Telemedizin: Können Smartphones augenärztliche Apparaturen ersetzen?

In Zeiten allgegenwärtiger Verbreitung von Internetanschlüssen gewinnen Themen wie Telemedizin und Ferndiagnosen fortwährend Bedeutung. Schon heute gibt es beispielsweise Smartphone-Apps, mit denen man verdächtige Muttermale abfotografieren und zur Beurteilung an einen Facharzt weiterleiten kann. Solche vergleichsweise simplen Konzepte könnten insbesondere die medizinische Versorgung in ländlichen oder gänzlich unterentwickelten Gebieten revolutionieren. Hohe regulatorische Anforderungen erweisen sich für innovationsfreudige Startups allerdings als große Hürde – in den meisten Fällen bleibt der herkömmliche Gang zum Arzt daher bis auf weiteres unabdingbar.

Die Entwicklung der Telemedizin dürfte dies verlangsamen, jedoch nicht aufhalten. Das US-Startup EyeNetra geht mit seinem Dienst „Blink“ einen spannenden Weg, der zwischen den beiden Extremen agiert: So entwickelt das Startup Sehstärkediagnosegeräte, die in Zusammenarbeit mit einem herkömmlichen Smartphone effizienter und vor allem deutlich preiswerter abgebildet werden können. Konkret hat das Unternehmen preisgünstige Alternativen zu drei besonders häufig anzutreffenden Augenarztutensilien entwickelt: So ersetzt „Blink“ das Refraktometer zur Messung von Sehfehlern, den Phoropter zur Bestimmung der Korrekturfaktoren für neue Gläser sowie den Brechwertmesser, mit dem ein Augenarzt bis dato die Stärke alter Brillen bestimmen konnte.

Die „Blink“-Alternativen sind nicht nur billiger, sondern auch deutlich kleiner als ihre konventionellen Gegenstücke: Das Trio passt in einen herkömmlichen Koffer. In New York bietet das Startup Sehstä
rkemessungen daheim oder am Arbeitsplatz an. Nach der Terminvereinbarung kommt ein speziell ausgebildeter Techniker mit dem besagten Koffer an den gewünschten Ort und führt die Untersuchung durch. Die Ergebnisse der Geräte sollen der klassischen Ausstattung im Nichts nachstehen, betont der Hersteller.

Die festgestellten Werte können bei Bedarf an angeschlossene Optiker in der Nähe weitergeleitet werden, die sich dann um die Herstellung bzw. Anpassung der Sehhilfe kümmern. Aktuell kostet das Ganze 75 US-Dollar und ist damit nicht teurer als der privatärztlich bezahlte Augencheck in den USA. Bis die Krankenkassen solche modernen Diagnosen anerkennen, dürfte allerdings noch einige Zeit ins Land gehen.