Stauungspapille (Papillenödem): Ursache, Symptome & Behandlung

Stauungspapille (Papillenödem)
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Die Stauungspapille (auch: Papillenödem) ist eine Schwellung im Auge, genauer an der Einmündung des Sehnerves in die Netzhaut (Retina). In den meisten Fällen liegt eine Stauungspapille an beiden Augen vor und tritt im Zusammenhang mit erhöhten Hirndruck auf. Bei längerem Bestehen kann das Papillenödem zu einer dauerhaften Schädigung der Nervenfasern des Sehnervs und einer Einschränkung der Sehkraft führen.

Stauungspapille: Einführung

Der Begriff Stauungspapille oder Papillenödem beschreibt eine Schwellung an der Papille im Auge.

Als Papille bezeichnen Mediziner die Stelle im Auge, an der die Nervenfasern der Netzhaut zum Sehnerv (Nervus opticus) gebündelt werden und die Augenhöhle verlassen.

Dieser bahnt sich seinen Weg direkt in den Bereich des Gehirns, an dem die Lichtimpulse verarbeitet werden. Gemeinsam mit dem Sehnerv treten in diesem Bereich zwei Gefäße, die Arteria centralis retinae und die Vena centralis retinae, ein und aus.

Die Papille hat einen Durchmesser von ca. 1,6 mm und liegt circa 15° nasal der Fovea centralis auf der Netzhaut.

Im Bereich der Papille befinden sich keine Fotorezeptorzellen und es können keinerlei Informationen aus diesem Bereich der Netzhaut wahrgenommen werden – der sogenannte „Blinde Fleck“ im Gesichtsfeld entsteht.

Diesen blinden Fleck nehmen Menschen allerdings normalerweise nicht wahr, da das Gehirn die fehlenden Informationen mit Wahrnehmungen und Seheindrücken des anderen Auges ersetzt.

Stauungspapille
© Alila Medical Media / Fotolia

Aufgrund ihrer Größe ist die Papille also ein Nadelöhr im hinteren Bereich des Auges, dass einen direkten Weg zum Gehirn ermöglicht. Sie ist eine wichtige Verbindung, die uns die Sendung von Informationen in beide Richtungen erlaubt.

Allerdings wird diese Engstelle zum Problem, wenn es zu Erkrankungen im Gehirn kommt. Diese können sich, wie zum Beispiel ein erhöhter Hirndruck, auf die Augen auswirken und eine Schwellung der Papille verursachen. Die beiden Blutgefäße, die durch die Papille führen, weiten sich, es sammelt sich Wasser im Gewebe der Papille an und ein Ödem entsteht. Dies führt zu einer Kompression des Sehnervs, die bei längerem Bestehen mit einer Schädigung von Sehnervenfasern einhergeht.


Stauungspapille: Ursachen

Als Ursache für die Stauungspapille können unterschiedliche Erkrankungen infrage kommen. Am häufigsten tritt ein Papillenödem als Zeichen eines erhöhten Hirndrucks auf. Das ein stetiger Druck in unserem Schädelinneren herrscht, das ist völlig normal.

Dieser liegt bei Erwachsenen im Liegen bei ca. 8-10 mmHg und wird auch als intrakranieller Druck bezeichnet. Durch unterschiedliche Auslöser kann dieser allerdings ansteigen. Entweder langsam und dauerhaft oder plötzlich und vorrübergehend.

Mögliche Gründe für einen erhöhten Hirndruck sind:

  • Schädel-Hirn-Trauma
  • Hirntumor, Zyste oder Abszess
  • Entzündung oder Infektion des Gehirns (Meningitis)
  • Hirnblutungen oder Blutungen im Bereich der Hirnhaut
  • Missbildungen des Schädels
  • Erhöhter Blutdruck (hypertensive Krise)
  • Abflussstörung des Hirnwassers durch sog. „Pseudotumor cerebri“

Stauungspapille: Symptome

Oftmals machen sich bei ein Papillenödem zunächst die Symptome des erhöhten Hirndruckes bemerkbar. Bei den betroffenen Patienten kann es zu Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen kommen. Das Papillenödem selbst kann sich beim Patienten ohne eine Beeinträchtigung der Sehschärfe oder Schmerzen herausbilden. Auch der Pupillenreflex funktioniert oftmals ohne Einschränkungen. Dies macht es schwierig, die Erkrankung von Anfang an richtig zu erkennen.

