Zufallsfund: Infrarotlicht kann für menschliches Auge sichtbar sein

Infrarot: Unter bestimmten Voraussetzungen für Menschen sichtbar

Die Infrarotstrahlung ist heutzutage Grundlage vieler unterschiedlicher Technologien und Gerätschaften: In der Medizin beispielsweise kommen spezielle Wärme- und Heizstrahler auf Infrarotbasis zum Einsatz. Auch entsprechende Laser, die beispielsweise in der Augen-, Zahn- und Hautheilkunde längst zum Standardinventar gehören, können vergleichsweise schonend Linderung verschaffen. Das Infrarotlicht kann dabei vom menschlichen Auge nicht wahrgenommen werden. Der simple Grund: Seinen Photonen (Lichtteilchen) sind zu schwach, um die Sinneszellen unserer Netzhaut anzuregen.

Eine Studie der Case Western Reserve University in Cleveland (USA) stellt dies nun in Frage: Durch einen Zufallsfund stellte das Forscherteam um Krzysztof Palczewski fest, dass das menschliche Auge unter bestimmten Voraussetzungen durchaus Infrarotphotonen wahrnehmen kann. Bei einer Versuchsanordnung mit Infrarotlasern nahmen Teammitglieder schwache, grünliche Lichtblitze wahr, wo sie eigentlich nicht hätten auftreten können.

Von dem Phänomen angetan, fokussierten sich die Forscher fortan auf die weitere Erforschung des Zufallsfunds. In einer anderen Versuchsanordnung isolierten sie das lichtempfindliche Pigment aus dem menschlichen Auge, bestrahlten es mit Infrarotlicht und stellten erneut Reaktionen fest, die es nach dem aktuellen Stand der Wissenschaft eigentlich gar nicht geben dürfte.  Über die Erkenntnisse ihrer Studie berichteten die Forscher anschließend im Fachjournal „Scientific American“.

Die (vereinfachte) Lösung des Rätsels: Treffen zwei schwache Photonen gleichzeitig auf den Rezeptor des menschlichen Auges, können sie diesen quasi mit doppelter Kraft stimulieren und zu einer Wahrnehmung führen. Ein solches Zusammentreffen geschieht völlig zufällig und damit unkontrolliert. Fachleute kennen diesen Effekt im Kontext der so genannten Zwei-Photonen-Laser-Scanning-Konfokalmikroskopie. Einen konkreten Nutzen hat diese Erkenntnis (noch) nicht. Sie stellt jedoch eindrucksvoll unter Beweis, dass der Status Quo der Forschung stets in Frage gestellt werden kann.