Urin im Badewasser: Chemische Reaktion verursacht rote Augen

Nicht nur im Sommer: Urin im Badewasser kann Augenreizungen auslösen

Anfang Juli 2015 vermeldeten die Wetterfrösche Rekordhitzewerte für Mitteleuropa. Stellenweise kletterten die Thermometer auf über 40 Grad – Höchstwerte, wie sie Deutschland das letzte Mal anno 2003 gesehen hat. Keine Überraschung, dass es Millionen Menschen in diesen Tagen in die hiesigen Badeanstalten zieht. Nach einem erholsamen Tag im kühlen Nass kehren einige von ihnen mit geröteten, gereizten Augen nach Hause. Das unliebsame Gefühl verleitet einen nahezu magisch zum Reiben, was die Symptome weiter verstärkt. Was viele nicht wissen: Vielfach ist nicht nur Chlor der Auslöser.

Chlor ist eine wichtige Zutat in der modernen Badewasseraufbereitung. Wie hoch die Konzentration ausfallen darf, ist europaweit genau geregelt. Vereinzelt kann es zu Unverträglichkeiten kommen, die ungefährliche, jedoch überaus unschöne Symptome nach sich ziehen: Gerötete Augen, Husten, womöglich auch eine brennende Nase.

Das US-amerikanische Centers for Disease Control und Prevention (CDC) warnte jüngst, dass Badewasserchlor zusammen mit Urin, Schweiß und Schmutzpartikeln im Wasser chemisch reagiert. Das dabei entstehende Gemisch löst die besagten Symptome aus – und kann sich bei hoher Konzentration gar über die Luft verbreiten. Strenggenommen können dadurch bedingte Reizungen auch bei Menschen auftreten, die sich in einer stickigen Hallenbadhalle aufgehalten haben ohne einmal ins Wasser gestiegen zu sein.

Der Hauptverursacher des Effekts ist Urin im Wasser. Wie sehr hiesige Bäder betroffen sind, lässt sich nicht genau festmachen: Stichproben ergeben etwa 0,7 bis 1,6 Milligramm Harn pro Liter Badewasser. Rechnet man diese Konzentration auf eine Million Liter Badewasser in einem Becken, ergibt dies rund 200 Liter Urin pro Tag. Dazu kommen Schweiß und Schmutz, da nicht jeder Badegast vor dem Einstieg ins Becken ordnungsgemäß abduscht. Wie erwähnt geht von der chemischen Reaktion keine akute Gefahr aus. Kritisch ist dies höchstens für Menschen mit Asthma, denen Schwimmen für gewöhnlich als schonende sportliche Aktivität nahegelegt wird. Betroffenen ist dementsprechend zu raten, auf ein gut klimatisiertes Schwimmbad nach modernsten Standards zu setzen.