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Grauer Star (Katarakt)

Die als Grauer Star (Katarakt) bekannte Augenerkrankung bezeichnet eine Trübung der Linse, die schmerzlos verläuft und im Anfangsstadium häufig unbemerkt bleibt. Die Eintrübung wird bei fortschreitender Erkrankung im Auge sichtbar. Es bildet sich ein grauer Schleier auf der Linse. Diese Erscheinung ist namensgebend für den Grauer Star. Die Bezeichnung »Star« entspricht einem historischen augenheilkundlichen Begriff, da Erkrankungen dieser Art in der Vergangenheit häufig zur Erblindung führten, was den Betroffenen einen »starren« Blick verlieh. Die moderne Medizin spricht heute – die weibliche Form nutzend – von einer Katarakt, womit alle Arten der Linsentrübungen gemeint sind. Der Graue Star galt früher als eine Alterserscheinung, was ihm den Beinamen Altersstar einbrachte. Inzwischen ist bekannt, dass die Erkrankung schon bei Neugeborenen feststellbar ist, im Verlauf bestimmter Krankheiten häufiger auftritt oder sich infolge einer Augenverletzung entwickelt.

Formen/Ursachen

Symptome
Behandlungsmöglichkeiten
Operationsmethoden
Weiterentwicklungen in der Kataraktoperation
Nachbehandlung
Diagnose und Zusatzleistungen
Vorbeugung
Grauer Star Operationskosten

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Formen/Ursachen

Grauer Star (Katarakt) haben verschiedene Ursachen. Grundsätzlich unterscheidet die Medizin:

Erbliche Veranlagung, bestimmte Umweltfaktoren und den erworbenen Grauen Star. Diese letzte Form kann bereits bei Neugeborenen auftreten, ist jedoch nicht erblich bedingt.

Erblich bedingter Grauer Star

Für den weitverbreiteten Altersstar ist erbliche Veranlagung ausschlaggebend. Es sind keine weiteren begünstigenden Aspekte bekannt, die zum Auftreten der Erkrankung führen. Als Begleiterkrankung anderer ererbter Erkrankungen tritt Grauer Star ebenfalls auf: Neurodermitis oder Morbus Wilson – eine Störung der Leber, bei der es zu Kupfereinlagerungen kommt – gelten als Ursache. Die Stoffwechselstörung Galaktosämie zählt in gleicher Weise zu den Auslösern, wenngleich hier ein Rückgang der Linsentrübung auftreten kann, wenn die Grunderkrankung mit einer Diät behandelt wird.

Bestimmte Umweltfaktoren

Grauer Star (Katarakt) entwickelt sich auch als Folge von Schädigungen aus der Umwelt wie infolge von Strahlung verschiedener Wellenlängen oder als Folgeerscheinung im Zusammenhang mit anderen Erkrankungen. Zahlreiche sogenannte Zivilisationskrankheiten zählen zu den Auslösern wie Diabetes mellitus Typ 1 und Typ 2. Aber auch das Rauchen oder starker Alkoholkonsum kann die Linsentrübung verursachen. Menschen mit ausgeprägter Kurzsichtigkeit zeigen vermehrtes Auftreten von Grauem Star ebenso wie Patienten in der Dialyse. Ein Mangel an essenziellen Nährstoffen, wie er in Entwicklungsländern häufig anzutreffen ist, gilt ebenfalls als Auslöser. Aus diesem Grund liegen auch in den Ländern mit großer Armut die höchsten Fallzahlen weltweit vor. Bestimmte Medikamente wie Kortison können zu Grauem Star führen. Eine gründliche Überwachung durch den Augenarzt ist im Verlauf einer Kortisonbehandlung dringend angeraten. Nicht zuletzt kann eine Augenoperation selbst Grauen Star auslösen.

Erworbener Grauen Star

Tritt der Graue Star bei Neugeborenen auf, handelt es sich entweder um eine Folge der Galaktosämie oder die Schädigung trat bereits im Mutterleib ein. Meist gelten Röteln- oder Mumpsinfektionen als Auslöser.

Insgesamt leiden nach Auskunft des BVA und der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG) rund 50 % der Bevölkerung im Alter zwischen 52 und 64 Jahren an einem beginnenden Grauen Star, ohne dass sie Einschränkungen beim Sehen bemerken. In der Altersgruppe von 65 bis 75 Jahren sind bereits weit über 90 % betroffen. Allerdings klagen nur rund die Hälfte der Erkrankten über Sehbehinderungen, wenn sie älter als 75 Jahre sind.

