Nachgefragt: Wie entsteht Schielen?

Genauso wie bei anderen Beeinträchtigungen des menschlichen Sehapparats ist das Spektrum der Schielleiden extrem breit: Vom so genannten Mikrostrabismus, den man mit bloßem Auge kaum erkennen kann, bis hin zum handfesten Schielen (z.B. Innenschielen) sind heute zahlreiche Ausprägungen bekannt.

Die Tatsache, dass sich entsprechende Indikationen innerhalb von Familien häufen können, weisen auf eine erblich bedingte Ursache hin. Schielt ein Elternteil bzw. wurde ein Elternteil bereits wegen eines Schielleidens behandelt, sind bei Kindern zwischen sechs und zwölf Monaten regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen wichtig. Besonders der erwähnte Mikrostrabismus kann – sofern er unentdeckt bleibt – tückisch sein, da die Entwicklung der frühkindlichen Sehkraft infolgedessen irreversibel beeinträchtigt werden kann (Amblyopie).

In vielen Fällen ist jedoch kein familiärer Zusammenhang erkennbar: Oft schielt nur ein Mitglied der Familie. Eine geschlechtsspezifische Häufung liegt ebenfalls nicht vor. Bestimmte Risikofaktoren während der Schwangerschaft, Tumore im/am Auge sowie bestimmte Formen von Augenverletzungen können dagegen zur Entstehung von Schielleiden beitragen. Verschiedene Ausprägungen von Brechungsfehlern oder einseitige Linsentrübungen gehören ebenfalls zu den Risikofaktoren. In jedem Fall ist eine fachmännische augenärztlich-orthoptische Diagnostik das A und O.

Schätzungen zufolge leiden in Mitteleuropa etwa sechs Prozent der Bevölkerung an einem krankhaften Schielen. Minimalabweichungen der Sichtachsen, die den Betroffenen nicht spürbar beeinträchtigen, werden nicht dazugerechnet – tatsächlich ist das Schielen per Definition also deutlich weiter verbreitet.

Die Augenheilkunde begegnet den diversen Indikationen mit verschiedenen Behandlungsansätzen. In vielen Fällen können chirurgische Eingriffe an den äußeren Augenmuskeln die Stellung des betroffenen Auges begünstigen. Einer der Vorstöße in diesem Bereich ist die so genannte minimal-invasive Strabismuschirurgie (MISS). Während die eigentliche Operationstechnik am Muskel unberührt geblieben ist, eröffnet MISS einen deutlich schonenderen Zugang über einen speziellen Bindehautschnitt. Bei medizinisch begründeten Diagnosen trägt die Krankenkasse in der Regel die Kosten für entsprechende Eingriffe.