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Retinale Embolie

Eine retinale Embolie, auch Gefäßverschluss der Netzhaut genannt, kann je nach Ausprägung eine temporäre oder gar irreversible Einschränkung der Sehkraft bedeuten. Dabei kommt es zu einer Blockade der Zentralarterie der Netzhaut, was wiederum zu einem gefährlichen Sauerstoffmangel im Auge führen kann. Wie auch bei anderen Embolie-Formen ist ein eingeschwemmtes Blutgerinnsel der Auslöser eines solchen Leidens, das in jedem Fall dringend kontroll- und behandlungsbedürftig ist. In vielen Fällen resultiert das Gerinnsel aus einer Halsarterie oder ist die Folge von Herzrhythmusstörungen durch einen so genannten „Vorhofthrombus“. Patienten mit entsprechenden Leiden gehören zur Risikogruppe und sollten ihre Netzhaut genau und regelmäßig untersuchen lassen.

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Ausprägung hängt von Art und Lage der Gefäße ab

Bei einem Gefäßverschluss der Netzhaut wird der Versorgungsweg getreu der Bezeichnung ganz oder teilweise blockiert. Da in den meisten Fällen keine alternativen Versorgungswege bestehen, ist eine Einschränkung der Sehleistung häufig nicht abwendbar. Wie stark diese ausfällt, hängt einerseits von der betroffenen Gefäßart und andererseits von der Lage innerhalb des Sehapparats ab. So liegt es nahe, dass ein peripherer Gefäßast – z.B. ein seitliches Teilsegment – zu weniger Sehverlust führt als der Verschluss eines zentralen Gefäßes, da einen großen Anteil der Blutversorgung trägt. Einen besonderen Fall stellt die retinale Embolie dar, die auch als „retinaler Arterienverschluss“ bekannt ist.

Erste Anzeichen richtig deuten

Unabhängig von ihrer eigentlichen Ursache zeichnen sich Gefäßverschlüsse der Netzhaut häufig durch eine zunehmende, einseitige Verschlechterung der Sehkraft ab. Da diese vollends schmerzfrei vonstatten geht, ist die Selbstdiagnose nicht immer einfach. Nicht selten bemerkt man die schleichende Verschlechterung nicht sofort, da man sie beispielsweise mit Stress in Verbindung bringt. Charakteristisch ist eine (Teil-)Verdunkelung des Gesichtsfelds. Je nach Ausprägung können auch Teile oder gleich das gesamte Gesichtsfeld völlig schwarz erscheinen. So genannte arterielle Verschlüsse führen abrupt zu einem völligen Ausfall des Gesichtsfelds, wohingegen venöse Verschlüsse zunächst ein leichtes Schleiersehen an den Tag legen können. In beiden Fällen gilt wie so oft: Vorsicht ist besser als Nachsicht – sollten Sie die beschriebenen Symptome bemerken, ist der Gang zum Augenarzt dringend anzuraten.

Im Notfall zählt jede Sekunde

Kommt es zu einer retinalen Embolie, zählt wirklich jede Sekunde: Studien legen nahe, dass bereits nach etwa 60 bis 90 Minuten dauerhafte Beschädigungen der Netzhaut infolge der Unterversorgung auftreten können. Unbehandelt kommt es zu einem mangelnden oder komplett ausbleibenden Pupillenreflex sowie einem Sehkraftverlust, der bis hin zur kompletten Erblindung gehen kann. Zudem zeichnet sich eine retinale Embolie oftmals durch eine gräuliche Verfärbung der betroffenen Netzhautareale in der Augenhintergrundspiegelung aus. Sofern der Betroffene rechtzeitig in die Hände eines Spezialisten kommt, wird dieser durch die Gabe von Blutgerinnungshemmer zunächst eine möglichst schnelle Augeninnendrucksenkung anstreben. Im nächsten Schritt kann auch eine spezielle Massage des Augapfels zur Auflösung des Embolus stattfinden. Die Prognose ist allerdings nicht immer günstig.

Behandlungsansätze zielen zunächst auf Senkung des Augeninnendrucks

Das oberste Ziel medizinischer Gegenmaßnahmen besteht selbstverständlich darin die Versorgung des Auges möglichst vollständig wiederherzustellen. Eine sukzessive Senkung des Augeninnendrucks wird dabei unter anderem durch durchblutungsfördernde Infusionen erreicht. Je nach Ausprägung des Leidens kann im nächsten Schritt eine stationäre Therapie notwendig sein.

Spontane Besserung nur bei Teilverschluss

Eine spontane Besserung tritt wahrscheinlich nur dann auf, wenn lediglich ein Teil der betroffenen Arterie verschlossen war. Eine besondere Stellung nimmt der so genannte „Amaurosis fugax“ („flüchtige Erblindung“) ein, bei dem es zu einem kurzzeitigen retinalen Verschluss mit kompletter Rückbildung innerhalb weniger Minuten kommt. Das Phänomen kann im Kontext einer Karotisstenose auftreten und ist häufig Indikator einer zerebralen Durchblutungsstörung.

Risikopatienten sollten besonders Acht geben

Die Risikogruppe für eine retinale Embolie entspricht weitgehend anderen, ähnlich gelagerten Retina-Störungen. Neben der erwähnten Karotisstenose sollten sich insbesondere Diabetes mellitus- und Hypertonie-Patienten regelmäßig einer Vorsorgeuntersuchung unterziehen. Daneben werden starkes Übergewicht, ein erhöhter Tabakkonsum sowie überdurchschnittliche Cholesterin- und Fettwerte mit dem Leiden in Verbindung gebracht. Aber auch augenscheinlich gesunde Menschen, die mit den beschriebenen Krankheitsbildern bislang nicht in Berührung gekommen sind, dürfen die Netzhautprophylaxe durch Fundusfotografie bzw. eine Funduskontrolle spätestens ab dem 50. Lebensjahr nicht scheuen. Eine solche nimmt schließlich kaum Zeit in Anspruch und ist völlig schmerzfrei.
Für eine schnelle und unkomplizierte Eingangsuntersuchung bestehen heutzutage zahlreiche Optionen. Neben Ihrem vertrauten Augenarzt ihnen teils interdisziplinäre Netzwerke aus versierten Optikern, Augenärzten und Opotometristen eine preiswerte und unkomplizierte Netzhautprophylaxe anbieten. Neben der retinalen Embolie zielt diese auch auf zahlreiche andere Retina-Indikationen (u.a. hypertensive Retinopatie, Netzhautablösung, epiretinale Membran, Makula Loch).

Auch die Telemedizin ist im Bereich der Netzhautfotografie auf dem Vormarsch und bietet schnelle kostengünstige alternativen.
Die Fundusfotografie stellt einen überaus wichtigen Anhaltspunkt auf dem Weg zur finalen Diagnose dar. Dieser Anhaltspunkt kann gerade dann, wenn sich das Netzhautleiden schleichend entwickelt, in vielen Fällen einen (Teil-)Verlust der Sehkraft verhindern. Zögern Sie daher nicht und informieren Sie sich über Ansprechpartner in Ihrer Nähe.