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Hartschicht

Brille oder Kontaktlinse? Wenn Sie vor der Frage stehen, mit welcher Art von Sehhilfe Sie einen möglichen Sehfehler korrigieren wollen, haben Sie die freie Wahl. Grundsätzlich gilt: Treffen Sie Ihre Entscheidung am besten nicht auf eigene Faust, sondern beziehen Sie stets Ihren Augenarzt und Ihren Optiker in die Überlegungen mit ein. Der Mediziner kennt sehr genau den Zustand Ihrer Augen und kann Ihnen sagen, ob Sie Kontaktlinsen grundsätzlich tragen können oder ob beispielsweise eine zu geringe Menge an Tränenflüssigkeit dagegen spricht. Der Optiker beleuchtet im Gespräch mit Ihnen vor allem die praktische Seite. Er kann Ihnen Vor- und Nachteile von Brillen und Kontaktlinsen in verschiedenen Alltagssituationen erläutern und Ihnen ein Gefühl dafür vermitteln, wie Ihre Brille aussehen könnte. Schon so mancher stark Fehlsichtige hat sich am Ende für Kontaktlinsen entschieden, nachdem ihm der Optiker gezeigt hatte, wie dick die Brillengläser hätten werden müssen. Viele Menschen möchten allerdings aus grundsätzlichen Erwägungen keine Linsen tragen und entscheiden sich stattdessen für eine Brille. Sie suchen gemeinsam mit ihrem Optiker nach einer attraktiven und dauerhaft haltbaren Sehhilfe.

Die Brille wird unempfindlicher

Eine Sorge vieler Brillenträger gilt den Gläsern. Sie fürchten sich vor Kratzern und anderen nicht reparablen Beschädigungen. Ein Kratzer auf dem Brillenglas sieht nicht nur unschön aus, sondern behindert auch die Sicht. Selbst kleine Macken wirken wegen der unmittelbaren Nähe zum Auge schnell sehr groß und extrem störend. Als besonders hart und deshalb relativ unempfindlich gegenüber Kratzern gelten Brillengläser aus mineralischem Glas. Dieses Material ist allerdings im Vergleich zu Kunststoffgläsern in der Regel schwerer. Zudem besteht ein höheres Risiko für Verletzungen am Auge, wenn die Brille einmal zerbrechen sollte. Schaut man sich die Verkaufszahlen beim Optiker an, so ergibt sich ein klares Bild: Die große Mehrheit der Kunden entscheidet sich für Kunststoffgläser. Und der Optiker kennt Möglichkeiten, