Spezialbrille für Sehbehinderte navigiert über Tonsignale

Weltweit gibt es verschiedenen Schätzungen zufolge etwa 40 Millionen vollständig blinde Menschen. Hinzu kommen rund 285 Millionen Sehbehinderte, die beispielsweise nur Lichtabstufungen und Umrisse erkennen können. Vielen dieser Menschen kann moderne Technologie helfen und zu einem möglichst barrierefreien Alltag verhelfen. Ein großer Quantensprung in dieser Richtung wurde durch moderne Smartphones ermöglicht, hier insbesondere das Apple iPhone (wir berichteten). Daneben arbeiten verschiedene Forschergruppen rund um den Globus an neuartigen Brillen, die unter Einbeziehung diverser technologischer Ansätze eine immer genauere Navigation im Raum eröffnen.

Ein Forschergruppe des renommierten California Institute of Technology (Caltech) setzt in diesem Kontext auf Audiosignale. Genauer gesagt entwickelten sie eine Brille mit integrierter Kamera, deren Aufnahmen über einen Minicomputer in Ton umgewandelt werden. Letztere werden über Kopfhörer an den Brillenträger kommuniziert, damit dieser insbesondere nahende Hindernisse erkennen kann. Das Prinzip der Navigation über Ton ist nicht neu – es funktioniert ähnlich und erstaunlich genau über große Distanzen in der Tierwelt.

Die kalifornische Entwicklung hört auf den Namen „vOICe“, wobei der Bestandteil „OIC“ für „Oh, I see!“ („Oh, ich sehe!“) steht. Die genaue Wiedergabe der Tonsignale ist komplex. Vereinfacht zusammengefasst werden helle Bildpunkte lauter und dunkle Bildpunkte leiser wiedergegeben. Je nach dem wo sich die Bildpunkteansammlung im Raum befindet ertönt das Signal auf dem linken oder dem rechten Kopfhörer lauter. Unter dem Strich kann „vOICe“ die Navigation für Blinde und Sehbehinderte merklich aufwerten, wie erste Untersuchungen gezeigt haben. Im Schnitt konnte eine Verbesserung um mehr als 30% festgemacht werden.

Von Nachteil ist bei diesem System insbesondere die Tatsache, dass die Kopfhörer die Wahrnehmung der Außenwelt verhindern. Dies kann beispielsweise im Straßenverkehr eine wesentliche Gefährdung darstellen. Die Entwickler denken aus diesem Grund unter anderem über die Verwendung eines speziellen Knochenleitungslautsprechers nach. Wann genau „vOICe“ die Marktreife erreichen soll, bleibt gegenwärtig noch unklar.