Wie entstehen optische Täuschungen?

Optische Täuschungen: Wenn das Gehirn etwas vorgaukelt

Sie kennen das Spiel womöglich aus Kettenmails oder sozialen Netzwerken: Bilder mit bestimmten, scheinbar zusammenhanglosen Formmustern machen die Runde. Man soll diese eine Zeit lang konzentriert betrachten und beobachten, wie sich die Anzeige infolgedessen verändert. Was der Betrachter im nächsten Schritt erlebt, mutet wahrlich magisch an: Plötzlich verschieben sich Linien, Formen oder Farben verändern sich. Natürlich handelt es sich nicht um Zauberei, sondern um simpel gestrickte optische Täuschungen.

Experten unterscheiden heute verschiedene Arten von optischen Täuschungen, so insbesondere Bewegungsillusionen, Tiefenillusionen, Farbillusionen sowie geometrische Illusionen. Obwohl umfangreich erforscht, hat die Medizin im Bereich der Wahrnehmungs- und Gestaltpsychologie den genauen Ursprung bis heute nicht genau festmachen können. Fest steht, dass unsere optische Wahrnehmung vom Gehirn subjektiv beeinflusst wird.

Eine heiß diskutierte Hypothese zu diesem Thema kommt aus der Feder des US-amerikanischen Forschers Mark Changizi. Changizi will rund 50 Arten von optischen Täuschungen mit dem „Blick in die Zukunft“ erklären. Jener Blick soll auf die Tatsache zurückgehen, dass unsere Netzhaut das einfallende Licht erst eine Zehntelsekunde nach dem Auftreffen auf der Netzhautoberfläche verarbeitet. Diese minimale Verspätung versucht das menschliche Gehirn übergangsweise zu kompensieren, indem es das Bild so zeichnet, wie es in der nahen Zukunft (eine Zehntelsekunde später) zu erwarten wäre.

Optische Täuschungen sind laut Changizi demnach nichts anderes als der Versuch des Gehirns eine lange Leitung zu überbrücken und dem Menschen eine nahtlose Wahrnehmung zu eröffnen. Jene These bleibt bis heute umstritten, gilt jedoch als wichtiger Vorstoß bei der Erforschung der beschriebenen Illusionen.

Übrigens: Optische Täuschungen gibt es auch in vielen Alltagssituationen, ohne das wir diese als solche wahrnehmen. Achten Sie beispielsweise auf die Räder von fahrenden Fahrzeugen in Filmen und TV-Sendungen. Vielfach sieht es so aus, dass sich diese rückwärts bewegen. Der Effekt ist allerdings dem schnellen Aneinanderreihen statischer Bilder („Frames“) geschuldet. Auch die berühmte „Fata Morgana“ in der Wüste geht auf eine optische Täuschung zurück.