So erleichtern mobile Endgeräte das Leben von Sehbehinderten

Smartphones und Apps geben Blinden mehr Freiheit

Ende 2012 waren alleine hierzulande mehr als 31 Millionen Smartphones im Umlauf. Gleichzeitig geht man davon aus, dass in Deutschland etwa 1,2 Millionen Menschen sehbehindert oder gar blind sind. Ein Mensch gilt als sehbehindert, wenn er auf dem besser sehenden Auge mit Korrektur (Brille, Kontaktlinse) nicht mehr als 30 Prozent von dem sieht, was ein Mensch mit unbeeinträchtigten Augen erkennen kann.

Auf den ersten Blick haben die eingangs genannten Zahlen nichts miteinander zu tun. Findige Unternehmer und Innovatoren im Bereich der Medizin erkennen darin allerdings einen wichtigen Trend: Smartphones sind aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken und können fernab ihrer Kernfunktionalitäten (Telefonieren, SMS, E-Mail usw.) gezielt zur Hilfestellung bei bestimmten Einschränkungen eingesetzt werden.

Für sehbehinderte oder blinde Menschen ist bereits der Weg zum Supermarkt eine große Herausforderung. Die TU Braunschweig arbeitet aktuell an dem ambitionierten Projekt „InMoBS“, das Betroffene mit einer Genauigkeit von bis zu einem Meter durch das innerstädtische Straßengewirr begleiten soll.

Die in den USA entwickelte App „Be My Eyes“ geht das Problem pragmatischer an: So streamt die Smartphone-Kamera ein Live-Videobild der Umgebung an einen freiwilligen Helfer, der dieses am Computer daheim verfolgen und dem Nutzer per Sprachkommando Hinweise wie „Jetzt rechts“ oder „Achtung, Hinderniss“ geben kann. Das Pilotprojekt hat bereits größere Wellen geschlagen: Aktuell sind über 8.000 blinde Menschen registriert, die von über 100.000 freiwilligen Helfern rund um den Globus navigiert werden.

Fernab davon tut sich einiges mehr im Bereich der mobilen Endgerätenutzung für Sehbehinderte: Der Inder Sumit Dagar beispielsweise arbeitet gegenwärtig an einem der weltweit ersten Blindenschrift-Smartphones. Der Flughafen San Francisco installierte zuletzt spezielle Bluetooth-Sender (sog. „iBeacons“), um Passagiere mit Sehkraftbeeinträchtigung über eine spezielle App sicher zum Gate leiten zu können. Fernab davon werden immer mehr herkömmliche Smartphone-Applikationen barrierefrei ausgeliefert, d.h. beispielsweise mit einer Vorlesefunktion für Bedienelemente. Maßnahmen wie diese helfen maßgeblich betroffene Menschen besser und sicherer in den herkömmlichen Alltag einzubeziehen.