Neuartige Brillenkamera soll Blinden bei Orientierung helfen

OrCam: Nachrüstbare Brillenkamera soll Blinden bei Orientierung helfen

Rund um den Globus sind heute knapp 40 Millionen Menschen vollständig blind. Mehr als 285 Millionen gelten derweil als sehbehindert. Kurzum: Sehbehinderungen in ihren diversen Ausprägungen bleiben auch im Zeitalter modernster Augenheilkunde ein signifikantes, stellenweise weiterhin ungelöstes Problem. Besonders erschreckend ist die Tatsache, dass mehr als 90 Prozent aller blinden Menschen in Entwicklungsländern leben – Aufklärung sowie die Bereitstellung einfacher Sehhilfen können hier das Problem langfristig deutlich eindämmen, mahnen Hilfsorganisationen und Ärzte immer wieder.

Eine vergleichsweise aufwendige High-Tech-Hilfe hört auf den Namen „OrCam“. Dahinter verbirgt sich eine auf den ersten Blick gewöhnliche, kleine Kamera, die unscheinbar mit einem tragbaren Minicomputer verbunden wird. Der Clou: Mit Hilfe der Kamera, die am Bügel einer jeden Lesebrille befestigt werden kann, erfasst der Träger seine Umgebung in Echtzeit – und kann diese im nächsten Schritt über den Minicomputer deuten, verarbeiten und in Ton ausgeben lassen. Blinde oder stark sehbehinderte Menschen können sich mit Hilfe von „OrCam“ beispielsweise eine Speisekarte oder eine Wegbeschreibung vorlesen lassen.

Dazu muss der Träger nach Herstellerangaben lediglich die Fläche antippen, auf der sich die Hinweise befinden. „OrCam“ liest die Informationen anschließend halblaut über einen so genannten Knochenschalllautsprecher vor. Ein solcher umgeht das Mittelohr und kann damit Außengeräusche wirksam überdecken.

Die Verbindung zwischen Kamera und Minicomputer, der beispielsweise unter der Kleidung am Gürtel befestigt werden kann, erfolgt aktuell noch schnurgebunden. Das Gerät, welches mehr als drei Jahre lang entwickelt wurde, kostet derzeit rund 2.500 Euro. Es ist nicht bekannt, in wieweit hiesige Krankenkassen sich mit Technologien dieser Art aktuell auseinandersetzen. Spannend ist auch die Frage, wann die jüngsten Datenbrillen-Vorstöße mit integrierten Prozessoren (z.B. Google Glass) für augenärztliche Zwecke umfunktioniert werden. „OrCam“ ist aktuell die einzige Lösung dieser Art am Markt.