kernstar kommt es zu einer Beeinträchtigung beim Sehen in die Ferne. Oft ist diese Einschränkung mit einer Kurzsichtigkeit verbunden. Betroffene Menschen klagen zudem häufig über die Wahrnehmung von Doppelbildern und/oder Einschränkungen im Kontrastsehen.

Hintere Schalentrübung

Bei der hinteren Schalentrübung lässt vor allem die Sehschärfe in der Nähe merklich nach und man sieht wie durch einen „Schleier“. Außerdem kommt es zu einer diffusen Lichtbrechung, die zu einer erhöhten Blendempfindlichkeit und gesteigerten Empfindlichkeit des Auges bei Helligkeit führt.

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Grauer Star: Diagnose

Bei der Diagnose des grauen Stars steht immer die Untersuchung der Augenlinse im Vordergrund. Dafür stehen dem Augenarzt unterschiedliche Untersuchungsverfahren zu Verfügung.

Spaltlampenuntersuchung

Als zentrales Untersuchungsmittel der Wahl kommt oft ein Spaltlampenmikroskop zum Einsatz. Dieses ist fester Bestandteil jeder augenärztlichen Praxis und ermöglicht eine bis zu vierzigfacher Vergrößerung des betrachteten Auge. Damit untersucht der Augenarzt zunächst den vorderen Augenabschnitt mit den Bestandteilen Bindehaut, Hornhaut, Lederhaut, Regenbogenhaut und Linse. Alterungserscheinungen des Auges lassen sich so meist schnell erkennen und vorhandene Schädigungen sind gut auszumachen.

Die Untersuchung mit einem Spaltlampenmikroskop ist nur so lange möglich, wie die Linse noch nicht vollständig getrübt ist. Konnte sich ein grauer Star schon bis zum reifen Star entwickeln, ist eine Untersuchung des Augenhintergrunds mit einem Spaltlampenmikroskop nicht mehr durchführbar.

Untersuchung des hinteren Augenabschnittes

Mit der Spaltlampenuntersuchung kann der Augenarzt auch die hinteren Augenabschnitte untersuchen. Dazu gehören der Glaskörper und die Netzhaut am Augenhintergrund mit allen wichtigen Strukturen wie Makula, Sehnerv, Blutgefäße und Fovea centralis. Zur genaueren Beurteilung des hinteren Augenabschnittes werden die Pupillen vorab mittels Augentropfen erweitert. Diese wirken auch Stunden nach der Untersuchung noch und führen zu einer längeren Fahruntüchtigkeit des Patienten. Hat die Erkrankung das Stadium des reifen Stars erreicht, ist eine Untersuchung des Augenhintergrundes mit einem Spaltlampenmikroskop nicht mehr durchführbar.

Weitere Untersuchungen

Um die Hornhaut des Auges noch eingehender zu beurteilen, stehen weitere Verfahren zu Diagnostik der Hornhaut zur Verfügung. So kann die Hornhaut auf ihre Dicke überprüft (Pachymetrie) oder die Oberfläche bzw. Rückfläche computergestützt abgebildet werden (Pentacam). Die zusätzlichen Untersuchungen der Hornhaut sind wichtig, um unregelmäßige Krümmungen der Hornhaut (Astigmatismus) zu erkennen und diese eventuell während einer Kataraktoperation mit Sonderlinsen ausgleichen zu können.

Ist die Begutachtung des Augenhintergrundes aufgrund einer ausgeprägten Linsentrübung nicht möglich, erlaubt eine Ultraschalluntersuchung die Begutachtung des hinteren Augenabschnitts auf bestimmte Erkrankungen wie Tumore oder eine Netzhautablösung.

Ein Retinometer kann dem Augenarzt zudem helfen, das Auflösevermögen der Netzhaut bzw. die Sehschärfe der Netzhaut eines Patienten, der eine vorliegender Linsen- oder Hornhautkrümmung hat, zu beurteilen. So kann der Operateur abschätzen, ob die Operation einen positiven Einfluss auf die Sehkraft des Patienten hat.

