Wird die virtuelle Reality bald zur „echten“ Realität?

So langsam, aber sicher kommt das Nischenthema Virtual Realität in der breiten Masse an: Platzhirsch Samsung vermeldete kürzlich, dass man vom Modell „Gear VR“ mittlerweile knapp 200.000 Einheiten verkauft hat. Noch vor zwei Jahren war das Gerät weitgehend unbekannt und höchstens ein Thema für Softwareentwickler, die Inhalte für die VR-Brille entwickeln wollten. Der Blick nach vorne fällt entsprechend verheißungsvoll aus: Durch die Tatsache, dass mittlerweile mehr als 10 große Weltmarken entsprechende Produkte lancieren, wird das Thema endgültig allgegenwärtig. Dies führte unter anderem dazu, dass sich mittlerweile jeder fünfte Deutsche über 14 Jahren die Anschaffung einer VR-Brille vorstellen kann.

Das Wachstum ruft auch philosophisch angehauchte Fragen auf: Wie wird das regelmäßige Eintauchen in die virtuelle Realität unsere „echte“ Realität verändern? Was bedeutet der Blick durch die High-Tech-Brille für das Berufs- und Privatleben? Welche medizinischen Auswirkungen hat der Konsum, so beispielsweise auf Gehirn und Augen? Forscher und Industrie sind sich einig, dass der Massenmarktdurchbruch von Virtual Reality ähnlich bedeutsam ausfallen wird wie die Einführung von Smartphones vor rund zehn Jahren. Strenggenommen gibt es den VR-Hype bereits seit über 20 Jahren. Der feine Unterschied: Anno 2016 ist die Hardware erstmals so weit, dass man wirklich von „Realität“ sprechen kann.

Die klassische Medienlandschaft sei noch gar nicht auf diese Revolution vorbereitet, heißt es von Marktbeobachtern. Unser Medienkonsum wird sich massiv wandeln: Statt Inhalte zu konsumieren werden wir in diese schon bald tatsächlich „eintauchen“ können. Die Intensität des dadurch Erlebten steigt – die Gefühlsregungen dürften entsprechend stärker ausschlagen, eher hängenbleiben. Forscher gehen sogar davon aus, dass unser Gehirn irgendwann den Unterschied zwischen der virtuellen und der echten Realität nicht mehr wahrnehmen kann – ein evolutionärer Lernprozess, der erst jetzt beginnt, aber längst keine Science-Fiction mehr ist.

Da wir die virtuelle Realität durch immer bessere Technik mit allen Sinnen wahrnehmen werden, sehen Mediziner insbesondere ein überdurchschnittlich hohes Suchtpotential. Wie man auf dieses reagieren soll, ist noch ungeklärt. Soziale Abkapselung Einzelner, die sich ihre Wunschrealität in den heimischen vier Wänden rendern lassen, ist da nur eine mögliche Extremausprägung. Doch nicht alle davon werden negativ sein: Virtuelle Realität wird auch Menschen zusammenbringen, indem man beispielsweise „VR-Konferenzen“ abhält. Diese werden sich schon bald so anfühlen, als sei man mit den teilnehmenden Personen in einem Raum.