Tränendrüse: Funktion, Aufbau, Erkrankungen & Therapie

tränendrüse
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Die Tränendrüse (lat. Glandula lacrimalis) zählt gemeinsam mit den Bestandteilen Bindehautsack, Tränenkanälchen, Tränensack und Tränennasengang zum Tränenapparat. Sie produziert den größten Teil der Tränenflüssigkeit und schützt das äußere Auge vor dem Austrocknen. Die Glandula lacrimalis liegt im äußeren Anteil der Augenhöhle seitlich oberhalb des Auges. Ihr produziertes Sekret wird über Ausführungsgänge in einen Bindehautsack am Auge geleitet und mittels Lidschlag über der Hornhaut des Auges verteilt.

Aufbau der Tränendrüse

Die etwa mandelgroße Tränendrüse ist eine paarige Drüse, die durch die Sehne des Lidhebermuskels in zwei Teile geteilt wird. Der obere, größere Teil liegt dabei dem Knochen an (Pars orbitalis), während der kleinere, untere Teil, dem Augenlid anliegt (Pars palpebralis). Die von der Tränendrüse produzierte Tränenflüssigkeit gelangt über kleine Ausführungsgänge vom äußeren oberen Augenwinkel in eine Umschlagfalte zwischen der Bindehaut des Auges und dem Oberlid, dem sogenannten Bindehautsack. Durch Bewegungen der Augenlider (Lidschlag) tritt die Tränenflüssigkeit am inneren und äußeren Lidwinkel oder über den unteren Lidrand nach außen und wird gleichmäßig über die Hornhaut verteilt. Anschließend gelangt sie zum inneren Augenwinkel, von wo sie in den Tränensee fließt. Von dort wird sie über den oberen und unteren Tränenpunkt und die daran angeschlossene Tränenröhrchen zum nahe der Nase gelegenem Tränensack geleitet. Der Tränensack mündet schließlich in den Tränennasengang, durch den die Tränenflüssigkeit unter der unteren Nasenmuschel abfließt.

Auge mit Tränendrüse
© Henrie / Fotolia

Tränendrüse: Funktionen

Die wichtigste Funktion der Tränendrüse und des Tränenapparates liegt darin, die Horn- und Bindehaut des Auges gleichmäßig zu befeuchten und sie so vor dem Austrocknen zu schützen. Über den Lidschlag werden Fremdkörper, die ins Auge gelangen, durch die Tränenflüssigkeit aus dem Auge gespült. Die in der Tränenflüssigkeit enthaltenden bakterienhemmenden Inhaltsstoffe (Enzyme) beugen zudem Augeninfektionen vor. Darüber hinaus ernährt die Tränenflüssigkeit die Hornhaut und entfernt ihre Abbau- und Stoffwechselprodukte.

Erkrankungen oder Funktionstörungen der Tränendrüse

Die Glandula lacrimalis kann von unterschiedlichen Funktionsstörungen oder Erkrankungen betroffen sein. Zu folgenden Problemen an und mit der Tränendrüse kann es kommen:

  • Vermehrte Tränenproduktion aufgrund einer Reizung sensibler Nervenenden des Auges, insbesondere der Hornhaut. Als Ursache der Überproduktion von können Fremkörper, Krankheitserreger, chemische oder physikalische Reize infrage kommen.
  • Eine Verlegung oder Abflusstörung der Tränenwege kann auch bei normaler Tränenproduktion zum Überlaufen der Tränen über den unteren Lidrand führen (Epiphora, sog. „Tränenträufeln“). Auch ein angeborener Tränennasengangverschluss kann dahinter stecken.
  • Entzündungen der Tränendrüse (Dakryoadenitis), die zum Beispiel durch ein Heerfordt-Syndrom, bei Sarkoidose, Leukämien oder durch ein Sjögren-Syndrom verursacht werden können.
  • Entstehung blutiger Tränen durch eine Vergiftung durch, zum Bespiel Muscarin, Insektizide oder chemische Waffen.
  • Entzündung des Tränensacks (Dakrozystitis) durch die Aufstauung nicht ablaufender Tränen und dortiger Ansiedlung von Keimen.
  • Ausbildung eines gut- oder bösartigen Tumor in oder an der Tränendrüse.

Warum weinen wir?

Weinen ist per Definition nichts anderes, als eine Überproduktion von Tränen und damit verbundene Störung des normalen Tränenflusses. Überschüssige Tränenflüssigkeit tritt über den unteren Lidrand und am inneren oder äußeren Lidwinkel aus. Warum Menschen weinen kann unterschiedliche Ursachen haben. Die Tränenüberproduktion kann eine Schutzfunktion darstellen, wenn Fremdkörper oder reizende Stoffe ins Auge kommen. Ein gutes Beispiel dafür ist das Schneiden von Zwiebeln. Chemische Verbindungen, die in den Zwiebeln enthalten sind, erzeugen das tränenauslösende und reizende Gas Propanthialsulfoxid. Dieses Gas sorgt dafür, dass das Auge den Reizstoff möglichst schnell wieder ausschwemmen möchte und daher verstärkt Tränen bildet.

Daneben werden bei starken Emotionen Hormone ausgeschüttet, die eine vermehrte Tränenproduktion in den Tränendrüsen aktivieren. Auch in diesem Fall läuft der Bindehautsack oberhalb des Auges über und die Tränenflüssigkeit tritt über den unteren Lidrand und aus den nasenseitigen Augenwinkeln als Träne aus. Interessanterweise enthalten die unter emotionalem Stress gebildeten Tränen morphium-ähnliche, schmerzlindernde Stoffe. Das bedeutet, diese Tränen wirken beruhigend.

Quellen:
Aumüller, G., Aust, G. & Doll, A.: Duale Reihe: Anatomie, Georg Thieme Verlag, 2. Auflage, 2010.
Grehn, F.: Augenheilkunde, Springer-Verlag. 31. Auflage, 2012.
Welsch, U.: Lehrbuch Histologie, Elsevier GmbH, 3. Auflage, 2011.

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