Mythos Augenklappe: Was ist dran?

Mythos des Alltags: Augenklappen werden nicht nur von Piraten getragen

Die meisten von uns assoziieren große, schwarze Augenklappen mit Piraten-Geschichten, die man noch aus der Kindheit kennt. Dank Mainstream-Kinofilmen wie „Fluch der Karibik“ ist sie uns als Symbol der Piraterie bis heute erhalten geblieben. Doch woher kommt diese Assoziation eigentlich? Wie so oft ist die Darstellung in Büchern, Filmen, Videospielen und anderen Medien etwas überspitzt: Natürlich trugen nicht alle Piraten eine Augenklappe. Und vereinzelt gibt es heutzutage auch Menschen, die eine solche Klappe tragen – jedoch nichts mit der Seefahrt oder vergrabenen Goldschätzen zu tun haben.

In der Regel gehen wir davon aus, dass die Augenklappe ein verletztes oder gar fehlendes Auge verdecken soll. Tatsächlich war dies früher öfters der Grund. Ein anderer ist jedoch deutlich naheliegender: Piraten – oder Seemänner im Allgemeinen – mussten sich häufig unter Deck in eingeschränkten Lichtverhältnissen zurechtfinden. Dazu mussten sie lediglich die Augenklappe abnehmen. Das bereits an Dunkelheit „gewöhnte“ Auge konnte anschließend deutlich schneller zur Orientierung beitragen als das andere.

Eine lange Zeit diente die Augenklappe auch der Prävention. Vor dem Aufkommen der modernen Medizin trugen beispielsweise Schmiede regelmäßig ein solches Utensil, um ihre Augen vor herumfliegenden Fragmenten und Funken zu schützen. Spezielle Schutzbrillen haben dieses Vorgehen irgendwann abdingbar gemacht. Die kosmetische Anwendung in der Medizin findet heutzutage nur noch selten statt. Menschen, denen beispielsweise im Zuge eines Unfalls ein Auge entfernt werden musste, können auf äußerst realitätsnahe Prothesen zurückgreifen.

Augenärzte greifen vereinzelt im Kontext von Gesichtsfelduntersuchungen zu Augenklappen. Manchmal kommt sie auch bei Kindern zum Einsatz, die an einer so genannten Amblyopie leiden. In einem solchen Fall fixieren die Augen – beispielsweise aufgrund eines leichten Schielens – nicht ein- und denselben Punkt im Raum. Das Gehirn kann infolgedessen kein „gemeinsames“ Bild generieren und schaltet das betroffene Auge Stück für Stück ab. Wird das Gehirn nicht zum Gegenteil erzogen, bleibt im Erwachsenenalter eine irreversible Einschränkung des Sehvermögens, obwohl die Augen organisch gesund sind. Die Lösung: Das „gute“ Auge wird für eine gewisse Zeit mit einer Augenklappe abgedeckt. Das Gehirn lernt infolgedessen, auch das „schlechte“ Auge miteinzubeziehen.