Die Bestimmung des Auflösevermögens des Auges erfolgt anhand eines Sehtests oder eine Sehschärfenmessung. Dazu nutzt der Augenarzt Sehtafeln oder einen Sehzeichenprojektors. Je nach stärke der Linsentrübung ist die Sehschärfe vor allem beim Sehen in der Nähe mehr oder weniger herabgesetzt.

Zur Überprüfung des Gesichtsfeldes kann der Augenarzt das Verfahren der Perimetrie nutzen. Mit dem Begriff Gesichtsfeld bezeichnet man den Bereich, den man bei ruhiger und gerader Stellung der Augen wahrnimmt, ohne den Blick zu verändern. Dieser Bereich wird für jedes Auge einzeln untersucht und erfolgt computergestützt.

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aumedo Check-up Grauer Star

Grauer Star: Therapie

Als Standardbehandlung der Katarakt gilt der operative Linsenaustausch (Kataraktoperation). Laut Informationsschrift des Bundesverbands der Augenärzte Deutschlands (BVA) ist die Kataraktoperation mit rund 650.000 Operationen jährlich, die am häufigsten durchgeführte Operation in Deutschland absolut.

Kataraktoperation

Bei der Kataraktoperation wird die trübe, körpereigene Augenlinse durch eine künstliche Intraokular-Augenlinse (IOL) ersetzt. Die Kataraktoperation gilt als erprobte und sichere Behandlungsmethode. 90 % der so behandelten Patienten konnten nach dem Eingriff besser sehen, vor allem dann, wenn das Auge nicht anderweitig erkrankt ist. In den meisten Fällen wird die Kataraktoperation ambulant und unter örtlicher Betäubung durchgeführt. Sind beide Augen betroffen, beginnt die Operation am stärker geschädigten Auge.

Wann der passende Zeitpunkt für eine Kataraktoperation erreicht ist, entscheiden Patienten immer in enger Absprache mit ihrem Augenarzt. Als auschlaggebend gilt immer, wie stark die Linsentrübungen und die abnehmende Sehschärfe den Alltag beeinflussen. So werden sich Menschen, die viel am PC arbeiten oder viel mit dem Auto unterwegs sind, eher einer Operation unterziehen, als Menschen, die ihren Alltag frei gestalten können. Eine leichte Linsentrübung ist oft noch kein Anlass, sich operieren zu lassen. Gleichzeitig ist ein hohes Alter auch kein Grund, sich keiner Operation zu unterziehen.

Aufgrund des schleichenden Verlaufs des grauen Stars und einer langsamen Abnahme der Sehschärfe, nehmen einige Betroffene die Einschränkungen subjektiv als nicht störend wahr und sind regelrecht überrascht, wenn sie beim Augenarzt oder Augenoptiker erfahren, wie stark ihre Leistung beim Sehen abgesunken ist.

Kataraktoperation: Verlauf

Sind beide Augen betroffen, beginnt die Kataraktoperation vorzugsweise am stärker geschädigten Auge. Vor dem Eingriff wird das Auge mit speziellen Augentropfen weitgestellt und eine Klammer eingesetzt, die das Auge während der Operation konstant offenhält. In manchen Fällen kann die Gabe eines örtlichen Betäubungsmittels neben dem Auge sinnvoll sein (Einspritzen).

1. Schritt:

Zunächst erfolgt ein kleiner, meist 2-3 Millimeter großer Schnitt an der Hornhaut des Auges, der als Zugang zum Operationsgebiet dient und die vordere Linsenkapsel eröffnet. Dieser Schnitt ist so klein, dass er sich am Ende der Operation von selbst wieder verschließt und nicht vernäht werden muss.

2. Schritt:

Im zweiten Schritt verflüssigt der Operateur Rinde und Kern der Augenlinse mit Ultraschall (Phakoemulsifikation). Das verflüssigte Gewebe wird anschließend vollständig aus dem Auge abgesaugt.

