Tränende Augen (Epiphora): Ursachen und Behandlung

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Tränende Augen (auch: Tränenträufeln, Epiphora) sind ein weitverbreitetes Symptom, das sowohl bei Kindern als auch im fortgeschrittenen Alter auftreten kann. Zu den tränenden Augen kommt es, wenn Tränenproduktion und -abfluss im Missverhältnis zueinanderstehen. Die Ursachen für die Epiphora können ganz unterschiedlich sein, wobei es sich genau genommen mehr um ein Symptom als um eine eigenständige Krankheit handelt. Erfahren Sie in diesem Beitrag mehr über die unterschiedlichen Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten.

Tränende Augen: Einführung

Die Bestandteile der Tränenflüssigkeit werden von der Tränendrüse und den Lidranddrüsen produziert – etwa 5 µl pro Minute sind die normale Menge. Mit jedem Lidschlag wird die Flüssigkeit aufs Neue über die Hornhaut verteilt. So entsteht der Tränenfilm. Normalerweise bilden dieser einen unerlässliches Schutzschild für empfindliche Augen oder benetzet die Augen mit notwendiger Feuchtigkeit.

Neben Traurigkeit, starken Schmerz und Freude können aber auch altersbedingte Störungen des Tränenapparats, unterschiedliche Allergien und paradoxerweise auch trockene Augen zu vermehrt tränenden Augen führen. Kommt es zu einem dauerhaften Tränenfluss aus dem Auge, auch wenn kein besonderer Reiz vorliegt, so ist von einer Epiphora die Rede.

Tränendrüse Infografik
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Tränende Augen: Ursachen

Es gibt sehr viele Gründe für tränende Augen. Neben der Reizungen der Augenlider, Bindehaut oder Hornhaut des Auges können auch Infektionen, Lidfehlstellungen und äußere Faktoren wie starke Sonneneinstrahlung, Rauch, Fremdkörper oder Wind den Tränenfluss verstärken. Aber auch konzentrierte Bildschirmarbeit, trockene Luft und Klimaanlagen führen zu tränenden Augen.

Allgemein kann man drei Hauptursachen für vermehrten Tränenfluss benennen:

  • Überproduktion von Tränenflüssigkeit infolge einer Infektion
  • Anatomische Veränderungen der Tränenwege (Verengungen, Verstopfungen, Entzündungen)
  • Funktionelle Störung des Tränenabflusses (Abweichung zwischen der Tränenproduktion aus den Tränendrüsen und dem Abfluss durch die Tränenwege)

Von anatomischen Veränderungen, wie Stenosen, sind relativ häufig Säuglinge betroffen. Etwa fünf Prozent aller Neugeborenen leiden darunter, dass die Tränenwege ein- oder beidseitig blockiert sind. Die Ursache dafür liegt in der embryonalen Entwicklung des Kindes im Bauch der Mutter. Dort verschließt eine feine Membran beim Ungeborenen den Tränen-Nasen-Gang zur Nase hin. Bei circa 50 % der Kinder ist diese Membran unmittelbar nach der Geburt noch vorhanden und öffnet ich in den ersten Lebenswochen. Geschieht dies nicht, kommt es mit Beginn der Tränenproduktion in der zweiten bis dritten Lebenswoche zu vermehrtem Tränenfluss.

Von funktionellen Störung sind ältere Menschen, zumeist Frauen betroffen. Dort führt die altersbedingte Umstellung der Hormone zu Störung des Tränenabflusses. Diese führt zu einer gestörten Lidfunktion, einer Veränderung der Tränendrüse, der Tränenpumpe oder zu verstopften Tränenwegen.


Tränende Augen: Behandlung

Behandlung bei Kindern

Die Behandlung von tränenden Augen bei Kindern erfolgt zunächst konservativ. Eine Reinigung der Augenlider und sanfte Massage des Tränensacks, sowie Augentropfen oder Nasentropfen genügen oft schon, um die Beschwerden deutlich zu lindern oder zu beseitigen.

Bleiben die Tränenwege dauerhaft verschlossen, gibt es die Möglichkeit, im Alter von vier bis sechs Monaten eine Sondierung und Spülung der Tränenwege durchzuführen. Dieses Verfahren erfolgt unter lokaler Betäubung. Bei der Spülung erfolgt eine Druckerhöhung, bis die Membran gesprengt wird und sich der Tränen-Nasen-Gang öffnet.

In seltenen Fällen kann es zu einem einem erneuten Verschluss der Tränenwege kommen. Sollte dies geschehen, wird ab dem zehnten Lebensmonat unter Vollnarkose eine Sondierung und Spülung mit anschließender Einführung eines 0,64 mm dicken Silikonschlauches vorgenommen.

Behandlung bei Erwachsenen

Sollten Betroffene an stark tränenden Augen leiden, ist ein Besuch bei einem Augenarzt grundsätzlich anzuraten. Es gilt herauszufinden, ob hinter tränenden Augen eine ernst zu nehmende Grunderkrankung steckt und ob diese, neben tränenden Augen, zu langfristigen Schäden am Auge und ihrer Sehkraft führen könnte. Sollten Allgemeinerkrankungen der Grund für tränenden Augen sein, so werden diese in Folge durch einen Facharzt therapiert. Reizungen und Infektionen durch Bakterien oder Viren können zumeist medikamentös behandelt werden.

Auch bei Erwachsenen Menschen kann es zu Stenosen der Tränenwege kommen. Handelt es sich dabei um punktförmige Engstellen der Tränenkanälchen und des Tränensacks können diese mithilfe eines Lasers eröffnet werden. Die Erfolgsrate dieses Verfahrens liegen bei Untersuchungen zwölf Monate nach dem Eingriff bei etwa 80 Prozent.

Liegt eine akute Entzündung des Tränensacks (Dakryozystitis) vor, sind die minimalinvasiven Eingriffe nicht geeignet. Auch nach Verletzungen mit Knochenbrüchen im Bereich des Gesichts, mit Abrissen der Tränenwege oder bei Verätzungen sind größere operative Eingriffe notwendig.

Lidchirurgie

Vor allem bei älteren Menschen sind häufig sogenannte Ektropium oder Entropium zu beobachten. Dabei kommt es zu Erschlaffung des Ober- oder Unterlides und diese liegen nicht mehr an der Augenoberfläche an. Dies hat auch direkte Auswirkungen auf die Tränenpumpe und den Abfluss der Tränenflüssigkeit. Mit einem chirurgischen Eingriff am Unterlid, bei der eine Straffung der Strukturen erfolgt, lässt sich Abhilfe schaffen und der Tränenabfluss wiederherstellen.


Quellen:
Burk, A. & Burk, R.: Checkliste Augenheilkunde. Georg Thieme Verlag, Stuttgart, 6. Auflage, 2018.
Grehn, F.: Augenheilkunde. Springer-Verlag, Heidelberg, 31. Auflage, 2012.

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