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Symptome

Erste Symptome des Grauer Star (Katarakt) bemerkt der Patient meist nicht. Die Krankheit verläuft unauffällig und schmerzlos. Mit zunehmender Trübung kommt es zu einem Verlust der Sehschärfe. Die Umwelt wird wie durch einen Schleier wahrgenommen. Das sogenannte Schleiersehen geht zudem mit dem Sehen von Doppelbildern einher und führt zu Einschränkungen beim Kontrastsehen. Viele Betroffene nehmen einen Lichtschein um Objekte wahr und die Augen passen sich verändernden Lichtverhältnissen nur unzureichend an. Bei Fortschreiten des Grauer Stars bemerkt der Patient ein Nachlassen des Sehvermögens in der Ferne oder in der Nähe. Häufig begleitet eine gesteigerte Empfindlichkeit des Auges bei Helligkeit die Ausbildung des Grauen Stars. Zu den Blendeffekten kommt es infolge der diffusen Lichtstreuung durch die getrübte Linse. Flüssigkeit lagert sich ab und es entwickelt sich der sogenannte reife Star (Cataracta matura), der nur Helligkeitsunterscheidungen erlaubt. Konnte die Trübung bereits die gesamte Linse erfassen, spricht der Mediziner vom Kernstar, der zur Erblindung führt. In diesem Stadium ist die Linsentrübung auch für medizinische Laien deutlich erkennbar an der grauen Verfärbung der Linse.

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Behandlungsmöglichkeiten

Laut Informationsschrift des Bundesverbands der Augenärzte Deutschlands (BVA) ist die Kataraktoperation die am häufigsten durchgeführte Operation in Deutschland absolut. Rund 650.000 Operationen werden jährlich gezählt. Mehrheitlich finden die Eingriffe unter örtlicher Betäubung statt. Der Patient erhält ein künstliches Linsenimplantat, das die Aufgaben der natürlichen Linse übernehmen soll. In seltenen Fällen entfernt der Operateur nur die getrübte Linse, ohne dass es zum Einsatz einer Kunstlinse kommt. Eine extreme Weitsichtigkeit ist die Folge, die mit einer sogenannten Starbrille ausgeglichen wird. Alternativ kommen anstelle der Brille Kontaktlinsen infrage. Andere Behandlungsmöglichkeiten bestehen gegenwärtig nicht. Vorbeugend kann der Patient nur in seltenen Fällen der Entwicklung einer Grauer Star Erkrankung entgegenwirken. Eine gesunde Lebensweise oder die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln kann unter bestimmten Bedingungen den Verlauf verlangsamen.

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Operationsmethoden

Die Grauer Star Operation gilt als gut eingeführt und als sichere Behandlungsmethode. 90 % der so behandelten Patienten konnten nach dem Eingriff besser sehen. Meist wird die Kataraktoperation ambulant durchgeführt. Sind beide Augen betroffen, beginnt die Operation am stärker geschädigten Auge. Die örtliche Betäubung erfolgt mittels Tropfen oder mit einer Spritze. Zunächst erfolgt ein kleiner Schnitt von bis zu 3 mm Länge, der später schnell und häufig sogar ohne Nähen verheilt. Alternativ führt der Operateur einen kreisrunden Einschnitt durch. Kern und Rinde der Linse verflüssigt der Arzt mithilfe von Ultraschall. Das verflüssigte Gewebe wird anschließend vollständig aus dem Auge entfernt und die künstliche Intraokularlinse eingesetzt. In vielen Fällen belässt der Arzt dafür die hintere und seitliche Linsenkapsel im Auge, in die er die künstliche Intraokularlinse einfügt. Feine Haltebügel verankern das Linsenimplantat in der sogenannten Kapselovale. Nur noch in Ausnahmefällen führt der Operateur einen längeren Schnitt am Rand der Hornhaut durch. Er dient als Zugang zur Linse, die durch diesen Einschnitt ganz oder teilweise entfernt wird. Auch hier kommt es anschließend zum Einsatz einer künstlichen Intraokularlinse. Die Operationsmethoden unterscheiden sich je nach eingesetztem Linsenimplantat: starre Kunststofflinsen oder weiche Linsen aus Silikon oder Acrylkunststoff.

