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Netzhautablösung – warum sofortiges Handeln nötig ist

Eine Netzhautablösung stellt immer einen augenärztlichen Notfall dar. Zeigen sich schwarze Schatten oder ein dunkler Schleier in Ihrem Gesichtsfeld, spricht viel für eine Netzhautablösung. Diese kommt selten vor, erfordert aber ein sofortiges Handeln, denn unbehandelt droht eine Erblindung des betroffenen Auges. Daher ist es wichtig die ersten Anzeichen und Symptome zu kennen, um richtig reagieren zu können.

Was ist eine Netzhautablösung?

Eine Netzhautablösung (Ablatio/Amotio retinae) bezeichnet die Ablösung der Netzhaut (Neuroretina) von der Aderhaut (Choroidea) sowie dem retinalen Pigmentepithel (RPE). In der Neuroretina liegen die lichtempfindlichen Photorezeptoren. Die Aderhaut ist für die Versorgung der Rezeptoren mit Nährstoffen und Sauerstoff zuständig. Löst sich die Neuroretina, werden die Rezeptoren nicht mehr versorgt und sterben innerhalb kürzester Zeit ab. Die Netzhaut und das RPE sind nicht fest miteinander verwachsen, sondern haften nur aufgrund biophysikalischer Osmose-Kräfte am Sehnervenkopf und in ihrer äußersten Peripherie hinter der Iris aneinander. Eine Netzhautablösung kann infolge von Augenverletzungen, Glaskörper-Abhebungen, hoher Kurzsichtigkeit, nach einer Augen-Operation oder bei diabetischen Augenschäden entstehen. Sie kommt eher selten vor, stellt aber immer einen augenärztlichen Notfall dar. Wenn die Netzhaut nicht innerhalb kürzester Zeit wieder angelegt wird, drohen dauerhafte Schäden wie starke Sehbehinderung oder sogar Erblindung.

Netzhautablösung© Alila Medical Media / Fotolia

Formen der Netzhautablösung

Rissbedingt (Rhegmatogene Amotio)

Am häufigsten entsteht eine Netzhautablösung durch einen Netzhautriss. Dieser bildet sich, wenn sich der Glaskörper aufgrund von Verflüssigung und Umstrukturierung des Gewebes abzuheben beginnt. Dies geschieht zum einen aufgrund natürlicher Alterungsprozesse, zum anderen kann sich der Glaskörper aber auch akut durch äußere Krafteinwirkungen abheben (Prellungen, Druckwellen, Stöße oder Gewalt). Die rhegmatogene Amotio weist einen Netzhautriss in Hufeisenform auf. Aufgrund der natürlichen Schwerkraft sinkt der Glaskörper typischerweise nach unten ab. Infolgedessen sind Netzhautrisse sehr viel häufiger in den oberen Anteilen der Netzhaut aufzufinden als in der unteren.

Zugbedingt (Traktive Amotio)

Eine weitere Form der Netzhautablösung entwickelt sich als Folge an Strängen von Binde-, Membranen- oder Narbengewebe. Diese haften der Netzhaut an und neigen zum Schrumpfen, wobei sie diese zeltartig abziehen können. Zu den Ursachen solcher Verwachsungen zählen vor allem Netzhauterkrankungen (z.B. diabetische Retinopathie, Netzhautvenenverschlüsse), Netzhautveränderungen bei Frühgeborenen, vorausgegangene Netzhautoperationen, altersbedingte Schrumpfungen des Glaskörpers aber auch nach einer perforierenden Verletzung. In seltenen Fällen können auch (noch Jahre später) Kombinationen der verschiedenen Formen vorliegen; bspw. aus riss- und zugbedingter Netzhautablösung.

Flüssigkeitsbedingt (Seröse Amotio)

Eine Schädigung der Netzhautgefäße aufgrund einer Entzündung sowie einer Einschränkung der Pumpfunktion des retinalen Pigmentepithels führt zur Flüssigkeitsansammlung innerhalb des Netzhaut-Niveaus. Infolgedessen kommt es zur Abhebung der Netzhaut. Typischerweise lässt sich eine seröse Amotio bei Morbus Harada, Aderhautmelanomen oder -metastasen vorfinden.

Tumorbedingt

Tumore unter der Netzhaut können durch ihre Raumforderung sowie über eine begleitende seröse Amotio ebenfalls eine Netzhautablösung verursachen.

Infografik | Netzhautablösung

Symptome

Wenn Risse in der Netzhaut entstehen oder Zugkräfte durch Membranen des Glaskörpers auf die Netzhaut einwirken, entstehen folgende typische Symptome:

  • Lichtblitze (Photopsien) entstehen aufgrund von Einrissen der Netzhaut bzw. Zug auf den Glaskörper. Sie treten vor allem bei ruckartigen Augenbewegungen auf. Sie werden vom Glaskörper ausgelöst, der durch die Bewegung an der Netzhaut zieht. Die Betroffenen nehmen diese Blitze vor allem nachts und im Dunkeln wahr.
  • Wenn die Netzhaut einreißt, kann es zu Verletzungen der Netzhautgefäße kommen, welche in das Niveau des Glaskörpers bluten. Dies äußert sich dann durch sogenannten Rußregen. Aufgrund von Glaskörperblutungen nehmen Betroffene schwarze Punkte (Schwarm schwarzer Mücken oder Ruß) wahr, die häufig vom oberen Teil des Gesichtsfeldes nach unten hin absinken sowie spontan und sehr zahlreich auftreten.
  • Teilweiser Ausfall des Gesichtsfeldes: Ein aufsteigender, abfallender oder seitlicher Schatten schiebt sich als schwarze Wand oder Vorhang in das Gesichtsfeld eines Auges. Dies ist abhängig vom Ort, an welchem sich die Netzhaut großflächig ablöst.

