Trend: Brillen werden immer hipper – und preiswerter!

Eine lange Zeit fristete die Brille ein eher unerwünschtes Dasein: Wer vom Augenarzt zum Tragen verdammt wurde, galt fortan als „Brillenschlange“ oder neu-deutsch „Nerd“. Insbesondere war diese Stigmatisierung der Tatsache geschuldet, dass Sehhilfen eine lange Zeit vor allem funktionieren mussten – gutes Aussehen war dagegen keine Priorität des Fachhandels. Dieses Bild hat sichmittlerweile deutlich gewandelt: Verbraucher leisten sich mehr Brillen, achten auf Design und Tragekomfort und geben unter dem Strich mehr Geld pro Sehhilfe aus. Die Industrie dagegen arbeitet immer kreativer und drückt fortwährend auch die Preise.

Erstaunlich: Nach einer Untersuchung des renommierten Instituts Allensbach sind Bundesbürger bereit im Durchschnitt knapp 345 Euro für eine neue Brille auszugeben. Diese Zahl belegt eindrucksvoll, dass das „Nasenfahrrad“ von einst unlängst zu einem Lifestyle-Artikel avanciert ist. Politiker, Schauspieler und sonstige Personen des öffentlichen Lebens inszenieren Comebacks und neue Lebensabschnitte vielfach mit einer neuen, besonders auffälligen Brille. Schwarze, vergleichsweise dicke Gestelle – auch als „Nerdbrillen“ bekannt – sind plötzlich hip und schreien „Seht‘ mich an – ich bin ein neuer Mensch!“.

Der Verbraucher profitieret nachhaltig vom Siegeszug der Brille. Auf der einen Seite erhält er heutzutage eine noch nie dagewesene Vielfalt im Fachhandel, die vom einfachen Modell für 40 Euro bis hin zu Unikaten aus Holz oder Carbon für 350 bis 500 Euro reicht. Optikergeschäfte weichen in begehrten Innenstadtlagen stellenweise modernen „Brillen-Manufakturen“, wo Unikate in unzähligen manuellen Schritten oder im Kontrast dazu auch Mal vom 3D-Drucker kreiert werden.

Die Umsätze der Optikerindustrie, die hierzulande mit etwa 5,4 Milliarden Euro jährlich taxiert werden, wachsen trotz fallender Preise und mehr Preistransparenz durch den Onlinehandel. Ein Grund ist der erwähnte Trend zur Zweit- und Drittbrille, um möglichst flexibel auf die individuelle modische Tagesform eingehen zu können. Die Brille wird es freuen – ihr Mauerblümchen-Image ist definitiv passé.