3. Schritt

Danach wird die eingerollte oder gefaltete künstliche Linse (IOL) durch den kleinen Schnitt in den Kapselsack eingeschoben. In vielen Fällen belässt der Arzt dafür die hintere und seitliche Linsenkapsel im Auge, in denen sich die Kunstlinse dann zur vollen Größe entfalten kann. Feine Haltebügel verankern und zentrieren das Linsenimplantat in der sogenannten Kapselovalen (Hinterkammerlinse).

In Ausnahmefällen, wenn keine intakte Linsenkapsel mehr vorhanden ist, kann die künstliche Linse auch vor (Vorderkammerlinse) oder hinter der Pupille (Hinterkammerlinse) und an der Regenbogenhaut des Auges verankert werden (irisfixierte Kunstlinsen). Letztere Methode findet dann Anwendung, wenn der Kapselsack komplett fehlt.

Kataraktoperation (Grauer Star)
© Helgaundhaegar / Fotolia

Kataraktoperation: Nachbehandlung

Das operierte Augen wird bis zum nächsten Morgen mit einem Salbenverband abgedeckt, um es zu schützen. Erfolgt der Eingriff ambulant, dürfen Betroffene oft schon kurz nach dem Eingriff wieder nach Hause. Bei stationären Eingriffen in einer Augenklinik bleiben Patienten meist noch zwei bis drei Tage zur Kontrolle bevor sie das Krankenhaus verlassen dürfen.

Für einen optimalen Heilungsverlauf werden für die folgenden drei bis vier Wochen antibiotische und entzündungshemmende Augentropfen verschrieben, die der Patient streng nach Vorschrift anwenden sollte. Vorsicht sollte auch beim Duschen und der Haarwäsche walten. Für wenige Tage nach der Operation sollte der Kontakt mit Wasser und Seife im Bereich der Augenpartie vermeiden werden.

In kurzen, regelmäßigen Abständen kontrolliert der Augenarzt den Heilungsverlauf und prüft bei der Gabe Kortison haltiger Augentropfen auch den Augeninnendruck des Patienten.

Schon direkt nach der Operation ist die Sicht oft deutlich klarer. Allerdings ist in den ersten Wochen nach der Operation das neu gewonnene Sehvermögen schwankend. Oft nimmt es ein wenig Zeit in Anspruch, bis der Augenarzt die Sehkraft neu ermittelt und gegebenenfalls eine neue Brille anpasst hat.

Wichtig: Bestehen andere Augenerkrankungen (z. B. Makuladegeneration, Augenentzündungen), kann das Ergebnis der Operation negativ beeinflusst werden und die Sehschärfe nicht den Erwartungen der Betroffenen entsprechen. Aus diesem Grund sind genaue Untersuchungen vor einer Operation wichtig, damit der Operateur Rückschlüsse auf das zu erwartende Ergebnis einer Kataraktoperation ziehen kann und den Patienten optimal aufklärt.

Kataraktoperation mit einem Femtosekundenlaser

Bei der Kataraktoperation mit einem Femto-Sekundenlaser muss der Operateur die Linsenkapsel nicht mehr chirurgisch von Hand öffnen, sondern überlässt diese Aufgabe einem sehr präzisen Laser. Nach der Eröffnung der Linsenkapsel und behutsamen Zertrümmerung des Linsenkerns durch den Laser, kann der Augenarzt, wie bei der üblichen Technik mit dem Ultraschall, das Linsenmaterial weiter verflüssigen und absaugen. Anschließend legt er die eingerollte oder gefaltete künstliche Linse (IOL) durch den kleinen Schnitt in den Kapselsack ein. Die Variante der Kataraktoperation mit Femto-Sekundenlaser wird in Zukunft an Stellenwert gewinnen, da sie das Risiko für Schäden an der Augenstruktur deutlich vermindert.

