Typenfrage Brille: Du bist was du trägst

Früher war das so genannte „Nasenfahrrad“ ein notwendiges Übel. Heute ist die Brille ein gewolltes Mode-Accessoire – wie sonst lässt sich der Trend erklären, dass immer mehr Menschen auch ohne Sehschwäche freiwillig eine Brille ohne Stärke tragen? Je nach Form und Farbe können Brillen einem Outfit das I-Tüpfelchen aufsetzen. Sie können dezent sein oder sich ganz bewusst in den Vordergrund drängen. Und sie können auch Auskunft über die charakterlichen Züge des Trägers geben – natürlich nicht in der Tiefe, aber doch ausreichend für eine erste Einordnung des Gegenübers.

So genannte Nerd- oder Hipsterbrillen haben in den letzten Jahren rapide Verbreitung gefunden. Solche Modelle setzen bewusst auf dicke, zumeist dunkle Gestelle, die sofort ins Auge fallen. Sie werden besonders häufig ohne Stärke gekauft. Die Träger wollen ganz bewusst auffallen und auf ihr Stilbewusstsein hinweisen. Sie sind auch in anderen Bereichen der Mode Trendsetter und mögen die Aufmerksamkeit. Die Bandbreite reicht dabei von Exoten mit einem ganz individuellen Stil bis hin zu Hipstern, die mehr oder weniger mit der Masse schwimmen. Eine besondere Unterkategorie solcher Brillen ist die Hornbrille. Früher galt sie als das perfekte Symbol mitteleuropäischer Spießigkeit. Heute ist sie mehr denn je ein Liebhaberstück für Menschen, die voll und ganz zu ihrer Brille stehen. Obwohl es ihnen häufig nachgesagt wird sind sie nur selten per Definition echte Hipster.

Ein deutlicher Gegenentwurf zu Hipsterbrillen sind rahmenlose Brillen. Auf eine gewisse Distanz erkennt man solche in vielen Fällen erst gar nicht oder nur schwer. Entsprechende Träger agieren gerne im Hintergrund. Stil und Äußerlichkeiten sind ihnen dennoch wichtig – „Understatement“ ist das richtige Schlüsselwort.

Brillen mit runden Gläsern sind nicht erst seit den weltweiten Erfolg von „Harry Potter“ nachgefragt. Früher waren Brillen übrigens per se rund. Heute markieren sie oftmals den fließenden Übergang zwischen hipper und betont intellektueller Symbolik der Zurückhaltung. Deutlich gegenteilig kommen so genannte Cateeye-Brillen daher. Träger solcher Modelle lieben den Mittelpunkt und das Scheinwerferlicht – eine Brille wie diese ist ein klares Statement.