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Kontaktlinsen über Nacht

Wenn Sie Ihren Optiker nach Hinweisen zum richtigen Umgang mit Kontaktlinsen fragen, dann lautet eine der wichtigsten Regeln: Tragen Sie Ihre Linsen nicht über Nacht. Grundsätzlich hat dieser Rat seine Berechtigung – allerdings nur, sofern Sie sich für herkömmliche Linsen entschieden haben. Es gibt nämlich auch Ausnahmen. Den ersten Sonderfall stellen besonders sauerstoffdurchlässige Linsen da, die bis zu vier Wochen lang pausenlos im Auge bleiben können. Die zweite Ausnahme sind sogenannte Ortho-K-Linsen, die über Nacht die Hornhaut verformen. Beide Varianten haben bislang allerdings nur eine relativ geringe Verbreitung. Tragen Sie also normale Linsen, egal ob weiche oder formstabile, so müssen Sie die Sehhilfen vor dem Schlafengehen entfernen. Ihr Optiker kann Ihnen den Grund dafür erklären: Bei geschlossenen Lidern behindert die Linse die Versorgung der Hornhaut mit Sauerstoff. Für die Gesundheit des Auges sind ausreichend Sauerstoff und Feuchtigkeit aber unverzichtbar.

Besondere Linsen 30 Tage und Nächte am Stück tragen

Das Problem der mangelhaften Sauerstoffzufuhr lösen die Hersteller von Dauerlinsen durch den Einsatz neuartiger Materialien. Es handelt sich in der Regel um Silikon-Hydrogel in hoher Qualität. Diese Linsen stellen, sofern sie vom Optiker korrekt angepasst wurden, eine sehr gute Sauerstoffzirkulation sicher – und zwar sowohl tagsüber bei geöffneten Augen als auch nachts bei geschlossenen Augen. Die speziellen Linsen müssen deshalb im Gegensatz zu herkömmlichen Kontaktlinsen abends nicht entnommen werden, sondern können rund um die Uhr im Auge bleiben. Das bringt besondere Herausforderungen hinsichtlich der Hygiene mit sich. Normale Linsen sollten jeden Abend gereinigt und regelmäßig von Ablagerungen befreit werden. Speziell auf die jeweiligen Linsen abgestimmte Pflegeprodukte sind beim Optiker erhältlich. Kommen Dauerlinsen 30 Tage und Nächte lang zum Einsatz, ist eine Zwischenreinigung nicht möglich. Die Hersteller haben daher spezielle Beschichtungen entwickelt, die das Anheften von Bakterien und Schmutz weitgehend verhindern. Der Vorteil der Dauerlinsen liegt auf der Hand: Mit ihnen können Sie 24 Stunden am Tag scharf sehen. Auch wenn Sie sehr lange arbeiten müssen oder bis tief in die Nacht auf einer Feier bleiben wollen, lässt Ihre Sehhilfe Sie nicht im Stich.

Der Sehfehler verschwindet über Nacht

Seit einigen Jahren bieten einige Optiker spezielle Kontaktlinsen an, die nur über Nacht getragen werden und ihre Aufgabe erfüllen, während Sie schlafen. Die Bestimmung der formstabilen besteht darin, die Hornhaut zu verformen. Sie korrigieren also die Struktur der Hornhaut und damit die Brechung des einfallenden Lichts. Das Verfahren darf nur bei absolut gesunden Augen und nach einer gründlichen Voruntersuchung zum Einsatz kommen. Für einen guten Erfolg ist außerdem eine sehr exakte Vermessung des Auges und der Hornhautdicke erforderlich. Nach einigen Tagen der Eingewöhnung ermöglichen die Orthokeratologische Kontaktlinsen scharfes Sehen für 10 bis 16 Stunden. Dann lässt die Wirkung nach, und die Linsen müssen erneut über Nacht getragen werden. Wenn die strengen Hygieneregeln eingehalten werden, funktionieren die formenden Linsen recht gut. Welche Langzeitfolgen sich bei dauerhafter Nutzung ergeben, wurde allerdings bislang nicht untersucht.

Regelmäßig zur Kontrolle gehen

Egal, welche Kontaktlinsen Sie über Nacht im Auge belassen möchten: An einer regelmäßigen Kontrolle beim Augenarzt oder Optiker führt kein Weg vorbei. Und auch wenn Sie lediglich tagsüber herkömmliche Linsen tragen, sollten Sie Ihre Augen zumindest einmal im Jahr untersuchen lassen. Durch eine frühzeitige Erkennung beim Optiker oder bei Augenarzt lassen sich mögliche Erkrankungen deutlich besser behandeln.