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Sehschärfe (Visus)

Der Begriff Sehschärfe bzw. Visus beschreibt das vorhandene Potenzial eines eigenständigen Lebewesens, die Umgebung und die Umwelt mit den Augen wahrzunehmen und sich entsprechend anzupassen. Sie ist in der modernen Medizin eine messbare Größe und wird für Diagnosen hinzugezogen. Man teilt sie in Differenzierungen ein. Bei „Minimum visibile“ befindet sich die Grenze des Sichtbaren. Hier grenzt sich ein anvisierter Gegenstand nicht mehr von dem umgebenden Medium ab. Es gibt somit keinen subjektiven Unterschied mehr zwischen Umwelt und anvisiertem Objekt.
Bei „Minimum discriminibile“ liegt die Erkennbarkeitsschwelle für geringste Unterschiede zwischen Umgebung und anvisiertem Objekt. „Minimum separabile“ inkludiert schon die Trennung eng benachbarter Konturen von eng angrenzenden Objekten. Die Trennung kann optisch gerade noch so wahrgenommen werden, da sie geringfügig unterschiedliche Leuchtdichten aufweist. Bei „Minimum legibile“ handelt es sich um die tatsächliche Lesesehschärfe. Hier kommt neben dem eigentlichen Sehvorgang noch der Faktor Gedächtnis hinzu. Es werden dabei gespeicherte Wortbestandteile in einem logischen Kontext gebracht.

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Die Beeinflussung der Sehstärke

In der sogenannten Fovea centralis existiert ein gleichmäßiges Verhältnis von Zapfen zu Ganglienzellen. Es resultiert daraus eine gute Sehschärfe. Außerhalb dieses Bereichs der Retina treffen wiederum viele Stäbchen auf eine Ganglienzelle, was zu einer verschlechterten Sehschärfe führt. In der Fovea centralis ist außerdem die Zapfendichte am größten. In der Papilla nervi optici wiederum befinden sich keine Fotorezeptoren, somit liegt dort keine Sehstärke vor. Die Qualität des dioptrischen Apparates ist ebenfalls sehr wichtig. Strahlen, die auf den Rand der Cornea treffen, werden stärker gebrochen und führen zu unscharfen Bildern.
Das Auge ist ein sogenanntes inhomogenes Medium, bei dem das Licht gestreut wird. Dies kann zu unscharfen Abbildungen führen. Die Abbildungsqualität des Bildes wird bspw. durch Glaskörper, Kammerwasser, Linse und Hornhaut beeinflusst. Die Hornhautoberfläche weist außerdem in vertikaler Richtung eine stärkere Krümmung als in horizontaler Richtungen auf. Übersteigen diese Unterschiede eine gewisse Schwelle, kann es aufgrund einer zu starken Hornhautkrümmung zu unscharfen Bildern kommen. Kurzsichtigkeit führt zu einem verminderten Visus, wohingegen Altersweitsichtigkeit und Weitsichtigkeit keinerlei Einfluss auf den Visus haben.

Das Ermitteln der Sehstärke

Hierzulande wird der Visus mit projizierten Sehzeichen bestimmt. Diese weisen eine vordefinierte Helligkeit, Größe, Form und Kontrast auf. Damit Ergebnisse stets reproduzierbar sind, existieren DIN-Vorschriften. Das Norm-Sehzeichen ist der sogenannte Landoltring – ein Ring definierter Breite mit einer Lücke von derselben Breite. Sie kann in verschiedene Richtungen angeordnet werden. Durch das Erkennen der Richtung jener Lücke zeigt der Patient, dass die Auflösung mindestens der Breite der Lücke entspricht. Auf Sehzeichenprojektoren werden Zeichen verwiegend bis zur Visusstufe 0,05 geboten.
Für geringere Visuswerte werden Sehprobentafeln verwendet. Bei der Bestimmung des Visus mit Schrifttafeln liest der Patient Zahlen- oder Buchstabenreihen vor. Jede Zahlenreihe ist mit einer bestimmten Entfernung der Schrifttafeln assoziiert, für die der Visus 1 beträgt. Liest also ein Patient eine Schriftreihe vor, für die der Visus bei einer Entfernung von 6m 1 beträgt, lediglich in einer Entfernung von 3m richtig ab, beträgt sein Visus 0,5. Der Visus stellt somit den Quotienten aus Sollentfernung und Istentfernung dar.