Thema Blindheit: Rund 75% aller weltweiten Erblindungen sind vermeidbar

Für „normal“ sehende Menschen ist schon die bloße Vorstellung angsteinflößend: Wie ist es wohl, wenn man durchgehend nichts sehen kann? Hierzulande ist ein solcher Zustand für rund 145.000 Menschen tagtägliche Realität. Nach dem Gesetz gilt ein Mensch als blind, wenn er selbst mit Brille oder Kontaktlinsen unter 2% des gewöhnlichen Sehvermögens aufweist. Liegt eine Sehschwäche vor, die weniger als 1/3 des normalen Sehvermögens beträgt, gilt man hierzulande als „sehbehindert“ – in diese Kategorie fallen bei uns etwa 500.000 Menschen.

Bis zum 60. Lebensjahr betrifft Blindheit Männer und Frauen in etwa gleichermaßen. Ab dem 60. Lebensjahr verschiebt sich die Verteilung zunehmend ins weibliche Lager, bis am Ende rund Zweidrittel der entsprechenden Indikationen auf die Damen der Schöpfung entfallen.

Unabhängig von der Geschlechterverteilung liegt es auf der Hand, dass die Anzahl der Fälle mit fortschreitendem Alter deutlich steigt: Während nur 6% der blinden Deutschen unter 18 Jahre alt sind, liegt der Wert bei den über 81-jährigen Blinden bei 38% – absolut entspricht dies rund 55.100 Menschen. In der mittleren Lebensphase zwischen 30 und 60 sind etwa 17% der Blinden einzuordnen.

Schätzungen zufolge können weltweit etwa 37 Millionen Menschen nicht sehen. Gleichzeitig sind etwa 125 Millionen Menschen sehbehindert und damit in ihrer optischen Wahrnehmung deutlich eingeschränkt. Erschreckend: Heute leben etwa 90% der Blinden in Entwicklungsländern. Statistisch gesehen ist das Erblindungsrisiko in den ärmsten Regionen der Welt etwa zehn Mal so hoch wie hierzulande.  Hilfsorganisationen gehen davon aus, dass rund Dreiviertel aller Erblindungen vermeidbar sind. Vielfach werden diese durch Augenkrankheiten ausgelöst, die in westlichen Industrienationen vergleichsweise einfach durch Medikamente kuriert werden können.