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Retinale Gefäßanalyse

An den Venen sowie Arterien am Hintergrund des Auges sind Gefäßveränderungen bereits frühzeitig und nicht-invasiv zu erkennen. Man kann diesen Bereich am Augenhintergrund als Spiegel des körperlichen Zustands bezeichnen. Der Augenarzt nutzt hierfür eine retinale Gefäßanalyse – das Untersuchungsverfahren der Netzhaut-Gefäße. Eine besondere Funduskamera wird genutzt, die mittels Bildsequenzen oder Einzelbildern Gefäßdurchmesser an venösen und arteriellen Gefäßabschnitten bestimmt. Die dadurch ermittelten Kenngrößen offenbaren bei der sogenannten statischen Gefäßanalyse den aktuellen Zustand. Bei der dynamischen Gefäßanalyse wird die Funktion der retinalen Mikrogefäße selbst erkennbar. Somit kann der Augenarzt Gefäßschäden im Frühstadium erkennen.

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Statische Gefäßanalyse

Die Blutgefäße sind mit einer Augenspiegelung am Augenhintergrund sichtbar. Verwendet man in diesem Bereich Flickerlicht, so kann die Reaktionen der Gefäße anhand von Dilatation sowie Konstriktion sehr gut beobachtet werden. Bei der statischen Gefäßanalyse nutzt man ein einzelnes Bild als Basis. Dieses sogenannte Fundusbild verhilft zu einer zuverlässigen Berechnung der Arterien- und Venendurchmesser. Nichtsdestotrotz kann die eigentliche Funktionsbeurteilung nur mit einer dynamischen Gefäßanalyse der retinalen Mikrogefäße bestimmt werden.
Für eine statische Gefäßanalyse muss im Normalfall eine Pupillenerweiterung vorgenommen werden. Dieses geschieht mit Augentropfen. Um einen Rückschluss auf den Gefäßstatus ziehen zu können, werden die erstellten Bilder danach mit einer computergestützten Bildanalysemethode ausgewertet. Hieraus ergibt sich der sogenannte arteriolär-venuläre Quotient, mit dem man Rückschlüsse auf den Gefäßstatus zieht.

Dynamische Gefäßanalyse

Bei der dynamischen Gefäßanalyse werden die Gefäßdurchmesser nicht nur in einem Einzelbild, sondern mittels Bilderserien bestimmt. Wichtig ist dabei das Erkennen von Veränderungen. Die dynamische Gefäßanalyse birgt ein einzigartiges Potenzial, wovon Mediziner auf der ganzen Welt Gebrauch machen. Eine Funktionsbeurteilung von Gefäßabschnitten ist mit Stimulierungsmethoden für die Netzhautmikrozirkulation und geometrischer Auflösung erstmals möglich.
Diese nicht-invasive funktionelle Untersuchungsmethode retinaler Gefäße ist für die heutige Medizin zweifellos unerlässlich. Die Kombination mit einem evaluierten Befundkomplex bzw. einer statischen Gefäßanalyse ist daher zu einer umfassenden, objektiven und quantitativen Beurteilung retinaler Gefäße unverzichtbar. Das Verfahren ist im Praxisalltag einfach umzusetzen.

Ziele einer Gefäßanalyse

Der Augenarzt verfolgt mit einer Gefäßanalyse das Ziel, den momentanen Zustand der Gefäße am Augenhintergrund zu beurteilen und daraus auch Rückschlüsse auf den Zustand anderer Gefäße im Körper zu ziehen. Die dynamische Gefäßanalyse ist hervorragend dazu geeignet, Gefäßschäden durch Stoffwechselerkrankungen oder Alterungsprozessen im Frühstadium zu erkennen. Hierbei nutzt der Augenarzt außerdem eine Kombination aus Blutdruckmessung und Beurteilung der vorhandenen Risikofaktoren. Die dynamische und statische retinale Gefäßanalyse offenbart klar reproduzierbare Erkenntnisse zum Gefäßstatus. Die Ergebnisse lassen sich darüber hinaus mit der Anwendung weiterer diagnostischer Verfahren weiter präzisieren. Hierzu zählen die Untersuchungen anderer Gefäßsysteme, um die Risiken eines kardiovaskulären Ereignisses zu beurteilen. Zu guter Letzt bietet sich die Sonographie der Halsschlagader als zusätzliche nicht-invasive Methode zur Beurteilung des Apoplexrisikos an, da er sehr oft im Zusammenhang mit dem Schlaganfallrisiko steht.