Kataraktoperation: Komplikationen

Die Kataraktoperation gilt mit einer Komplikationsrate von weniger als 5 % als eine der sichersten und effektivsten Eingriffe überhaupt. In ca. 90 % der Fälle wird durch die Operation eine deutliche Sehverbesserung erreicht. Medikamente helfen dabei, vereinzelte Infektionen des Auges vorzubeugen oder aufzufangen. Das Risiko einer Netzhautablösung- und Schwellung ist bei den heutigen Operationsmethoden ebenfalls sehr gering. Dennoch kann es im Einzelfall zu Blutungen, einem Einriss der Linsenkapsel oder Schäden an der Hornhaut kommen. Liegen weitere Augenerkrankungen, wie ein grüner Star vor, ist zudem die Gefahr eines verzögerten Heilungsverlaufs erhöht.

Nachstar

Bei etwa 25-30 % der Patienten einer Kataraktoperation kommt es im Anschluss zur Ausbildung eines Nachstars. Dabei kommt es zu einer Eintrübung der im Auge verbliebenen hinteren Kapsel, die in einigen Monaten oder Jahren, nach dem operativen Eingriff, zu einer allmählichen Sehverschlechterung führen kann. Diese kann man sich wie die Sicht durch ein getrübtes Milchglas vorstellen. In den meisten Fällen lässt sich der Nachstar mit einem Lasereingriff (YAG-Laserbehandlung) nachhaltig und komplikationslos beseitigen. Durch eine Eröffnung der hinteren Kapsel kann das Licht wieder ungestört einfallen und für eine gute Sicht sorgen.

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Grauer Star: Kosten

Die Kosten einer Kataraktoperation können je nach Linsenart und Operationsverfahren zwischen ca. 1.800 € und 3.000 € je Auge schwanken. Ein Vergleich unterschiedlicher Anbieter lohnt sich, um auch Inklusivleistungen und Kosten für Vor- und Nachsorgeuntersuchungen zu vergleichen. Um wirklich auf Nummer sicher zu gehen, ist es ratsam, sich vor einer Operation mit den unterschiedlichen Angeboten an die jeweilige Krankenkasse zu wenden und die Kostenübernahme mit dem Arzt zu klären.

Grauer Star OP: Was zahlt die Krankenkasse?

In Deutschland werden in der Regel die Kosten einer Kataraktoperation mit einer Standardlinse von den meisten gesetzlichen und privaten Krankenkassen übernommen. Bei Sonder- oder Speziallinsen gibt es in Deutschland keine flächendeckende oder gesicherte Kostenübernahme und es können in solchen Fällen leicht Mehrkosten entstehen, die auf den Patienten zurückfallen. Patienten sollten also vor Vertragsabschluss die unterschiedlichen Angebote sehr genau mit ihrer Krankenkasse besprechen.

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Grauer Star: Wissenswertes

Es gibt einige praktische Tipps zur Vorbeugung des grauen Stars und klare Warnsignale, die einen Besuch beim Augenarzt notwendig machen.

Vorbeugung

Es gibt einige praktische Tipps zur Vorbeugung des grauen Stars und klare Warnsignale, die einen Besuch beim Augenarzt notwendig machen.

  • Eine gute Sonnenbrille ist ab der Kindheit absolute Pflicht! Gerade bei Aufenthalten in den Bergen und am Meer sollte man nie ohne ausreichenden UV-Schutz in die Sonne, um die Augen vor dem sogenannten »Strahlenstar« zu schützen.
  • Werdenden Müttern sollten einen ausreichenden Impfschutz haben, damit das Ungeborene nicht bereits im Mutterleib aufgrund von Infektionskrankheiten Augenschädigungen entwickelt.
  • Eine gesunde Lebensführung, inklusive Zurückhaltung beim Alkohol und absoluter Rauchverzicht, hält die Augen lange fit.
  • Personen die unter starker Kurzsichtigkeit oder Stoffwechselerkrankungen leiden, sollten regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen wahrnehmen.
  • Da die Augen schmerzlos und anfangs unbemerkt von einer Linsentrübung betroffen sein können, sollten alle Menschen ihre Augen regelmäßig vom Augenarzt kontrollieren lassen.

