Oster-Augen: Ein faszinierender alter Brauch für Ostern 2017

Osterbräuche und -symbole gibt es viele. Am bekanntesten sind zweifellos der Osterhase und die Ostereier. Das Osterfeuer gehört ebenso dazu wie an manchen Orten ein Osterbrunnen. Eher vernachlässigt wird hingegen ein alter, aber ungemein faszinierender Brauch – nämlich der der Oster-Augen. Dabei führt gerade dieser Brauch mitten in das hinein, was Ostern eigentlich bedeutet. Grund genug also, sich einmal etwas näher damit zu beschäftigen.

Ein neuer Blick auf die Welt mit den Oster-Augen

K1024_easter-2197043_1920Der Brauch hat allem Anschein nach seinen Ursprung in den ländlichen Regionen Italiens und Frankreichs, er wird aber auch stellenweise in Deutschland gepflegt. Um was geht es dabei? Wenn am Ostersonntag die Kirchenglocken zum ersten Mal läuten und die Auferstehung Jesu verkünden, eilen die Menschen des Dorfes zu einem Brunnen und waschen sich dort mit dem frischen Brunnenwasser die Augen aus. Sie wollen Oster-Augen und damit einen neuen Blick auf die Welt und das Leben bekommen. Das Wasser soll dabei alle Trübungen und Verzerrungen wegwaschen.

Tatsächlich ändert sich mit Ostern ja alles. Durch die Auferstehung Jesu, die da gefeiert wird, ist der Tod nach christlichem Verständnis besiegt. Es gibt für Christen demnach keinen Grund mehr, vor dem Tod Angst zu haben. Ostern wirkt da wie eine Befreiung. Das führt natürlich zwangsläufig auch dazu, dass man vieles anders sieht – oder es mit anderen Augen sieht. So wie der Osterhase und die Ostereier als Fruchtbarkeitssymbole das Leben feiern, sollen die Oster-Augen den unverstellten, klaren Blick auf das Leben ermöglichen. Der Brauch ist damit auch ein Ausdruck der Freude und der grenzenlosen Zuversicht.

Ein vergessener, aber sehr aktueller Brauch

K1024_easter-2196264_1920Zugegeben, der Brauch der Oster-Augen ist heute weitgehend in Vergessenheit geraten. Hierzulande wird er lediglich noch in einigen wenigen Dörfern in stark katholisch geprägten Gebieten gepflegt. Etwas weiter verbreitet ist hingegen noch der Spruch „Ich wünsche dir Osteraugen“, der auf das Ritual zurückgeht. Trotzdem erscheinen die Oster-Augen auch heute ungemein zeitgemäß. Die Idee dahinter eignet sich auch für Nicht-Christen oder Atheisten. Es kann ja nie schaden, sich ab und an einen neuen, zuversichtlichen Blick auf die Dinge anzueignen. Die alte Frage, „Wann ist Ostern?“ ließe sich dann auch so beantworten: Ostern ist dann, wenn ich wieder klar sehe. Vor diesem Hintergrund sollten wir alle unsere Augen mal wieder auswaschen.

Frohe Ostern 2017!