Nystagmus (Augenzittern): Definition, Formen & Behandlung

Nystagmus
Nystagmus © Iraidka / stock.adobe.com

Unter Nystagmus (auch: „Augenzittern“) versteht man eine Augenerkrankung, bei der es zu unkontrollierbaren horizontalen Zittern oder Zucken beider Augen kommt. Das Krankheitsbild gehört zu den am häufigsten vorkommenden Krankheitsbildern in der Augenheilkunde. Es ist für den Patienten meist sehr unangenehm und häufig mit Sehstörungen verbunden. Erfahren Sie in diesem Beitrag alles zu den Ursachen, Formen und Behandlungsmöglichkeiten der Erkrankung.

Nystagmus: Einführung

Die Bezeichung Nystagmus stammt aus dem Altgriechischen und bedeutet „nicken“ oder „schlummern“. Meist sind bei den betroffenen Personen unwillkürliche, gleichzeitige und rhythmische Bewegungen in beiden Augen zu erkennen. Der Nystagmus kommt in physiologischer und pathologischer Form vor. Beim physiologischen Nystagmus handelt es sich um eine nicht krankhafte Rückholbewegung der Augen, wenn man schnell bewegende Objekte betrachtet.

Das pathologische (krankhafte) Augenzittern kann angeboren sein oder findet sich bei vielen neurologischen, Hals-Nasen-Ohren- oder Augenerkrankungen. Bei dieser Form wird häufig auch eine unbewusste Kopfzwangshaltung eingenommen, da dies das Augenzittern in bestimmten Blickbereichen beruhigt. Obwohl der Nystagmus oft nicht heilbar ist, gibt es unterschiedliche Therapiemöglichkeiten, die oft eine deutliche Linderung hinsichtlich Ausprägung und Häufigkeit bringen.

Nystagmus Infografik
© Alila Medical Media / Fotolia

Nystagmus: Formen

Physiologischer Nystagmus

Der physiologische Nystagmus ist sinnvoll und dient dazu, dass das optische Bild konstant auf der Netzhaut abgebildet wird. Ein alltägliches Beispiel für das physiologische Augenzittern ist der sogenannte optokinetische Nystagmus, der vor allem bei einer schneller Abfolge vorbeiziehender Bilder, wie zum Beispiel bei Auto- oder Bahnfahrten, ausgelöst wird. Eigenbewegungen des Auges, Bewegungen des betrachteten Objekts und Bewegungen des Kopfes im Raum führen zu Bewegungen des Lichtreizes auf der Netzhaut. Da die Netzhaut des Auges stets danach strebt den Focus im Bereich des schärfsten Sehens zu halten, erfolgt eine Rückholbewegung der Augen, damit der Fokus wieder im zentralen Bereich der Netzhaut liegt.

Pathologischer Nystagmus

Tritt das Augenzucken auch in völliger Ruhe auf, handelt es sich meistens um einen pathologischen Nystagmus. Die krankhafte Form des Nystagmus kann angeboren oder im Laufe des Lebens erworben sein. In jedem Fall ist eine augenärztliche Untersuchung zwingend notwendig.

Angeborener Nystagmus

Bei Säuglingen oder Kleinkindern kann man diverse Formen des angeborenen Nystagmus vorfinden. Dabei finden die Kinder bei der Blickfixierung keine festen Halt und die vollständige Sehschärfe wird nie erreicht. Der angeborene Nystagmus kann ein Anzeichen für eine vorliegende Augenerkrankung, eine Schädigung des Gleichgewichtsorgans, Schädigungen im Gehirn oder Albinismus sein. Er tritt bei Kindern entweder als kongenitaler Nystagmus oder in Einzelfällen als okulärer Nystagmus auf.

Der kongenitale Nystagmus zeigt sich in der Regel ab dem 2. bis 3. Lebensmonat und ist den meisten Fällen harmlos. Er verstärkt sich nicht und geht auch mit keinerlei anderen Störungen einher. Die betroffenen Personen nehmen die unwillkürlichen Augenbewegungen nicht bewusst war. Von außen sieht man den Kindern/Erwachsenen bei aufmerksamer Beobachtung das Augenzittern an.

Der okuläre Nystagmus tritt als Folge von erblichen Augenkrankheiten oder frühen Augenschäden auf. Diese führen zu Störungen im visuellen System, die ein normales Fixationsverhalten der Augen nicht zulassen. Als Ursache kommen Sehdefekte, wie zum Beispiel Schielen oder Albinismus, oder organische Ursachen, wie ein Grauer Star oder ein Fehlen der Regenbogenhaut infrage.

Erworbener Nystagmus

Der erworbene Nystagmus tritt meist als Folge bestimmter Erkrankungen oder Verletzungen im Hirnstamm, Kleinhirn und des Gleichgewichtsorgans auf. So können schwere Unfälle, Verstopfungen der Blutgefäße im Gehirn, Autoimmunerkrankungen wie Multiple Sklerose oder ein Gehirntumor die Bereiche schädigen, die die Bewegung der Augen kontrollieren. Auch Vergiftungen durch Medikamente, Alkohol oder Drogen können einen pathologischen Nystagmus auslösen. Hierbei ist er das Ergebnis einer fehlerhaften Koordination zwischen dem Seh- und dem Gleichgewichtssinn.


