Sie sind hier :///Wenn Kurzsichtigkeit krankhaft wird – Die möglichen Folgen einer hohen Myopie

Wenn Kurzsichtigkeit krankhaft wird – Die möglichen Folgen einer hohen Myopie

Die Kurzsichtigkeit (Myopie) ist auf dem Vormarsch: Immer mehr Menschen benötigen für den Blick in die Ferne eine Sehhilfe. Anlässlich der Pressekonferenz auf der diesjährigen AAD (Augenärztlichen Akademie Deutschlands) referierte Herr PD. Dr. Joachim Wachtlin vom Sankt Gertrauden Krankenhaus in Berlin über die Gefahren einer starken, krankhaften oder pathologischen Kurzsichtigkeit und deren möglichen Folgen. Wir haben die wichtigsten Erkenntnisse im Folgenden dargestellt.

Zahl der Menschen mit Kurzsichtigkeit nimmt zu

Gut 35 Prozent der Menschen zwischen 35 und 74 Jahren sind kurzsichtig – das zeigt die Gutenberg-Gesundheitsstudie. Das European Eye Epidemiology Consortium veröffentlichte im Jahr 2015 Zahlen, die für Europa eine deutliche Zunahme der Kurzsichtigkeit aufzeigen: 15 Prozent der 75-Jährigen, 34 Prozent der 50-Jährigen und schon bereits 46 Prozent der 25-Jährigen sind davon betroffen. Die Menschen, die davon betroffen sind, haben neben ihrem Sehfehler auch ein höheres Risiko für Folgeerkrankungen, die das Sehvermögen ernsthaft bedrohen können.

Was ist Kurzsichtigkeit?

Kurzsichtig ist ein Auge, wenn der Augapfel im Verhältnis zur Brechkraft zu lang ist. Die einfallenden Lichtstrahlen bündeln sich dann vor der Netzhaut und es entsteht ein unscharfes Bild. Die Ursachen der Kurzsichtigkeit werden noch erforscht. Bekannt ist, dass vererbte Anlagen und die Seherfahrung in der Kindheit und Jugend eine Rolle spielen. Häufige Naharbeit – Lesen, der Blick auf das Mobiltelefon oder Ähnliches – scheint das Längenwachstum des Augapfels anzuregen. Der Aufenthalt bei Tageslicht im Freien scheint dagegen der Entstehung einer Kurzsichtigkeit entgegenzuwirken. Bei einer Kurzsichtigkeit von -6 Dioptrien oder mehr spricht man von einer krankhaften oder pathologischen Myopie. Generell bei Kurzsichtigkeit, besonders aber in solch einem Fall, sollten die Betroffenen ihre Augen daher regelmäßig augenärztlich untersuchen lassen.

Kurzsichtigkeit und Weitsichtigkeit© Alila Medical Media / Fotolia

Wann sprechen Augenärzte von einer hohen, krankhaften Kurzsichtigkeit?

Vor allem die Länge des Auges ist das Merkmal, an dem Augenärzte die krankhafte Kurzsichtigkeit erkennen. Eine pathologische Myopie liegt vor, wenn das Auge eine Achslänge von mindestens 26,5 mm erreicht hat. Bei einem durchschnittlichen Auge beträgt die Länge etwa 23,5 mm. Indirekte Hinweise sind eine Brechkraft von mehr als -6 Dioptrien und das Vorliegen von beerenförmigen Ausbuchtungen im hinteren Bereich des Auges (Staphylome). Ein solches Auge ist nicht kugelförmig, sondern weist eine zylindrische Form auf, eventuell mit asymmetrischen Wölbungen.

Das Auge wird „dünnwandig“

Wenn der Augapfel besonders lang und damit die Kurzsichtigkeit sehr stark ist, entstehen auch Risiken für verschiedene Augenerkrankungen. Unter anderem wird das Auge „dünnwandig“ und die Netzhaut wird anfällig für Schäden. Daraus ergibt sich ein höheres Risiko beispielsweise für Netzhautlöcher und einer daraus resultierenden Netzhautablösung, für krankhafte Gefäßneubildungen im Bereich der Stelle des Schärfsten Sehens (Makula) in der Netzhautmitte und für Netzhautlöcher im Bereich der Makula. Menschen mit einer hohen Kurzsichtigkeit erkranken auch häufiger am Glaukom (Grüner Star) und die altersbedingte Trübung der Augenlinse (Grauer Star, Katarakt) tritt bei ihnen oft schon früher auf. Deshalb ist in diesen Fällen die Rede von einer krankhaften Kurzsichtigkeit (pathologische Myopie). Sie ist für sieben bis neun Prozent der Fälle von Blindheit und Sehbehinderung in Westeuropa verantwortlich. In Deutschland erblinden schätzungsweise sieben bis acht Menschen pro einer Million an den Folgen der krankhaften, pathologischen Myopie.

Fazit

Menschen mit einer Myopie, besonders diejenigen mit stark kurzsichtigen Augen, benötigen nicht nur eine Sehhilfe. Sie sollten sich auch dessen bewusst sein, dass sie von einer krankhaften Veränderung des Auges betroffen sind und das Risiko für weitere, teils schwerwiegende Augenerkrankungen ansteigt, die durch die größere Länge des Augapfels und dünnere Gewebeschichten bedingt sind. Gerade kurzsichtige Menschen sollten daher die Gesundheit ihrer Augen regelmäßig in einer Augenarztpraxis untersuchen lassen und besonders sensibel auf Sehverschlechterungen achten. Wenn sich das Sehen bei hoher Kurzsichtigkeit ändert, sollte immer zunächst eine Augenerkrankung als Ursache ausgeschlossen werden, denn viel seltener als bei Normalsichtigen oder bei Personen mit leichtem Sehfehler müssen stark myope Personen mit einer neuen Brille behandelt werden. Vielmehr sollte in einem solchen Fall oft eine andere Behandlung wie eine Operation erfolgen, um einen weiteren Sehverlust zu vermeiden. Das gilt auch für Menschen, die sich für eine operative Korrektur ihres Sehfehlers entschieden haben – sei es mit einem Lasereingriff wie der LASIK, sei es mit einem Austausch der Linse. Denn diese Operationen ändern nichts an der Länge des Augapfels und der damit verbundenen Ausdünnung der Gewebeschichten und somit auch nichts an dem Risiko, von den genannten Erkrankungen betroffen zu werden.

Quelle:
PD Dr. med. Joachim Wachtlin
Fachabteilung für Augenheilkunde
Sankt Gertrauden Krankenhaus
Paretzer Straße 12
10713 Berlin
Tel.: 030/8272 2425
Fax: 030/8272 29 2425
E-Mail: augenheilkunde@sankt-gertrauden.de

Print Friendly, PDF & Email
Von |2018-08-16T10:31:48+00:0019. März 2018|
Schriftgröße ändern
Kontrast