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Monokularsehen

Ihre beiden Augen funktionieren unabhängig voneinander. Wenn Sie ein Auge schließen, liefert das andere weiterhin Bilder ans Gehirn. Das linke und das rechte Auge erzeugen jeweils eigene Abbildungen auf der Netzhaut, die von dort über die Sehnerven zum Gehirn gelangen. Dort werden beide Bilder dann zu einem verschmolzen. Solange nur ein Auge am Prozess des Sehens beteiligt ist, spricht Ihr Optiker vom Monokularsehen. Sind beide Augen im Einsatz, nennt man dies Binokularsehen.

Räumliches Sehen nur mit beiden Augen

Erst die Kombination aus den Signalen des linken und des rechten Auges ermöglicht räumliches Sehen. Das Geheimnis liegt in den leicht abweichenden Blickwinkeln beider Augen. Ihr Optiker kann Ihnen die Hintergründe theoretisch erklären, und Sie selbst können ganz einfach den praktischen Unterschied zwischen dem monokularen und dem binokularen Sehen erleben: Stellen Sie mehrere Gegenstände hintereinander auf einen Tisch und greifen Sie danach. Sind dabei beide Augen geöffnet, haben Sie keinerlei Schwierigkeiten. Sobald Sie jedoch ein Auge schließen, können Sie die Abstände nicht mehr richtig einschätzen. Ihnen fehlt der räumliche Eindruck. Sie erkennen so ganz plastisch den Unterschied zwischen Monokularsehen und dem dreidimensionalen Binokularsehen.

Wenn ein Auge keine Signale liefert

Wenn Sie ein Auge vorübergehend schließen, dann simulieren Sie das Monokularsehen für kurze Zeit. Es kann allerdings auch vorkommen, dass ein Auge aus medizinischen Gründen dauerhaft ausfällt. Wenn durch eine Erkrankung oder einen Unfall die Sehkraft eines Auges stark nachlässt oder ganz erlischt, dann muss das Gehirn lernen, dauerhaft mit den Signalen nur eines Auges auszukommen. An die Stelle der fehlenden Informationen des zweiten Auges treten dann zunehmend Erfahrungswerte. Ihr Gehirn lernt und ruft die gespeicherten Seherfahrungen bei Bedarf ab. Das Gehirn versucht also, die fehlenden Informationen zu kompensieren und trotz der Beschränkung auf das Monokularsehen ein räumliches Bild zu erzeugen. Übrigens geraten die Fähigkeiten des Menschen zum tatsächlich räumlichen Sehen auch mit zwei gesunden Augen an ihre Grenzen, wenn es um weit entfernte Objekte geht. Ab einer gewissen Distanz reichen die Unterschiede zwischen den Signalen des linken und des rechten Auges nicht mehr aus, um daraus ein „echtes“ dreidimensionales Bild zu erzeugen. In diesem Fall verfährt das Gehirn wie beim Sehen mit nur einem Auge: Es versucht, die fehlende räumliche Dimension zu simulieren. Dazu werden wiederum die gesammelten Erfahrungen herangezogen. Zusätzlich verarbeitet das Gehirn aber auch Informationen über Größenunterschiede bestimmter Objekte, über Licht und Schatten sowie über die Intensität der Farben.

Monokularsehen beim Optiker

Beim Optiker und beim Augenarzt ist von Monokularsehen auch noch in einem anderen Zusammenhang die Rede. Wenn Sie Ihre Sehschärfe messen lassen, dann werden Ihre Augen einzeln untersucht. Die Augenglasbestimmung nimmt der Optiker für das linke und rechte Auge getrennt vor, um die Brillengläser bzw. Kontaktlinsen jeweils optimal anpassen zu können. Der Optiker konzentriert sich bei der Ermittlung des Sphärenwertes sowie ggf. des Zylinders und des Achswertes zunächst auf ein Auge. Beim ersten Teil der Augenglasbestimmung steht also das Monokularsehen im Fokus. Erst im zweiten Teil geht es dann ums Binokularsehen und somit um die Fähigkeit des Gehirns, aus den Signalen beider Augen ein scharfes Bild zusammenzusetzen.