Volksweisheiten rund ums Auge: Schadet Fernsehen wirklich meiner Sehkraft?

Wir alle kennen die gut gemeinten Ratschläge rund ums Auge aus unserer Kindheit: Beispielsweise soll man nicht übermäßig dem TV-Programm frönen oder zu nah am Bildschirm hocken. In anderen Fällen rieten Eltern energisch vom Lesen unter der Bettdecke ab. Grundsätzlich gilt: Weder das eine noch das andere Extrem der Diskussion ist förderlich – schließlich kann man über die Wirkung von übermäßigem TV-Konsum genauso streiten wie über das Lesen unter schlechten Lichtbedingungen. Fest steht allerdings, dass an den vermeintlichen Sehkraftkillern spätestens im Erwachsenenalter nichts dran ist.

Mythos 1: Lesen unter eingeschränkten Lichtverhältnissen

Wer sein Buch bei schwacher Schlafzimmerbeleuchtung schmökert, wird im Anschluss mit trockenen Augen und/oder Kopfschmerzen zu kämpfen haben. Der Grund: Wir müssen uns mehr konzentrieren, die Augen intensiver „scharfstellen“ – das führt zu einer (unnötigen) Überbeanspruchung des Sehorgans.

Eine andauernde Schädigung der Sehkraft kann bei einem gesunden Menschen allerdings nicht damit einhergehen. Bei Heranwachsenden sieht die Situation womöglich anders aus: Es gibt Hinweise darauf, dass ein zu geringer Leseabstand und/oder eine unzureichende Raumbeleuchtung die Entstehung von Kurzsichtigkeit bei Kindern fördern können. Restlos nachgewiesen ist die These allerdings noch nicht. Auch Patienten mit einem so genannten Engwinkelglaukom wird dringend abgeraten unter den geschilderten Rahmenbedingungen zu lesen.

Mythos 2: Übermäßiger TV-Konsum

Auch in punkto Fernsehgenuss muss man Vorsicht walten lassen: Es ist richtig, dass stundenlanges Sitzen vor der Flimmerkiste nicht gerade eine Wohltat für die Augen darstellt. Es ist jedoch falsch, dass damit eine irreversible (bleibende) Schädigung der Sehkraft einhergehen kann.

Insbesondere zwei Effekte könnten für die Entstehung der besagten Halbwahrheit gesorgt haben: Zum einen kann der ständige Flimmerreiz unter bestimmten Voraussetzungen Kopfschmerzen und Übelkeit hervorrufen. Insbesondere Epileptiker müssen  in diesem Zusammenhang aufpassen. Zum anderen kann es nach einer gewissen Zeit zu trockenen Augen kommen, da wir für gewöhnlich mit weit geöffneten Augen auf die Mattscheibe starren und im Zuge dessen das Blinzeln vergessen. Beide Erscheinungen lassen sich jedoch durch bewusste Pausen eindämmen.