Sylvester-Böller gehen immer häufiger ins Auge

Alle Jahre wieder: Wenn die Neujahrsfeier ins Auge geht

Zugegeben: Aktuell denkt noch keiner an die nächste Sylvester-Feier. Die immer größeren Auswüchse der Feierlichkeiten sind jedoch mittlerweile zu einem ernstzunehmenden Problem herangereift, dass Behörden und Mediziner das ganze Jahr über begleitet. Das Volumen verkaufter Sylvesterböller wuchs in den vergangenen zehn Jahren stetig – gleichzeitig aber auch die Anzahl der Unfälle mit immer gravierenderen Folgen. So warnt die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG) Jahr für Jahr zu einem vorsichtigen Umgang mit Knallkörpern. Etwa 20% aller damit assoziierten Unfälle betreffen mittlerweile die Augen.

Ein Teil des Problems ist das zuletzt gelockerte Sprengstoffgesetz der Europäischen Union: Seit einer Novelle im Jahr 2009 dürfen Raketen bis zu zehn statt zuvor sechs Gramm Schwarzpulver beinhalten. Für Knallkörperbatterien ist derweil eine Netto-Explosivstoffmasse von bis zu 500 Gramm erlaubt. Nach Verabschiedung des neuen Gesetzes kam es in den Folgejahren zu einem Anstieg entsprechender Verletzungen, schlussfolgert die DOG. Ein weiteres Problem ist der florierende Schwarzmarkt mit illegalen Böllern, die beispielsweise in Polen vertrieben werden. Solche sind nicht nur preiswerter, sondern aufgrund deutlich größerer Mengen von Explosivstoffen signifikant gefährlicher.

Bereits Tage vor dem Neujahrsfest haben Augenkliniken in Deutschland Hochkonjunktur. Insbesondere kämpfen Augenärzte und Chirurgen mit Verletzungen der Linse, Hornhaut und Regenbogenhaut. Auch Blutungen im Augapfel sind eine besonders häufige Indikation in Dezember und Januar. Die eingelieferten Patienten sind zumeist männlich. Besorgniserregend: Rund 25% von ihnen haben das 18. Lebensjahr noch nicht erreicht. Erschreckend ist auch die Tatsache, dass 75% der Betroffenen den verletzungsauslösenden Böller nicht selber gezündet haben – oftmals trifft es schlichtweg unbeteiligte Passanten.

Ein Positivbeispiel aus der Sicht der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft ist Dänemark, wo Böllerprodukte mit dem Hinweis auf das Tragen von Schutzbrillen verkauft werden. In Norwegen wurden solche Schutzbrillen eine Zeit lang sogar kostenfrei mit den Feuerwerkskörpern vertrieben. Mittlerweile ist dort der Verkauf von Raketen ganzjährig verboten, was die Anzahl entsprechend gelagerter Verletzungen deutlich reduziert hat.