Vom Streber zum „Geek-Chic“: Brille im Wandel der Zeit

Rund um das Thema Brille ranken sich viele Mythen und Vorurteile. Vielfach vermutet man beispielsweise, dass Brillenträger per se klüger sind als Menschen ohne Sehhilfe – beispielsweise denken wir dabei an unsere alten Lehrer in der Schule oder der Universität, die zumeist eine strenge „Denkerbrille“ auf der Nasenspitze balancierten. In jüngeren Jahren wurde die Brille stellenweise eher negativ mit „Streber“ oder „Langweiler“ gleichgesetzt.

Die Assoziation der Begriffe „Brille“ und „Intelligenz“ ist schnell erklärt: Früher wurden solche Sehhilfen fast ausschließlich beim Lesen verwendet – und lesen konnte lediglich die gebildete Schicht. Hinzu kam die Tatsache, dass sich ärmere Menschen eine Sehhilfe häufig nicht leisten konnten. Tatsächlich also konnte die Brille zumindest in ihren Frühzeiten entfernt mit „Bildung“ gleichgesetzt werden. Heutzutage trifft die Pauschaldenke natürlich nicht mehr zu – es gibt keine wissenschaftlichen Beweise dafür, dass Brillenträger smarter sind als der Rest der Bevölkerung.

Die „Streber“-Komponente entstand aus der Tatsache heraus, dass die Brille vor einer nicht allzu langen Zeit in erster Linie funktionieren – d.h. die Sicht verbessern – musste. Wie sie dabei aussah war zweitrangig oder gar vollends irrelevant. Entsprechend waren die ersten Lesebrillengenerationen klobig, unförmig und viel zu groß, was die erwähnten Unkenrufe manifestierte.

Doch wie so oft hat sich die Mode mit der Zeit gedreht: Heute sind die so genannten „Geek-/Nerdbrillen“ so angesagt wie noch nie zu vor. Dicke, dunkle Gestelle begründen den „Geek-Chic“-Trend, der Menschen dazu bringt, selbst ohne jede Sehschwäche eine Brille zu tragen – als zeitloses modisches Accessoire. Die Menschen, die auf eine Brille angewiesen sind, gelten infolgedessen plötzlich als echte „Trendsetter“.