Eine Netzhautablösung kann auch völlig ohne subjektive Symptome sowie schmerzfrei ablaufen und erst bei Erreichen der Netzhautmitte (Makula) für den Betroffenen selbst sichtbar werden. Dies äußert sich dann durch verzerrtes Sehen (Metamorphopsien). In der Regel ist zunächst das Gesichtsfeld eingeschränkt. Daher nehmen nicht alle Betroffenen erste Symptome direkt wahr und konsultieren eher spät einen Augenarzt. Erreicht der Netzhautabriss die Netzhautmitte, verliert der Betroffene zusätzlich zu den peripheren Ausfällen einen großen Teil seiner zentralen Sehschärfe.

Diagnose

Bei einer Netzhautablösung ist eine rasche Diagnose wichtig. Wenn erste Symptome auftreten, muss so schnell wie möglich ein Arzt aufgesucht werden. Vor der eigentlichen Untersuchung ist es nötig, die Pupillen mit hilfe von Augentropfen zu weiten. Augenärzte diagnostizieren eine Netzhautablösung mit Hilfe eines Ophthalmoskops. Dabei kommt eventuell auch ein Kontaktglas zum Einsatz. So lässt sich eine Netzhautablösung auch in der Peripherie der Netzhaut besser erkennen. Zusätzlich werden eine Ultraschalluntersuchung sowie eine optische Kohärenztomographie durchgeführt. Auch wenn die Symptome der Netzhautablösung häufig nur einseitig auftreten, untersucht der Arzt immer beide Augen. Denn manchmal weist auch die Netzhaut des nicht betroffenen Auges Veränderungen auf, die eine Vorstufe zur Netzhautablösung sein können und die sich eventuell vorbeugend mit dem Laser behandeln lassen.

Therapie

Sobald sich die Netzhaut von der Aderhaut gelöst hat, ist eine Operation erforderlich. Dabei soll der Glaskörper entlastet, Netzhautrisse verschlossen und künstliche Narben erzeugt werden, um so eine erneute Ablösung zu verhindern. Das Vorgehen ist abhängig von der Ursache, Lage und Ausdehnung des Netzhautrisses.

Laserkoagulation

Netzhautlöcher bei noch intakt anliegender Netzhaut können mittels (Argon-) Laserkoagulation behandelt werden. Solche bestehenden Löcher können mit dem Laser umstellt und verschweißt werden, um diese somit abzudichten. Es dauert in etwa 2 Wochen, bis sich eine feste Narbe um das abgeriegelte Loch gebildet hat und eine drohende Netzhautablösung verhindert ist. Diese Narben stören den Betroffenen beim peripheren Sehen nicht.

Tamponade

Durch Einbringen eines Gasgemisches in das Innere des Augapfels und entsprechende Kopfhaltung kann die abgelöste Retina wieder an das RPE angelegt werden. Das Gas wird nach einigen Wochen resorbiert. Die Gastamponade kann auch mit der Kryo-Therapie, der Vitrektomie und einer Cerclage kombiniert werden. Bei der kombinierten Vitrektomie werden der Glaskörper und traktives Gewebe möglichst vollständig entfernt sowie der Lochverschluss durch eine Tamponade realisiert.

Plombe oder Cerclage

Die Wiederanlage der Netzhaut kann durch das Aufnähen von speziell geformten Kunststoffpolstern (Plomben) oder durch kreisförmiges Umschlingen des Augapfels von außen mit flexiblen Silikonbändern oder -schläuchen (Cerclage) erreicht werden. Diese chirurgischen Maßnahmen haben die Eindellung des Augapfels zum Ziel, sodass der Kontakt zwischen Pigmentepithel und Neuroretina wieder hergestellt und dem Glaskörperzug entgegengewirkt wird.

Kryo-Therapie

Ist der Riss zu groß oder zu weit in der Peripherie des Auges, so kann er durch einen kryo-chirurgischen Eingriff behandelt werden. Bei diesem Verfahren wird eine Kälte-Sonde auf der Außenseite des Auges aufgesetzt. Aufgrund der thermischen Reaktion des umliegenden Gewebes wird der Riss verschlossen.

Prognose

In rund 90% aller Fälle gelingt die Wiederanlegung der Netzhaut, sodass das Sehvermögen der Patienten erhalten bleibt. Je früher der Netzhautabriss entdeckt wird und je kleiner er ist, desto besser sind die Chancen auf eine Heilung. In den ersten Tagen nach der Operation sollten die Augen so wenig wie möglich belastet werden; Lesen und Bildschirmarbeiten sind aufgrund der schnellen Augenbewegungen (Sakkaden) bei Nahfixation untersagt. Wenn sich die Netzhaut innerhalb weniger Tage angelegt hat und eine feste Narbe entstanden ist, sind nach 2-3 Wochen keine Einschränkungen mehr zu erwarten.

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Von |2018-06-19T14:34:37+00:0011. Juni 2018|
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