Sie sind hier :///Retinoblastom – Formen, Symptome und Ursachen

Retinoblastom – Formen, Symptome und Ursachen

Das sogenannte Retinoblastom bezeichnet eine seltene Krebserkrankung des Auges. Es kommt fast ausschließlich bei Kindern vor und zählt zu den häufigsten vorkommenden Tumoren des Auges. Es entwickelt sich bei Neugeborenen und Kleinkindern aus noch unreifen, in der individuellen Erbanlage geschädigten Zellen der Retina (Netzhaut). Das krankhafte Zellenwachstum erfolgt infolgedessen unkontrolliert, kann entweder beide Augen betreffen oder zu mehreren kleinen Tumoren in einem Auge führen.

Häufigkeit

Die Häufigkeit der Neuerkrankungen an einem Retinoblastom liegt in Deutschland pro Jahr bei ca. 40 Kindern unter 15 Jahren. Es kommt also ein Kind mit Retinoblastom auf etwa 18.000 gesund geborene Kinder. In den meisten Fällen wird ein Retinoblastom vor dem 5. Lebensjahr festgestellt. Etwa 80% der erkrankten Kinder haben das vierte Lebensjahr noch nicht vollendet. Nach dem sechsten Lebensjahr kommt es hingegen extrem selten zur Entwicklung eines Retinoblastoms.

Formen und Ursachen eines Retinoblastoms

Augenärzte unterscheiden zwischen zwei Formen des Retinoblastoms. Die Ursachen sind zwei genetischen Mutationen (Veränderungen) in den Retinoblasten (Vorläuferzellen der Netzhaut). Die Mutationen können spontan auftreten oder vererbbar sein.

Beim erblichen bzw. familiären Retinoblastom wird der Gendefekt von dem Vater oder der Mutter auf das Kind übertragen. Dies ist bei etwa 40% der registrierten Fälle der Fall.

Bei 60 % der Patienten entwickelt sich das Krebsleiden in einzelnen Netzhautzellen spontan während der ersten Lebensjahre des betroffenen Kindes – in diesem Fall ist von einem sporadischen Retinoblastom die Rede.

In beiden Fällen besteht die Schwierigkeit, dass sich die Symptome erst nach einer gewissen Zeit zeigen. Für gewöhnlich hat sich das Retinoblastom zu diesem Zeitpunkt bereits im betroffenen Auge ausgedehnt. Erschwerend kommt hinzu, dass die Betroffenen noch sehr jung sind und ein womöglich vernommenes Beschwerdebild nicht verbal äußern können.

Erste Symptome beachten

Es sind meistens die Eltern, die die ersten Anzeichen der Erkrankung feststellen. Ein häufiger Indikator ist ein weißes Schimmern der Pupille, das man beispielsweise auf Fotografien mit Blitzlicht erkennen kann. In diesem Fall hat der Tumor meist einen beträchtlichen Teil des Glaskörpers verdrängt. Im weiteren Verlauf kann es zu einer Beeinträchtigung des Sehvermögens kommen. Auch ein plötzliches Schielen oder häufige Entzündungen des betroffenen Auges sollten Anlass zu einer näheren Überprüfung geben. Oft kann es im Rahmen einer Entzündung auch zu erhöhten Augeninnendruck beim Kind kommen. Der Augenarzt kann das Auge unter Narkose untersuchen sowie verschiedene bildgebende Verfahren, wie beispielsweise Ultraschall hinzuziehen.

Therapie

Wird ein Retinoblastom festgestellt, erfolgt eine Therapie in den meisten Fällen durch eine Bestrahlung, eine Lasertherapie, eine Kryotherapie oder eine chirurgische Entfernung. Ziel jeder Therapie ist die vollständige Zerstörung des Tumors und der Erhalt des Sehvermögens.

Kleine Tumore werden bei zentraler Lage meist lokal bestrahlt oder bei seitlicher Lage mit einer Kryotherapie (Kältetherapie) verödet. Bei dieser Augapfel erhaltenden Therapie geht es vor allem darum, dass der Tumor inaktiviert wird und das Sehvermögen bestehen bleibt.

Kommt es zu einem größeren Tumor, wird meist durch eine Chemotherapie versucht den Tumor in einem ersten Schritt zu verkleinern. Bei einer erfolgreichen Verkleinerung kann die anschließende Therapie, ähnlich wie bei kleinen Tumoren erfolgen. Gelingt dies nicht, ist eine Entfernung des vom Tumor betroffenen Auges (Enukleation) meist die einzige Therapiemöglichkeit. In diesem Fall steht der Erhalt des Lebens über dem Erhalt des Sehvermögens.

Nachuntersuchungen

Auch erfolgreich therapierte Patienten sollten regelmäßig zu Nachuntersuchungen gehen und bei verdächtigen Symptome sofort einen Augenarzt aufsuchen. Studien zeigen, dass sich bei einem Teil der Patienten Retinoblastome am anderen Auge entwickeln können oder die Veranlagung zu weiteren bösartigen Neubildungen im Körper besteht (Sarkome).

Eine gute Nachricht: Je früher die Erkennung stattfindet, desto höher sind die Chancen auf eine vollständige Heilung. Neben vergleichbaren Tumorerkrankungen des Auges sind die Genesungsaussichten bei einem Retinoblastom gut bis sehr gut, sofern es zu einer rechtzeitigen Diagnose kommt.

Print Friendly, PDF & Email
Von |2018-07-18T15:29:59+00:0025. Juni 2018|