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Weitsichtigkeit (Hyperopie)

Bei einer Weitsichtigkeit (Hyperopie) sind die Augen der Betroffenen nicht in der Lage, die für scharfes Sehen in der Nähe erforderliche Brechung der Lichtstrahlen zu erreichen. Weitsichtige können Gegenstände in der Ferne gut erkennen, beim Sehen in der Nähe haben sie hingegen Schwierigkeiten. Wahrgenommene Bilder werden hinter der Netzhaut gebündelt und unscharf abgebildet. Die Brechkraft des Auges ist also zu gering. Typischerweise versuchen Betroffene Bücher oder Zeitschriften möglichst weit entfernt zu platzieren, um die Buchstaben klar erkennen zu können.

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Ursachen

Eine Weitsichtigkeit ist angeboren, tritt oft schon im Verlaufe des Wachstums auf, erreicht Ihren Höhepunkt um das 8. Lebensjahr und verbessert sich im Anschluss daran, durch das Wachstum des Augapfels, bis zum Erreichen des Erwachsenenalters auf Normalniveau. Vor allem zwei Auslöser kommen infrage, wenn Sie Schwierigkeiten mit dem scharfen Sehen im Nahbereich haben: Entweder kommt es zu Brechungsfehlern im vorderen Bereich des Auges (Brechungshyperopie), oder der Augapfel ist nicht lang genug (Achsen-hypermetropie). Das Problem des falsch gelagerten Brennpunkts besteht sowohl beim Blick in die Ferne als auch beim Betrachten von Gegenständen in der Nähe. Die Ursachen sind verschieden, das Ergebnis ist gleich: Der Brennpunkt, also der Punkt, an dem die Lichtstrahlen gebündelt werden, liegt hinter der Netzhaut. Für ein scharfes Bild müsste er sich aber genau auf der Netzhaut befinden.

Formen

Brechungshyperopie: Seltene Form der Weitsichtigkeit, die durch eine zu schwache Brechkraft der Hornhaut und Linse bedingt ist.

Achsenhypermetropie: Bei der am häufigsten Form der Weitsichtigkeit ist der Augapfel zu kurz. Die Brechkraft der Hornhaut und Linse ist normal.

Diagnose

Damit die Brille oder die Linsen scharfes Sehen ermöglichen, sind eine exakte Messung der Sehschärfe und eine gute Anpassung der Sehhilfe durch den Optiker erforderlich. Andernfalls drohen Kopfschmerzen und andere Beschwerden. Der Korrekturbedarf der Augen wird beim Augenarzt oder Optiker durch verschiedene Sehtests ermittelt. Überprüft werden sowohl die Fähigkeit zum Sehen in der Ferne wie auch die Sehleistung im Nahbereich. Der Augenarzt und der Optiker können bei der Messung aus zwei Verfahren wählen. Die objektive Refraktionsbestimmung arbeitet weitgehend automatisch, während bei der subjektiven Bestimmung der Seheindruck des Patienten entscheidend ist. Die Ergebnisse dienen schließlich dazu, die passende Brille beim Optiker anzufertigen oder alternativ geeignete Kontaktlinsen zu finden.

Behandlung

Eine Weitsichtigkeit ist nicht therapierbar bzw. heilbar. Weitsichtige Patienten bleiben ein Leben lang weitsichtig. Dank der Fähigkeit des Auges zur Akkommodation, also zur Veränderung seiner Form mit Hilfe des Ziliarmuskels, lässt sich die Brechkraft anpassen bzw. vom Auge selbst korregieren. Die Wölbung der Linse wird durch den Ziliarmuskel verändert, so dass das Bild doch noch scharf wird. Lichtstrahlen von weit entfernten Gegenständen treffen fast horizontal auf das Auge. Entsprechen leichtes Spiel hat der Ziliarmuskel. Umgekehrt muss er Höchstleistungen vollbringen, wen sich die betrachteten Objekte in großer Nähe befinden. Die Fähigkeit zu akkommodieren genügt hier ab einem bestimmten Bereich nicht mehr. Hier schaffen der Augenarzt und der Optiker Abhilfe mit einer Brille oder Kontaktlinsen die über eine sog. „Sammellinse“ verfügen. Alternativ kann man sich auch einer Laser-OP unterziehen. Gerade bei Kindern sollte frühzeitig ein Ausgleich mit Hilfe einer Brille geschaffen werden, da das Auge sonst zu einer Stressreaktion neigt und Schielen verursacht werden kann.

Laser-OP für eine dauerhafte Korrektur der Weitsichtigkeit

Brillengläser oder Kontaktlinsen setzen ihrem Wesen nach nur an den Symptomen ein. Sie führen nicht zu einer dauerhaften Verbesserung der Sehkraft, sondern gleichen nur die vorhandenen Defizite aus. Wer die Ursachen für seine Weitsichtigkeit beseitigen lassen will, muss daher andere Wege gehen. Grundsätzlich besteht die Möglichkeit, die Fehlsichtigkeit des Auges operativ korrigieren zu lassen.  Bei einer Weitsichtigkeit bis + 3 Dpt. kommt ein Laser-Eingriff mit dem LASIK– bzw. Femtolasik-Verfahren in Frage. Bei Werten ab + 3 Dpt. schafft womöglich eine implantierbare Kontaktlinse Abhilfe. Die Multifokallinse dagegen kommt grundsätzlich für alle Stärken in Frage. Ob auch Sie mit Werten unter + 3 Dpt. für einen Laser-Eingriff bei Weitsichtigkeit in Frage kommen, muss der Facharzt im Rahmen einer Eingangsuntersuchung entscheiden. Neben der konkreten Ausprägung der Fehlsichtigkeit sind Faktoren wie Tränenflüssigkeitsbenetzung und Hornhautbeschaffenheit entscheidend. Weitsichtige, die sich für eine Laser-OP interessieren, müssen außerdem die möglichen Risiken kennen, die grundsätzlich mit jedem operativen Eingriff am Auge verbunden sind. Sie sollten gezielt das Gespräch mit ihrem Augenarzt und ihrem Optiker suchen, um dann eine wohlüberlegte Entscheidung treffen zu können.

Bildquelle:
Alila Medical Media / Fotolia