Negativtrend Kurzsichtigkeit: Schafft frische Luft Abhilfe?

Kurzsichtigkeit nimmt rund um den Globus zu – und tritt dabei immer häufiger in sehr jungen Jahren auf (wir berichteten). Da die Wissenschaft mittlerweile auch eine Korrelation zwischen Bildungsgrad und Sehschwäche festgestellt hat, ist es keine große Überraschung dass Kurzsichtigkeit in besonders bildungshungrigen Ländern immer stärker ausgeprägt ist. Ganz vorne mit dabei: China. Aber auch in anderen asiatischen Ländern, wo die medizinische Versorgung in den letzten 20 Jahren teils große Sprünge gemacht hat, ist Kurzsichtigkeit ein rapide wachsendes Problem.

Die Ursachen dafür sind trivial: Naharbeit – d.h. das andauernde Fokussieren des Auges auf Gegenstände in der Nähe – regt das Gehirn zum Längenwachstum des Augapfels an. Schlechte Beleuchtung tut ihr Übriges. Kinder, die mit Hoffnung auf eine bessere, erfolgreiche Zukunft zu Höchstleistungen in der Schule gedrillt werden, wachsen immer häufiger mit regelmäßiger Naharbeit auf. Gleichzeitig verbringen sie weniger Zeit bei Tageslicht in der freien Natur und sitzen stattdessen vor dem Computer. Diese Faktoren fördern die Entstehung von Kurzsichtigkeit nachhaltig, ist sich unter anderem die Weltgesundheitsorganisation WHO sicher.

Nach dem aktuellen Stand der Forschung ist natürlicher Lichteinfall ein entscheidender Faktor für die Vermeidung bzw. Abschwächung von Kurzsichtigkeit. Entsprechende Versuche wurden bislang vor allem an Tieren durchgeführt. Zwei Stunden Aufenthalt im Freien pro Tag könnten demnach einen wesentlichen Unterschied in der Sehkraftentwicklung eines Kindes ausmachen, sind sich verschiedene Forscher einig.

Kurzsichtigkeit wird derweil als eine zentrale Epidemie des 21. Jahrhunderts bezeichnet. Im Jahr 2050 sollen mehr als fünf Milliarden Menschen auf der Erde kurzsichtig sein, sagt der Chef der WHO voraus. Damit gehen ein erhöhtes Risiko für verschiedene Erkrankungen des Auges (unter anderem Makuladegeneration) sowie ein massiver Mehraufwand für die Gesundheitssysteme einher, heißt es weiter. Die WHO und andere Organisation mahnen im Hinblick darauf zu mehr Aufklärung, regelmäßigen Tests und Sensibilisierung der Eltern.