Wie wird eine Netzhautprothese in das Auge integriert?

Die Aufgabe der Netzhautprothese ist es, die eingeschränkte Funktionalität der Netzhaut des Auges zu verbessern und dadurch die Lebensqualität der Betroffenen, vor allem bei Retinitis pigmentosa, deutlich zu erhöhen. Dafür haben sich unterschiedliche Verfahren in der Medizin etabliert.

Die Integration der Prothese

Aktuell werden die Netzhautprothesen durch eine leichte Netzhautablösung auf oder unter der Netzhaut des Auges platziert. Auf diese Weise wird der Teil der Netzhaut, der irreparable Schäden aufweist durch die Prothese ersetzt. Für die Integration der Prothese sind minimalinvasive Eingriffe notwendig, die ein sehr hohes Maß an Präzision erfordern. Dadurch werden bei dieser Operation häufig Roboter unterstützend eingesetzt.

Welche unterschiedlichen Arten gibt es?

Spezial-Chip fuer BlindeBisher beschäftigte sich die Wissenschaft nahezu ausschließlich mit der Entwicklung künstlicher Netzhautprothesen. Diese bestehen grundsätzlich aus drei Teilen. Bei der ersten Möglichkeit kommt eine Mikrokamera in der Brille des Nutzers zu Einsatz, die die Umgebung aufzeichnet und durch eine Mikroschaltung sämtliche Kameradaten in ein elektrisches Signal umwandelt. Das Signal wird schließlich von der implantierten Elektrodenmatrix direkt auf die Netzhaut übertragen.

Die Zweite Möglichkeit umfasst ein Implantat, ein Empfänger und ein Steuergerät. Bei dieser Methode werden mittels der Netzhautprothese das einfallende Licht in elektrische Signale umgewandelt und an noch funktionsfähige Netzhautschichten weitergegeben und von dort über den Sehnerv an die Bereich des Hirn geleitet wo der visuelle Kortex sitzt. Mittels einer elektrischen Spule, deren Kabel unter der Haut zur Schläfe verlaufen, erfolgt gekoppelt an ein Steuergerät die Externe Stromversorgung dieser Prothese.

Weiterhin werden seit einigen Jahren ebenfalls „echte“ Netzhautprothesen erforscht. Diese untersucht derzeit vor allem das RIKEN-Forschungszentrum in Japan, das bereits erste Erfolge verzeichnen konnte. Eine echte Netzhautprothese besteht aus menschlichem Eigengewebe und stellt eine exakte Rekonstruktion der Netzhaut dar. Sie wird aus den Stammzellen des Betroffenen gezüchtet und trägt die lichtempfindlichen Rezeptoren, die für das Sehen benötigt werden.

Fortgeschrittene Forschung im Bereich der „echten“ Netzhautprothesen

Die Erforschung der echten Netzhautprothese steht aktuell noch am Anfang. Dennoch ist es den Forschern in Japan gelungen, kleinere Stücke des äußeren Netzhautgewebes aus Stammzellen zu züchten. Die Wissenschaftler entnahmen dazu Hautzellen von Mäusen und wandelten diese in Stammzellen um.

Die auf diese Weise entwickelten Netzhautprothesen wachsen komplikationsfrei mit der bestehenden Netzhaut zusammen und stellen dadurch deren Funktionsweise vollständig wieder her.

Umfassende Hilfe für Betroffene

Die Forschungsergebnisse der Wissenschaftler aus Japan lassen darauf schließen, dass die Implantation echter Netzhautprothesen künftig auch beim Menschen durchgeführt werden kann. Aktuell steht Betroffenen jedoch ausschließlich die künstliche Netzhautprothese zur Verfügung. Diese ermöglicht Patienten zumindest eine Verbesserung des Sehvermögens. Durch elektrische Signale entstehen Lichtreize auf der Netzhaut, die für eine bessere Orientierung sorgen. Vorerst müssen die Patienten jedoch lernen, die ungewohnten optischen Signale zu interpretieren. In seltenen Fällen können die Betroffenen sogar große Buchstaben lesen und Symbole erkennen.

© Bild: Henrie / Fotolia.com