Insgesamt leiden nach Auskunft des Berufsverbandes der Augenärzte (BVA) und der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG) rund 50 % der Bevölkerung im Alter zwischen 52 und 64 Jahren an einem beginnenden grauen Star, ohne dass sie Einschränkungen beim Sehen bemerken. In der Altersgruppe von 65 bis 75 Jahren sind bereits weit über 90 % von einer Linsentrübung betroffen. Allerdings klagen nur rund die Hälfte der Erkrankten über einschränkende Sehbehinderungen, wenn sie älter als 75 Jahre sind.

Warnsignale – dann sollten Sie zum Augenarzt

Es gibt Warnsignale, bei denen Betroffene sofort einen Augenarzt aufsuchen sollten.

  • Stark gerötete Augen
  • Plötzliche Schmerzen am Auge
  • Starke Sehverschlechterung
  • Sicht wie durch einen „Schleier“ oder „Vorhang vor den Augen“
  • Wahrnehmung von Lichtblitzen oder Mouches volantes (Mückenschwärme vor den Augen)
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Grauer Star: Häufige Fragen

Bei normaler Heilungszeit von etwa vier Wochen kann das zweite Auge bereits einige Tage später operiert werden. Gerade bei hohen Kurzsichtigkeiten oder anderen Fehlsichtigkeiten können so beide Augen schnell aneinander angeglichen werden. Oft warten Augenärzte aber einen Monat zwischen beiden Operationen, damit das zuerst operierte Auge in einem reizlosen Zustand ist.

Eine hundertprozentige Brillenfreiheit kann nicht immer garantiert werden. Vor der Operation bespricht der Augenarzt immer die Bedürfnisse und Anforderungen des Patienten. So kann bei der Linsenwahl darauf geachtet werden, ob der Patient lieber eine Fernsicht ohne Brille, ein Lesen ohne Brille oder andere Varianten bevorzugt. Alle Optionen sind möglich und bieten Vor- wie Nachteile. Leichte Abweichungen von den besprochenen Zielwerten sind immer möglich und hängen von vielen Faktoren ab. Beim Auge handelt es sich um ein biologisches Gewebe, dass eine genaue Messung nicht immer einfach macht. Eine Abweichung von 0,5 Dioptrien bei normalen Augen gilt als tolerierbar.

Ja, die Kunstlinsen können wieder entfernt werden. In manchen Fällen ist dies sogar sinnvoll. Dann wenn nach der Operation nur Refraktionswerte erreicht wurden. Zudem kann es sehr selten dazu kommen, dass es Probleme mit dem Linsenmaterial gibt und die Linse eintrübt. Im Normalfall halten Kunstlinsen aber ein Leben lang.

Die Behandlungskosten für eine Kataraktoperation belaufen sich je nach Operationsmethode und Linsenwahl auf ca. 1.800 € bis 3.000 € je Auge. Die Kosten werden oft von den gesetzlichen oder privaten Krankenkassen übernommen. Um wirklich auf Nummer sicher zu gehen, ist es ratsam sich vor einer Operation mit den Angeboten an die jeweilige Krankenkasse zu wenden und die Kostenübernahme mit dem Arzt zu klären.

Ja, unbehandelt kann die Erkrankung grauer Star im schlimmsten Fall zu Erblindung führen. Die einzig wirksame Behandlungsmöglichkeit ist eine Kataraktoperation, bei der die trübe Linse entfernt und durch eine künstliche Linse ersetzt wird.

Der Begriff grauer Star bezeichnet eine Augenerkrankung, bei der es durch eine Eintrübung oder Brechkraftänderung der körpereigenen Augenlinse zu einer Abnahme des Sehvermögens und der Sehschärfe kommt. Der grüne Star wird als Sammelbegriff für ähnliche Erkrankungen des Auges verwendet, bei denen es zu einer Druckschädigung des Sehnervs, zu Gesichtsfeldausfällen und Veränderungen der Sehnervenpapille kommt.

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Von |2018-12-12T08:53:07+00:005. Dezember 2018|

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