Mythen und Vorteile: Was assoziieren Menschen mit der Brille? (Teil 2)

Deutlich mehr als die Hälfte der Deutschen trägt eine Brille. Und weil wir alle immer kurzsichtiger werden, ist kein Ende des Aufwärtstrends in Sicht. Die Optikerindustrie freut sich naturgemäß – sie produziert heute kreativer und vielfältiger als jemals zuvor. Die pauschale Stigmatisierung der Brille rückt derweil immer weiter in den Hintergrund. Wer heute eine Brille trägt, ist keineswegs eine „Brillenschlange“– sondern ein Mensch, der ganz im Zeitgeist steht. Aufgrund ihrer Omnipräsenz im Alltag befeuert die Brille zahlreiche Mythen und (Halb-)Wahrheiten, von denen wir einige (s. Teil 1) bereits vorgestellt haben.

Spannend ist die Erkenntnis, dass das Tragen einer Brille die Chancen beim Vorstellungsgespräch erhöhen soll. Dies legt zumindest eine Studie des College of Optometrists aus dem Jahr 2011 nahe. Dabei gab ein Drittel der Befragten an, Menschen mit Brille als „professioneller“ zu empfinden. Rund 43 Prozent der Befragten gingen einen Schritt weiter und sahen einen positiven Zusammenhang zwischen Brille und Intelligenz. In Einzelfällen kann die Sehhilfe im Kontext des gesamten Erscheinungsbilds womöglich das Zünglein an der Waage sein. Über eine mangelnde fachliche Eignung hinwegtäuschen vermag sie allerdings nicht.

Nicht minder überraschend ist die Erkenntnis, dass die klassische Lesebrille trotz großer Sprünge bei modernen Kontaktlinsen noch immer ein Platschhirsch ist. Hätten Sie gewusst, dass lediglich 5,2 Prozent der Deutschen Kontaktlinsen tragen? Viele Menschen greifen gezielt zur Brille, da sie ihren Stil damit deutlich akzentuieren und abrunden können. In den neuen Bundesländern ist die Brille übrigens beliebter als im Rest des Landes: Hier liegt der Anteil der Kontaktlinsenträger bei nur 2,8 Prozent. Sie gehören noch nicht zum Kreis der Brillenträger? Geht es nach den Erkenntnissen des Instituts Allensbach, werden Sie nach dem Überschreiten des 60. Lebensjahrs mit 92-prozentiger Wahrscheinlichkeit eine Sehhilfe benötigen.

Anderes Thema: Lehrer wurden früher oft als spießig und langweilig verschrien. Das vergleichsweise hohe Durchschnittsalter des Berufs ging in vielen Fällen mit einer Brille einher, die zumeist eher einfältig gewählt war. Heute sieht die Lehrerlandschaft vielfach anders aus – und der Stereotyp „Frau mit strenger Brille“ ist zu einem Sexsymbol avanciert. Kurios: In japanischen Manga-Comics gibt es sogar ein eigenes Wort für „Gutaussehendes Mädchen mit Brille“.