Erst wenn der Hirndruck weiter steigt, kommt es zu typischen Symptomen. Diese zeigen sich vor allem als vorübergehende optische Veränderungen, wie zum Beispiel ein Grau werden des Blickfeldes, Flackern, Verschwommen- oder Doppeltsehen oder einen kurzzeitigen Verlust des Sehvermögens. Üblicherweise dauern diese Symptome wenige Sekunden an und sind charakteristisch für ein Papillenödem.

Stauungspapille: Symptome
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Stauungspapille: Diagnose

Um eine Papillenödem zu diagnostizieren, ist meist eine Augenhintergrundspiegelung das Mittel der Wahl. Im Rahmen einer Augenhintergrundspiegelung kann die Sehnervenpapille auf Unschärfen, Rötungen und Vorwölbungen eingeschätzt werden. Dafür ist es nötig, dem Patienten spezielle Augentropfen zu verabreichen, die die Pupille weitstellen und so einen leichteren Blick auf den Augenhintergrund ermöglichen.

Im Anschluss erfolgt oft eine Bildgebung mittels Computertomografie oder Kernspintomografie, um den möglichen Ursachen einer Stauungspapille im Gehirn auf den Grund zu gehen und dieses umfassend zu untersuchen. Mittels der bildgebenden Verfahren lassen sich mögliche raumfordernde Prozesse, wie zum Beispiel Tumore oder Blutungen, darstellen.

Stauungspapille: Diagnose
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Bei Verdacht auf einen Pseudotumor cerebri (Idiopathische intrakranielle Hypertension) erfolgt des Weiteren zusätzlich eine Lumbalpunktion, bei der das angestaute Liquor punktiert wird. Dafür führt der Arzt eine Nadel zwischen den Wirbeln der unteren Wirbelsäule ein. Die Nervenwasserprobe kann im Anschluss auf mögliche Infektionen oder Entzündungen getestet werden. Die Lumbalpunktion wird allerdings nur dann durchgeführt, wenn keine intrakranielle Raumforderung (innerhalb des Schädels) vorliegt, da es sonst zu einer Einklemmung des Hirnstamms kommen kann.


Stauungspapille: Therapie

Um eine die Erkrankung effizient zu therapieren, muss die Ursache gesichert diagnostiziert sein. Je nach Ursache werden dann unterschiedliche Therapien eingeleitet.

Bei erhöhtem Hirndruck oder Entzündungen im oder am Hirn werden in der Regel Medikamente verabreicht, die den Hirndruck wieder normalisieren sollen. Diese helfen dabei, die angesammelte Flüssigkeit wieder zu verringern und den Hirndruck zu senken.

Führt eine rein medikamentöse Behandlung zu keiner Besserung der Symptomatik, wird ein Eingriff durch einen Neurochirurgen notwendig, der angestautes Hirnwasser durch eine Drainage ablässt.

Liegt eine bakterielle Infektion wie zum Beispiel eine Meningitis oder ein Abszess vor, erfolgt oft eine Therapie mit Antibiotikum.

Ist ein Hirntumor oder eine Zyste ursächlich für einen erhöhten Hirndruck, dann müssen diese eventuell operativ entfernt oder mit einer Chemotherapie behandelt werden.


Quellen:
Kampik, A. & Grehn, F.: Augenärztliche Differenzialdiagnose. Georg Thieme Verlag, Stuttgart, 2. Auflage, 2008.
Paulsen, F. & Waschke, J.: Sobotta: Atlas der Anatomie Band 3. Elsevier GmbH, München, 24. Auflage, 2017.
Sachsenweger, M.: Duale Reihe Augenheilkunde. Georg Thieme Verlag, Stuttgart, 2. Auflage, 2002.

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