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Weiterentwicklungen in der Kataraktoperation

Moderne Techniken und der Einsatz von Lasern erlauben es, für die Operation auf verschiedene Verfahrensweisen zurückzugreifen. Anstelle eines Skalpells nutzt der Arzt einen sogenannten Femtosekundenlaser, um den Schnitt an der Hornhaut durchzuführen. Der ursprünglich für die refraktive Chirurgie (LASIK) entwickelte Präzisionslaser wurde später für die Kataraktoperation weiterentwickelt. Dem Arzt stehen nun mehr Möglichkeiten zur Verfügung, die Brechkraft der Linse zu manipulieren und so im Verlauf einer Grauer Star Operation auch andere Sehbehinderungen zu behandeln. In den meisten Fällen kann der Patient nach dem Eingriff ohne weitere Sehhilfen auskommen oder zumindest in der Nähe oder in der Ferne ohne Brille gut sehen. Bei den Implantaten ist als Weiterentwicklung die Licht-Adjustierbare Linse (LAL) hinzugekommen. Hier ist die Brechkraft der Linse auch noch nach der Operation durch eine Bestrahlung mit UV-Licht zu beeinflussen.

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Nachbehandlung

Im Anschluss an die Kataraktoperation wird das Auge mit einem Salbenverband abgedeckt. Mechanische Belastungen des Auges wie Reiben oder Drücken können die Heilung verzögern, weshalb manche in den ersten Nächten nach dem Eingriff einen leichten Augenverband tragen. Vorsicht ist auch beim Duschen und bei der Haarwäsche angezeigt: Für wenige Tage sollte der Kontakt mit Wasser und Seife in der Augenpartie unterbleiben. Körperliche Anstrengungen sind in den ersten Tagen nach der Operation zurückzustellen.

Nach Entfernen der getrübten Linse gelangt mehr Licht ins Auge. Der Effekt wird zusätzlich durch die Intraokularlinse verstärkt, die mehr Lichtstrahlung passieren lässt als eine natürliche, gesunde Linse. Viele Patienten nutzen nach einer Staroperation eine Sonnenbrille. In den ersten Wochen nach der Operation ist das neu gewonnene Sehvermögen schwankend. Es wird einige Zeit in Anspruch nehmen, bis der Augenarzt die Sehkraft neu ermittelt und gegebenenfalls eine neue Brille anpasst.

Bis zum Abschluss aller Nachuntersuchungen ist der Patient gehalten, sich streng an die ihm verordnete Nachsorge zu halten. Kontrollbesuche beim Augenarzt stellen sicher, dass Komplikationen nach der Operation entweder zu vermeiden sind oder umgehend behandelt werden. Eine zentrale Netzhautschwellung, das Ablösen der Netzhaut und ein verzögerter Heilungsverlauf bei Vorliegen weiterer Augenerkrankungen wie erhöhter Augeninnendruck oder Hornhautdegeneration kommen ausgesprochen selten vor.

In manchen Fällen verschlechtert sich das Sehvermögen im Verlauf von Wochen oder Monaten nach einer Operation. Der sogenannte Nachstar oder auch Kapselfibrose stellt eine Trübung der im Auge verbliebenen hinteren Linsenkapsel dar, die mit der YAG-Laser Kapsulotomie entfernt wird.

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Diagnose und Zusatzleistungen

Augenärzte empfehlen eine regelmäßige Kontrolle der Augen ab dem 40. Lebensjahr. Nicht alle Untersuchungen zahlt die Krankenkasse. Die Untersuchungsmethoden für den Grauen Star zählen zum üblichen Rüstzeug aller Augenärzte. Ein Spaltlampenmikroskop ist fester Bestandteil jeder augenärztlichen Praxis. Die Spaltlampe ermöglicht eine bis zu vierzigfache Vergrößerung des betrachteten Auges, bei dem zunächst der vordere Augenabschnitt untersucht wird. Bindehaut, Hornhaut, Lederhaut, Regenbogenhaut und Linse erfahren eine genaue Betrachtung. Alterungserscheinungen des Auges lassen sich so meist schnell erkennen und vorhandene Schädigungen sind gut auszumachen.

Im hinteren Augenabschnitt untersucht der Augenarzt den Glaskörper sowie die Netzhaut, die sich am Augenhintergrund befindet. Wichtige Strukturen werden sichtbar wie der Sehnerv und die Makula. In der Makula befindet sich der Punkt des schärfsten Sehens. Dem Augenarzt ist es als einzigem Mediziner möglich, den Zustand der Gefäße zu beurteilen, die im Augenhintergrund liegen und deutlich unter der Spaltlampe sichtbar sind. Eingetretene Schädigungen, wie sie zum Beispiel im Zusammenhang mit zu hohem Blutdruck auftreten, sind durch eine Betrachtung mit dem Spaltlampenmikroskop feststellbar.

