Mythos oder gut gemeinter Rat: Können Augen beim Schielen stehenbleiben?

Viele von uns werden sich noch an Kindertage erinnern, wo man von Eltern oder Großeltern eindringlich vor dem bewussten Schielen gewarnt wurde – schließlich könnten die Augen in jener Position stehenbleiben, wenn man in jenem Moment erschreckt wird. Konkret sollen die Augenmuskel im Zuge dessen verkrampfen, heißt es vielfach im Volksmund. Kindern, die gerne Grimassen schneiden und auf die eigene Nasenspitze um die Wette starren, wird durch solche Erzählungen ein erzieherischer Schrecken eingejagt, an den sie sich noch viele Jahre später zurückerinnern. Wahrheit oder Mythos – was ist nun dran?

„Nichts!“, wird Ihnen jede versierte Augenarzt bestätigen. Bis heute ist kein Fall von bewusstem Schielen bekannt, bei dem die Augen in der jeweiligen Position urplötzlich irreversibel verharrten. Eine gesunde Augenmuskulatur kann gar nicht verkrampfen. Wer seine Augen weitläufig verdrehen kann, ist strenggenommen gar mit einer besonderen Flexibilität gesegnet und kann sein Sehorgan besser kontrollieren als andere Menschen.

Woher ruht dann der weit verbreitete Irrglaube? Darüber lässt sich nur spekulieren. Ein Grund könnte die Tatsache sein, dass Schielen in früheren Zeiten pauschal mit einer mangelnden geistigen Entwicklung assoziiert wurde. Um ihre explorierenden Kinder dementsprechend zu erziehen, erzählten Eltern die Sage von den stehengebliebenen Augen. Auch an dieser Vorstellung ist wohlgemerkt nichts dran, können doch zahlreiche organische Gründe für ein Schielleiden (Strabismus) vorliegen. Diese korrelieren in der Regel nicht mit der geistigen Entwicklung eines Menschen.