Sie sind hier :/Sehnerventzündung

Sehnerventzündung

Bei einer Sehnerventzündung (Optikusneuritis, Neuritis nervi optici) handelt es sich um eine entzündliche Erkrankung des Sehnervs, die als eigenständiges Krankheitsbild oder als Begleitsymptom unterschiedlicher Erkrankungen auftreten kann. Häufig tritt eine Sehnerventzündung gemeinsam mit dem Krankheitsbild der Multiplen Sklerose auf und betrifft Menschen zwischen dem 18. und 45. Lebensjahr. Erste Symptome sind meist Sehprobleme auf einem Auge und Schmerzen bei den Augenbewegungen. Wird die Erkrankung rechtzeitig mit Medikamenten therapiert, lässt sie sich häufig gut behandeln.

Sehnerventzündung: Beschreibung und Formen

Bei einer Optikneuritis kommt es zu einer Entzündung des Sehnervs, der uns das Sehen möglich macht. Dieser verlässt an der Sehnervenpapille die Netzhaut des Auges (Retina) und leitet Signale, die durch den Einfall von Lichtstrahlen auf die Retina erzeugt werden, in Richtung des Gehirnes weiter. Bei der Erkrankung unterscheidet man zwei Formen:

  • atypische Sehnerventzündung (Papillitis – Entzündung an der Papille)
  • typische Sehnerventzündung (Retrobulbärneuritis – Entzündung des Sehnervs hinter dem Auge)

Ursachen

Die Ursachen können vielfältig sein. Die typische Sehnerventzündung tritt vor allem im Rahmen der Autoimmunkrankheit Multiplen Sklerose auf. Dabei wendet sich das Immunsystem des Körpers gegen körpereigene Strukturen und greift in diesem Fall die Myelinscheiden des Sehnervs an. Dies führt zu einer Beeinträchtigung der Übermittlung und Weiterleitung von Nervensignalen durch den Nerv. Eine Sehnerventzündung kann aber auch durch Infektionen wie zum Beispiel Borreliose, Meningitis oder Syphilis verursacht werden. Auch in diesen Fällen kommt es zu einem Angriff auf die Myelinscheiden des Sehnervs. Weitere Ursachen können erblich bedingte Disposition oder Vergiftungen (Alkohol, Metalle) sein.

Sehnerventzündung
© Alila Medical Media / Fotolia

Welche Symptome zeigt eine Sehnerventzündung?

Als typische Symptome der Erkrankung gelten Sehprobleme auf einem Auge und Schmerzen bei den Augenbewegungen. Betroffene klagen über eine zunehmende Minderung des Sehvermögens, dass sich innerhalb weniger Stunden oder Tage drastisch verschlechtern kann. Es kommt zu einem Verlust der Sehschärfe und Ausfällen in Bereichen des Gesichtsfeldes. Bei Patienten entsteht der Eindruck sie würden durch einen grauen Schleier oder ein Milchglas sehen. Des Weiteren nehmen etwa 1/3 der Patienten Lichtblitze als Symptom wahr.

Sehnerventzündung: Therapie

Die Therapie einer Sehnerventzündung ist immer von der Ursache abhängig. In der Regel erfolgt zuerst eine ausführliche Feststellung der Krankheitsgeschichte (Anamnese). Im Anschluss daran wird eine weitreichende Diagnostik der Bereiche Augenhintergrund, Sehschärfe, Pupillenreaktion, Bestimmung des Gesichtsfeldes und Augenbeweglichkeit durchgeführt. Außerdem wird die Farbwahrnehmung und die Sehnervleitung getestet. Hat der Facharzt die Form der Erkrankung (typisch/atypisch) ermittelt, richtet sich die weitere Therapie nach der Ursache der Erkrankung.

Wird eine Sehnerventzündung durch eine Multiple Sklerose oder andere Autoimmunkrankheiten ausgelöst, so werden Medikamente eingesetzt, die das körpereigene Immunsystem unterdrücken (Immunsuppressiva). Zu dieser Medikamentengruppe gehören vor allem Glukokortikoide (Steroide) wie Kortison oder Methylprednisolon. Liegt der Sehnerventzündung eine bakterielle Entzündung zu Grunde, erfolgt oft eine antibiotische Therapie. In einigen Fällen kommt es auch zur Gabe von Steroiden, die eine zu große Immunantwort stoppen sollen. Für alle Patienten mit einer Sehnerventzündung gilt immer die Einhaltung von Bettruhe und körperlicher Schonung.

Verlauf

Den Verlauf und die Prognose einer Sehnervenentzündung muss man je nach Form unterscheiden.

Handelt es sich um eine sog. Retrobulbärneuritis tritt eine Sehverschlechterung beim Patienten innerhalb von wenigen Stunden bis Tagen auf. Zwischen der ersten bis zweiten Woche nach Erkrankung ist ein Tiefpunkt erreicht. Danach ist auch eine eine spontane Heilung ohne ärztliche Intervention möglich. Sollte die Erkrankung länger als 5 Wochen vorhalten, ist mit keiner Besserung der Sehschärfe zu rechnen. Aktuelle Studien zeigen, dass etwa 70 % der Patienten einer typischen Sehnerventzündung ihre volle Sehkraft wiedererlangen.

Kommt es zu einer Papillitis (atypische Sehnerventzündung) sollte rechtzeitig eine Therapie eingeleitet werden. Nach einem schleichenden Beginn kann sich diese Form der Erkrankung über mehrere Wochen hinziehen. Sollte keine Therapie erfolgen, kommt es zu einem Schwund der Sehnervenpapille, in deren Folge das Sehvermögen für immer eingeschränkt bleiben kann.

Prognose

Grundsätzlich lässt sich sagen, dass die die Chancen auf eine vollständige Heilung der Sehnervenentzündung sehr gut sind, wenn der Erkrankung keine Autoimmunerkrankung zu Grunde liegt. Oft stellt sich in diesem Falle nach einigen Tagen eine Besserung der Symptomatik ein und nach wenigen Wochen ist die Sehleistung wieder normalisiert.

Print Friendly, PDF & Email
Von |2019-01-17T10:16:22+02:0011. Mai 2018|
Schriftgröße ändern
Kontrast