Retinaler Arterienverschluss – eine seltene, aber gravierende Krankheit

„Plötzlich ist es dunkel“ – Die Vorstellung ist erschreckend: Von einem Moment auf den anderen erblindet das Auge – ohne Vorwarnung und ohne Schmerzen. Der Berufsverband der Augenärzte Deutschlands e.V. (BVA) warnt, „der retinale Arterienverschluss (RAV) ist eine zwar seltene, aber gravierende Krankheit“. Leider sind Augenärzte hier häufig noch machtlos. Wenn eine die Netzhaut versorgende Arterie verschlossen wird, ein sogenannter Retinaler Arterienverschluss entstanden ist, tritt schon nach wenigen Stunden ein nicht wieder gut zu machender Schaden ein.

Weshalb die Betroffene so schnell wie möglich einen Augenarzt aufsuchen sollten, erläutert Prof. Dr. Nicolas Feltgen vom Berufsverband der Augenärzte Deutschlands.

Retinaler Arterienverschluss – Embolie als Ursache

Von 10.000 Patienten in augenärztlicher Behandlung sind circa fünf bis zehn Menschen von einem retinale Arterienverschluss (RAV) betroffen. Am häufigsten tritt er im Alter zwischen 65 und 70 Jahren auf. In den allermeisten Fällen ist – wie bei einem ischämischen Schlaganfall – eine Embolie die Ursache des Gefäßverschlusses. Nur in etwa fünf Prozent der Fälle ist eine Entzündung der Schläfenarterie Grund dafür.

Leider wissen nur wenige Menschen von dieser Krankheit und gehen sofort bei den ersten Anzeichen zum Augenarzt. Dabei besteht – wenn überhaupt – nur in den ersten Stunden nach dem Verschluss die Chance für eine erfolgreiche Behandlung. Eine etablierte Therapie für den RAV gibt es nicht. Den meisten Patienten müssen die Augenärzte mitteilen, dass sie den entstandenen Sehverlust nicht mehr rückgängig machen können. Es gibt lediglich eine geringe Hoffnung, dass in den ersten Tagen nach dem Ereignis eine gewisse spontane Besserung eintritt.

Möglicher Vorbote eines weiteren Schlaganfalls

Der RAV aufgrund einer Embolie kann aber Vorbote eines weiteren, möglicherweise noch gravierenderen Schlaganfalls sein. Deshalb ist eine gründliche und schnelle Diagnostik von größter Bedeutung. Es kann daher sinnvoll sein, dass der Patient für einige Tage stationär aufgenommen und gründlich untersucht wird – idealer Weise in einer spezialisierten Station wie einer Stroke Unit.

Wenn aber eine Entzündung der Schläfenarterie den Gefäßverschluss ausgelöst hat, sollte diese mit hoch dosiertem Kortison behandelt werden, denn ansonsten könnte innerhalb kurzer Zeit auch das zweite Auge erblinden.

Leitlinie stellt das verfügbare Wissen über Diagnostik und Therapie dar

Die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG), die Retinologische Gesellschaft (RG) und der Berufsverband der Augenärzte Deutschlands (BVA) haben vor Kurzem das verfügbare Wissen über Diagnostik und Therapie des RAV in einer Leitlinie zusammengefasst. Denn auch wenn es außer in den ersten Stunden kaum Aussicht gibt, das Augenlicht der Patienten zu retten, ist es doch unabdingbar, dass sich Augenärzte für ihre Patienten einsetzen und ihnen als Lotsen durch die weiteren diagnostischen Maßnahmen beistehen.

Hier gelangen Sie zum kostenlosen Download der Leitlinie

 

Quelle: Berufsverband der Augenärzte Deutschlands e.V. (BVA)