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Sehstärke (Visus)

Die Sehstärke bezeichnet die Fähigkeit des Auges scharf zu sehen. Der lateinische Fachbegriff für Sehstärke lautet „Visus“. Zur Bestimmung der Sehstärke wird ein Sehtest beim Optiker oder Augenarzt durchgeführt. Gutes und scharfes Sehen ist keineswegs selbstverständlich. Nur eine Minderheit der Deutschen kommt ohne Sehhilfe aus. Die große Mehrheit zählt zum Kundenkreis der Optiker und braucht regelmäßig neue Brillen oder Kontaktlinsen. Die am weitesten verbreitete Fehlsichtigkeit ist die Kurzsichtigkeit, bei der scharfes Sehen im Fernbereich Schwierigkeiten bereitet. Der zweithäufigste Sehfehler ist die Weitsichtigkeit, die mit Problemen bei der Nahsicht verbunden ist. Ebenfalls weit verbreitet ist die Hornhautverkrümmung. Bei den Betroffenen führt eine ellipsenförmig statt rund gestaltete Hornhaut zu verzerrten Abbildungen auf der Netzhaut. Diese Fehlsichtigkeit wird mit torischen Brillengläsern bzw. torischen Kontaktlinsen ausgeglichen.

Selbst sehr komplexe Sehfehler kann Ihr Optiker mit entsprechend angepassten Brillen oder Kontaktlinsen korrigieren. Grundlage für seine Arbeit ist immer eine möglichst exakte Ermittlung der erforderlichen Korrektionswerte. Der Optiker muss also Ihre genaue Sehstärke und somit die Abweichung vom Ideal kennen. Die sogenannten Sphärenwerte werden in Dioptrien gemessen und können entweder positive oder negative Vorzeichen aufweisen. Ein Pluszeichen vor dem Wert steht für eine Weitsichtigkeit, während Kurzsichtigkeit mit einem Minuszeichen vor der Dioptrienzahl angegeben wird.

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Ermittlung der Korrektionswerte

Das Verfahren zur Bestimmung der Korrektionswerte wird als Refraktion bezeichnet. Die Messung der Sehstärke können Sie entweder beim Augenarzt oder beim Optiker vornehmen lassen. Beim traditionellen Verfahren, das auch als subjektive Messung bezeichnet wird, müssen Sie Buchstaben und Zahlen entziffern. Können Sie alle Zeichen erkennen, funktioniert Ihr Auge optimal. In diesem Fall brauchen Sie keine Sehhilfe. Falls Sie in einzelnen Bereichen Schwierigkeiten haben, reicht Ihre Sehstärke nicht aus. In den meisten Fällen ist eine fehlerhafte Brechung Ihrer Linsen die Ursache. Der Optiker kann dann, nachdem die Korrektionswerte feststehen, entsprechende Brillengläser schleifen oder Kontaktlinsen anpassen. Im Falle der Weitsichtigkeit handelt es sich um stärker brechende Gläser, die den Brennpunkt der einfallenden Lichtstrahlen nach vorne verlagern. Bei Kurzsichtigkeit kommen streuende Gläser zum Einsatz, die eine Verschiebung des Brennpunktes nach hinten bewirken. In beiden Fällen besteht das Ziel darin, den Brennpunkt auf die Netzhaut zu verlagern. Dies ist Voraussetzung für scharfes Sehen.

Wenn es auf die Sehschärfe ankommt

Eine möglichst gute Sehleistung ist ganz unabhängig vom Beruf und vom Alter für jeden Menschen von Bedeutung. Schließlich ist das Auge als das wichtigste Sinnesorgan für eine gute Orientierung unverzichtbar. Es gibt allerdings auch bestimmte Situationen, in denen eine ausreichende Sehstärke aus rechtlichen Gründen nachgewiesen werden muss. Manche Berufe darf man nur dann ergreifen oder dauerhaft ausüben, wenn die Augen ausreichend leistungsfähig sind. Piloten oder Polizisten müssen ihre Sehkraft, die in diesem Zusammenhang als Visus bezeichnet wird, im Rahmen von offiziellen Tests nachweisen. Auch Lkw-Fahrer und weitere Berufsgruppen sind verpflichtet, ihre Sehstärke regelmäßig überprüfen zu lassen. Nur wenn sie gewisse Mindestanforderungen erfüllen, dürfen die Betroffenen ihrem Beruf weiterhin nachgehen. Je nachdem, wie die Anforderungen und Vorschriften formuliert sind, kann die Messung der Sehstärke beim Optiker oder beim Augenarzt erfolgen. Wer bei einer offiziellen Stelle einen Nachweis über die Leistungsfähigkeit seiner Augen erbringen muss, sollte die Details im Vorfeld abklären. Mitunter werden ausschließlich Messungen bei einem zugelassenen Augenarzt akzeptiert.