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Qualitätsmanagement

Seit Anfang 2004 sind alle Vertragsärzte, darunter Augenärzte, laut dem GKV-Modernisierungsgesetz dazu verpflichtet, ein Qualitätsmanagementsystem (QMS) einzuführen. Im Januar 2006 folgte schließlich die Qualitätsmanagement-Richtlinie der vertragsärztlichen Versorgung des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA). Diese legte die Anforderungen an QM-Systeme in Praxen fest und verpflichtete alle Praxen, die an der vertragsärztlichen Versorgung teilnehmen, ein internes Qualitätsmanagement einzuführen und weiterzuentwickeln. Diese Regelungen haben sich erfreulicherweise bewährt, denn es überwiegen ganz klar die Vorteile. Der G-BA hat darüber hinaus die QM-Richtlinie an das neue Patientenrechtegesetz angepasst.
Seit dem 17. April 2014 müssen alle niedergelassenen Ärzte ein Risiko- und Fehlermanagement integrieren. Die Praxen müssen Risiken benennen, bewerten und entsprechende Maßnahmen überlegen, um diese Risiken zu vermeiden. Für Patienten bedeutet das Transparenz und Übersicht. Für eine Arztpraxis bedeutet es einen deutlichen Imagegewinn und die Bestätigung ihrer Standards. Darüber hinaus stellt das einen essentiellen Aspekt für Versorgungsaufträge dar, die nur an Praxen mit standardisierter Qualität gehen.

Aufbau und Funktion

Qualitätsmanagement bedeutet auch die konsequente Planung und Durchführung von Handlungsanleitungen und Vorgängen jeglicher Art in einer Arztpraxis. Darunter befinden sich die Definitionen von allen Zuständigkeiten, klare Vorgaben bzgl. der Organisation und die Verteilung von Zuständigkeiten. Geregelt werden auch Verantwortlichkeiten – ein Aspekt, der bei sich wiederholenden Aufgaben einen immensen Vorteil darstellt. Selbstverständlich ist die Dokumentation ein essentieller Teil, denn nur durch sie kann man Arbeitsabläufe optimieren und Fehler vermeiden. Das betrifft sowohl Hygiene als auch Sicherheit. Zu guter Letzt sollte auch die ständige Optimierung und Weiterentwicklung der Praxis stets im Blick bleiben.

Qualitätsmanagementsysteme im Vergleich

Es gibt verschiedene Qualitätsmanagementsysteme, die sich etabliert haben. Von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung und den Kassenärztlichen Vereinigungen wurde das System „Qualität und Entwicklung in Praxen (QEP)” entwickelt. Rund 25 % der Praxen, die mit Qualitätsmanagement begonnen haben, verwenden QEP. Hierfür gibt es Einführungskurse (z.B. viertägige QEP-Akademie der KV Rheinland Pfalz), die das System erklären. Dieses teilt man aufgeteilt: Patientenrechte, Patientensicherheit, Patientenversorgung, Mitarbeiter und Fortbildung, Qualitätsentwicklung sowie Praxisführung und Organisation. Hierbei gibt es eine Befähigungsphase sowie eine Umsetzungs- und Bewertungsphase. Des Weiteren gibt es das „Qualitätsmanagement nach DIN EN ISO 9001:2000“. Rund 32 % der Praxen entschieden sich bislang für dieses System, das im Vergleich relativ aufwändig erscheint, aber dafür Transparenz, umfassende Dokumentation sowie die Möglichkeit einer externen Zertifizierbarkeit anbietet. Diese Variante ist somit zwar teurer und anspruchsvoller, entspricht aber auch allerhöchsten internationalen Standards. Darüber hinaus existieren weitere Modelle wie u.a. Europäisches Praxisassessment, EFQM, KPQ, KTQ, QM der KV Nordrhein und mehr. Der Vorteil einer QEP- oder ISO-Zertifizierung ist aber die Sicherheit, dass man eine anerkannte Zertifizierung besitzt, wohingegen das Risiko bei etwas exotischeren Systemen stets darin besteht, dass man eventuell später umstellen muss. In der Regel ist es für Mediziner alles andere als einfach, einen Überblick über das Thema zu haben. Daher greifen Ärzte bei der Wahl ihres Qualitätsmanagementsysteme auf kompetente Beratung zurück.