Nystagmus: Symptome

Je nach Ursache der Augenbewegungsstörungen und in Abhängigkeit der Ursache können folgende Symptome isoliert oder in Kombination auftreten:

  • Doppelbilder
  • Verschwommenes Sehen
  • Beeinträchtigung des Tiefensehen
  • Verminderung der Sehschärfe
  • Schwank- und Drehschwindel
  • Gleichgewichtsstörungen
  • Laufende Bilder (Oszillopsien)
  • Schiefhaltung des Kopfes
  • Fallneigung

Nystagmus: Diagnose

Zunächst wird der Arzt oder Augenarzt Fragen über die Vorerkrankungen des Patienten sowie familiäre Belastungen stellen (Anamnese). Diese helfen dabei einzuordnen, ob es sich um einen angeborenen oder erworbenen Nystagmus handelt. Danach fordert der Arzt den Patienten oft auf, unterschiedliche Kopfpositionen einzunehmen und seine Wahrnehmung in Bezug auf Sehschärfe und Augenzittern zu beschreiben. Um die mögliche Form des Nystagmus noch genauer einordnen zu können, stehen dem Arzt unterschiedliche Untersuchungsmethoden zur Verfügung.

Frenzelbrille

Zur Diagnostik des Nystagmus hat sich in den letzten Jahren die sogenannte Frenzelbrille bewährt. Dabei handelt es sich um ein Untersuchungsinstrument, dass vom Patienten wie eine herkömmliche Brille aufgesetzt wird. Die Frenzelbrille dient dazu, unwillkürlichen Augenbewegungen eines provozierten oder spontanen Nystagmus bei Patienten mit Gleichgewichtsstörungen zu beobachten. Dafür verfügt die Frenzelbrille über spezielle konvexe Vergrößerungslinsen, die zum einen der Vergrößerung der Augen dienen und zum anderen eine scharfe Wahrnehmung von Gegenständen in der Umgebung verhindern. Somit wird eine genaue Beobachtung der Augenbewegungen zur Diagnostik ermöglicht. Die Untersuchung findet in der Regel in einem abgedunkelten Raum statt, während in der Brille angebrachte LED-Lampen dem Arzt eine genaue Beobachtung der Augenbewegungen erleichtern.

Frenzel goggles

© Polarlys / Wikimedia Commons

Elektronystagmographie

Als Elektronystagmographie, kurz ENG, bezeichnet man eine in der HNO-Heilkunde angewandte Untersuchungsmöglichkeit des Nystagmus. Es dient als bildgebendes Verfahren zur Registrierung und Bestimmung schneller Augenbewegungen mithilfe von aufgeklebten Elektroden. Diese werden im Gesichtsbereich rund um die Augen des Patienten angebracht und ermöglichen die elektrische Aufzeichnung von Spannungsveränderungen, die beim Augenzitterns auftreten.

Computertomographie oder Magnetresonanztomographie

Bei diesen Untersuchungsmethoden werden Schichtaufnahmen ab 0,5 mm Dicke des Gehirns gemacht, um zu überprüfen, ob Gefäßprobleme, Schwellungen oder Tumore vorliegen, die einen Nystagmus verursachen können.

Laboruntersuchungen

Laboruntersuchungen wie Blut,- oder Urinuntersuchungen geben Aufschluss über zahlreiche Krankheiten. Sie werden zum Ausschluss von Stoffwechselerkrankungen, Infektionen, einem chemischen Ungleichgewicht im Körper oder Tumoren durchgeführt.


Nystagmus: Therapie

Das Therapieziel des Nystagmus richtet sich wie in jedem anderen Bereich der Medizin nach der Diagnose des behandelnen Arztes. Je nach Form und Ausmaß des Nystagmus können eine Brille oder Kontaktlinsen die Sehbehinderung reduzieren. Zur Verbesserung des Seheindrucks können Medikamente und unterstützende Operationen die Frequenz und Stärke des motorischen Nystagmus vermindern. Rund 50 % des angeborenen Augenzitterns können durch eine Operation verbessert werden. Davor muss festgestellt werden, ob der Patient unter einer Kopfzwanghaltung leidet und ob er in einer bestimmten Kopfhaltung weniger stark betroffen ist. Anschließend muss man unterscheiden, ob Gegenstände in der Ferne oder in der Nähe besser erkannt werden. Basierend darauf kann man diverse Operationsverfahren in Betracht ziehen.

Zudem ist ein Nystagmus für Betroffene oft sehr unangenehm, da das Augenzittern nicht zu kontrollieren ist. Die Bewegungen sind nicht selten mit einer konstanten psychischen Belastung verbunden. Einerseits ist stets ein unangenehmes Gefühl beim eigentlichen Sehvorgang vorhanden und andererseits reagieren Mitmenschen häufig negativ auf das Augenzittern.


Quellen:
Grehn, F.: Augenheilkunde. Springer-Verlag, Heidelberg, 31. Auflage, 2012.
Lang, G. K. & Lang, G. E. : Augenheilkunde essentials. Georg Thieme Verlag, Stuttgart, 1. Auflage, 2015.

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