Smartphone-App behandelt Sehschwäche bei Heranwachsenden

Interaktive App behandelt Sehschwäche bei Kindern spielerisch

Die so genannte „Amblyopie“ („Stumpfes Auge“) bleibt auch im Zeitalter modernster Augenmedizin ein wichtiges Thema, auf das Fachärzte immer wieder mit Nachdruck hinweisen. Hinter dem Begriff verbirgt sich die Sehschwäche eines oder – in seltenen Fällen – beider Augen, die auf eine Unterentwicklung des Sehsystems im Kindesalter zurückzuführen ist. Durch ein leichtes, oftmals mit dem bloßen Auge nicht zu erkennendes Schielen „lernt“ das Gehirn in den ersten Lebensjahren das Sehen nicht vollständig, unterdrückt infolgedessen eines der beiden, organisch in der Regel völlig gesunden Augen und bildet die Seheigenschaft entsprechend einseitig heraus.

Wird die Amblyopie während der ersten Jahre erkannt, kann sie simpel, schmerzfrei und zielgerichtet therapiert werden. Dabei reicht es das „gute“ Auge des Kindes mit einem Pflaster abzukleben, um das Gehirn im wahrsten Sinne des Wortes zum „Umdenken“ anzuregen. Es lernt im Zuge dessen, dass der/die Betroffene ein zweites Auge hat, dessen Sichtpunkt etwas abgewandelt liegt – das Sehsystem wird dementsprechend neu kalibriert.

Eine erfolgreiche Therapie setzt natürlich eine zuverlässige Teilnahme des betroffenen Patienten voraus. Vielfach zeigen sich Heranwachsende genervt vom Abkleben des gesunden Auges. Da sie die Tragweite dieser notwendigen Behandlung noch nicht gänzlich verstehen können, nehmen sie diese auf die leichte Schulter und entfernen das Pflaster womöglich fernab der elterlichen Aufsicht.

Ein Lösungsansatz für dieses Problem könnte eine betont spielerische Therapie sein, dachte sich das deutsche Startup Caterna. Das Unternehmen entwickelte eine Spiele-App, die das schwache Auge 30 Minuten täglich auf Hochleistung bringt. Die Zielgruppe der vier bis zwölfjährigen Kinder wird dabei durch Spielelemente frei nach „Memory“ oder „Tetris“ unterhalten. Der Therapiecharakter verschwindet dementsprechend in den Hintergrund, was zu einem höheren und schnelleren Behandlungserfolgt führen soll.

Die gesetzliche Krankenkasse Barmer GEK vertraut auf diese unkonventionelle Herangehensweise und übernimmt als erste Gesellschaft die Kosten. Es bleibt abzuwarten, wann weitere Krankenversicherungen zur Übernahme solcher digitalen Therapieansätze übergehen.