So wirken sich Depressionen auf unsere Sehkraft aus

Depressionen sind eine echte Volkskrankheit: Schätzungen zufolge leiden alleine in Deutschland mehr als vier Millionen Menschen an entsprechenden Verstimmungen, die mal mehr, mal weniger signifikant ausgeprägt sein können. Gleichzeitig gehört die Depression zu den am häufigsten unterschätzten Krankheitsbildern, wird sie doch zumeist nicht als „echte“ Krankheit, sondern als Gemütszustand wahrgenommen.

Betroffene Menschen sehen die Welt wie durch einen grauen Schleier. Mittlerweile weiß man, dass an diesem Spruch sehr viel Wahres dran ist. So haben deutsche Mediziner festgestellt, dass Depressionen nachweisbare Veränderungen der Sehfunktion hervorrufen können. Eine entsprechende Studie wurde unter der Federführung von Prof. Ludgar Tebartz van Elst – Bruder des Limburger Bischofs Franz-Peter Tebartz-van Elst – an der Universitätsklinik Freiburg durchgeführt.

Im Rahmen des Versuchs wurde bei depressiven und gesunden Menschen ein so genannter Augen-EKG durchgeführt. Hierbei messen zwei kleine Elektroden (völlig schmerzfrei) die Spannungszustände im Augapfel. Im Zuge dessen wurden den Probanden spezielle Schachbrettmuster am Computer vorgeführt. Zwischen dem ruckartigen Wechsel der Muster wurde der Kontrast der Darstellung laufend verändert – vom klarem Schwarz-Weiß bis hin zu Grau.

Bei jedem Bildwechsel erzeugt unsere Netzhaut ein wahrnehmbares Signal, das für die Verarbeitung des Sinneseindrucks im Gehirn mitverantwortlich ist. War der Kontrast der Bilder stark und die Probanden gesund, ergab der EKG eine gleichmäßig verlaufende Zickzackkurve. Erstaunlich: Die Augen der depressiven Teilnehmer sprachen indes weitaus weniger auf den Bild- und Kontrastwechsel an. Ihre Zickzackkurven waren dementsprechend deutlich weniger ausgeprägt. Daraus kann man zunächst schlussfolgern, dass Depressive Kontraste viel schlechter wahrnehmen können als Gesunde – eine These, die in der Vergangenheit bereits von diversen anderen Studien nahegelegt wurde.

Wie genau es zu dieser Minderleistung kommt, ist noch unklar. Fest steht, dass sie mit dem Botenstoff Dopamin zu tun haben muss, dessen Produktion bei depressiven Menschen eingeschränkt ist. Eine geringere Dopamin-Konzentration im Auge kann zu einer Sehbeeinträchtigung führen. Um eine endgültige Aussage treffen zu können, ist jedoch weitere Forschung notwendig.