Schlechte Sicht hinter dem Steuer ist ähnlich gefährlich wie Alkohol

Etwa jeder zweite Deutsche sieht schlecht. Gleichzeitig haben mehr als 54 Millionen Deutsche einen Führerschein – auf den ersten Blick eine durchaus gefährliche Kombination, möchte man meinen. Schließlich ist bei weitem nicht jede Fehlsichtigkeit (richtig und ausreichend) korrigiert.

Etwa 90 Prozent der Wahrnehmung hinter dem Lenkrad erfolgt über die Augen. Besonders in den Wintermonaten, wenn schlechte Straßenverhältnisse verstärkt auf eingeschränkte Sicht treffen, häufen sich die durch Fehlsichtigkeit bedingten Autounfälle. Im Hinblick auf eine immer älter werdende Gesellschaft dürfte dieser Trend in den kommenden Jahren anhalten oder gar zunehmen.

Insgesamt geht der Berufsverband der Augenärzte davon aus, dass etwa sieben Prozent der 300.000 Autounfälle pro Jahr durch schlechte Sicht verursacht werden. Damit liegt das Problem in einer ähnlichen Größenordnung wie Alkohol am Steuer.

Eine Studie, die 2011 von dem Optik-Spezialisten Zeiss in Auftrag gegeben wurde, weiß ebenfalls wachzurütteln: Ein Großteil der Teilnehmer stufte das eigene Sehvermögen als „befriedigend“ oder schlechter ein. Besonders groß (44%) war die Gruppe jener, die Schwierigkeiten beim nächtlichen Autofahren empfindet.

Schlechte Sicht kann die Fortbewegung im Straßenverkehr übrigens auch indirekt negativ beeinflussen: Ist eine Fehlsichtigkeit beispielsweise unzureichend oder falsch korrigiert, kommt es durch die permanente Überanstrengung der Augen zu Spannungskopfschmerzen. Durch diese kann die Konzentrationsfähigkeit hinter dem Steuer teils signifikant abnehmen – gerade bei längeren Fahrten auf der Autobahn.

Im Hinblick darauf wird auch jüngeren Verkehrsteilnehmern nahegelegt, mindestens einmal jährlich die Sehkraft überprüfen zu lassen. Ein entsprechender Check nimmt etwa zehn Minuten in Anspruch und wird von den Krankenkassen getragen.