Die Untersuchung mit der Spaltlampe ist nur so lange sinnvoll, wie die Linse noch nicht vollständig getrübt ist. Konnte sich der Graue Star schon bis zum reifen Star entwickeln, ist eine Untersuchung des Augenhintergrunds mit einer Spaltlampe nicht mehr durchführbar. Vor einem operativen Eingriff muss sich der Augenarzt jedoch auch über eventuelle weitere Augenerkrankungen ein Bild machen, um Risiken auszuschließen. Eine Ultraschalluntersuchung erlaubt die Begutachtung des hinteren Augenabschnitts selbst bei fortgeschrittener Trübung der Linse. Ein sogenanntes Retinometer misst das Auflösevermögen der Netzhaut. Der Augenarzt kann aus diesen Untersuchungsergebnissen Rückschlüsse auf das zu erwartende Ergebnis einer Kataraktoperation ziehen. In Verlauf einer umfangreichen Vorsorgeuntersuchung kann der Augenarzt zusätzlich eine Perimetrie durchführen, bei der eine Untersuchung des Gesichtsfeldes stattfindet.

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Vorbeugung

Der altersbedingten Eintrübung der Linse kann der Patient nicht vorbeugen. Ebenfalls kann er den Vorgang kaum verlangsamen oder gar aufhalten. Alternative Behandlungsmethoden sind außer der Operation keine bekannt. Schon im Altertum wurde die Linsentrübung operativ mit einem sogenannten »Starstich« behandelt. Dabei durchstach der Arzt die Hornhaut mit einer Nadel und verschob die getrübte Linse im Augapfel. Licht fällt nun ungehindert ins Auge. Der so behandelte Patient tauscht die Linseneintrübung mit einer extremen Weitsichtigkeit, kann dafür jedoch seine Umwelt wieder wahrnehmen. In Ländern mit schlechter ärztlicher Versorgung wird der Eingriff in dieser Art bis heute durchgeführt.

Zu den wichtigsten Vorbeugemaßnahmen zur Verhinderung von Grauem Star zählt beispielsweise eine Rötelimpfung, damit das Ungeborene nicht bereits im Mutterleib Augenschädigungen entwickelt. Starkes Rauches oder exzessiver Alkoholkonsum begünstigt ebenfalls die Ausbildung von Linsentrübungen durch Stoffwechselprodukte, die beim Abbau des Alkohols entstehen oder allgemein infolge von Schadstoffen im Rauch. Nikotinstopp und Alkoholverzicht können das Auftreten zumindest hinauszögern. Häufig unterschätzt werden auch die Gefahren aus der Sonneneinstrahlung: auf hohen Bergen oder dem offenen Meer ist eine gute Sonnenbrille Pflicht, um die Augen vor dem in Fachkreisen »Strahlenstar« genannten Katarakt zu schützen. Gefährdet sind auch alle die Personen, die vermehrt Infrarotstrahlung ausgesetzt sind. Die Wärmestrahlung führt bei Glasbläsern oder bei Arbeiten am Hochofen ebenfalls zum Grauen Star.

Personen, die unter starker Kurzsichtigkeit leiden, sollten nicht nur aus diesem Grund regelmäßig die Vorsorgeangebote ihres Augenarztes in Anspruch nehmen. Sie gelten als besonders gefährdeter Personenkreis. Vergleichbares gilt für Erkrankte, die bestimmte Medikamente wie Kortison verwenden müssen. Eine eventuell eintretende Trübung kann sich nach dem Absetzen des Medikaments zurückbilden. Keinesfalls dürfen Betroffene die Behandlung ohne Rücksprache mit dem Arzt und dem Augenarzt unterbrechen. Patienten, die wegen Diabetes mellitus ärztliche Betreuung benötigen, sollten regelmäßig Vorsorgeuntersuchungen beim Augenarzt in Anspruch nehmen.

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Grauer Star Operationskosten

Die Kosten einer Kataraktoperation trägt die Gesetzliche Krankenversicherung (GKV) vollständig. Bei einem klinischen Aufenthalt von meistens nicht mehr als zwei Tagen addieren sich für den Patienten von Fall zu Fall Zuzahlungen hinzu. Sonderleistungen übernimmt die GKV nicht. Diese können sinnvoll sein, wenn im Verlauf der Operation weitere Augenleiden wie Hornhautverkrümmung (Astigmatismus) behandelt werden oder eine multifokale Intraokularlinse eingesetzt wird, die gutes Sehen in der Nähe und in der Ferne ermöglicht.

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