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Nachtsehen (skotopisches Sehen)

Das Sehen bei verschiedenen Lichtverhältnissen lässt sich in zwei Varianten unterteilen. Das skotopische Sehen, besser bekannt als Stäbchen– oder Nachtsehen, beschreibt das Sehen bei geringer Helligkeit und dem sogenannten Übergangsbereich. Dieser Übergangsbereich nennt man auch Dämmerungssehen bzw. den mesopischen Bereich. Das photopische Sehen ist auch als Zapfen- oder Tagsehen bekannt. Es beschreibt das menschliche Sehen bei ausreichenden Lichtverhältnissen bzw. akzeptabler Helligkeit. Bei unzureichenden Lichtverhältnissen können beim Nachtsehen letztendlich keine Farben wahrgenommen werden.

Fotorezeptoren im Auge

Im menschlichen Auge sind sogenannte Fotorezeptoren für das Sehen verantwortlich. Beim Tagsehen bzw. photopischen Sehen sind das die etwas unempfindlicheren Zapfen der Netzhaut. Für das skotopische Sehen sind dagegen die wesentlich lichtempfindlicheren Stäbchen zuständig. Im Übergangs- oder mesopischen Bereich werden sowohl Zapfen als auch Stäbchen zur Bildwahrnehmung genutzt. Diese Fähigkeit zur Adaption kennt man auch als Bezold-Brücke-Phänomen. Wie erwähnt, sind die Stäbchen für Farbreize im kurzwelligen Bereich wesentlich empfindlicher als die Zapfen. Dadurch vermitteln sie im Vergleich zu den Zapfen einen durchaus anderen Eindruck verschiedener Farben oder der Helligkeit. Es kommt so zu einer geänderten Farbwahrnehmung, die sich in der Dämmerung vor allem bemerkbar macht. Hier setzt die Dunkeladaption ein.

Farbspektrum und Sehschärfe

Das photopische Sehen hat hinsichtlich der Darstellung einen großen Vorteil, denn hier ist die Sehschärfe am größten. Das ist vor allem in der Mitte der Netzhaut am deutlichsten. Beim skotopischen Sehen ist die Schärfe deutlich geringer. Hier werden Details mit geringem Kontrast schlichtweg gar nicht oder deutlich schlechter wahrgenommen. Das Auge interpoliert in solchen Fällen die Helligkeit über benachbarte Stäbchen. Da im Bereich der Mitte der Netzhaut keine Stäbchen vorhanden sind, muss das betrachtete Objekt beim Nachtsehen außerhalb der Fovea centralis sein. Dies bedeutet, dass das Auge in dem Fall die beste Empfindlichkeit außerhalb des zentralen Sehfeldes genießt. Die Reaktionszeit der Stäbchen ist darüber hinaus höher als die der Zapfen. Das Resultat ist eine längere Anpassung bei dunklen Lichtverhältnissen – der sogenannte Pulfrich-Effekt. Im Übergangs- oder Dämmerungsbereich erscheinen Blautöne wesentlich leuchtender. Das spielt bspw. bei der Beleuchtung für Filmaufnahmen eine stimmungstechnisch wichtige Rolle, denn hier wird oft die Nachtstimmung durch einen höheren Anteil blauer Farbschattierungen künstlich verstärkt.

Störungen der Stäbchen

Eine Funktionsstörung der Stäbchen kann in einer Nachtblindheit resultieren. Wir erinnern uns: die Stäbchen unterscheiden zwischen Hell und Dunkel und ermöglichen darüber hinaus das Sehen in der Dämmerung und in der Nacht. Die anderen Sinneszellen, nämlich die Zapfen, ermöglichen hingegen das Farbensehen und funktionieren auch nur ab einer bestimmten Helligkeit. Daher sind sie bei schwachen Lichtverhältnissen sowieso benachteiligt, da keine Farben mehr unterscheidbar sind. Liegt eine Funktionsstörung der Stäbchen vor, leidet der Betroffene an der Nachtblindheit, da bereits ab Dämmerung oder in der Dunkelheit nur noch schwaches oder kein Sehen mehr möglich ist. Ein gesundes Auge passt sich außerdem an momentane Lichtverhältnisse. Hierbei reguliert sie die Lichtempfindlichkeit und kann sie bei sehr schwachem Licht um ein Vielfaches verstärken. Bei der Nachtblindheit ist diese Adaptionsfähigkeit deutlich eingeschränkt.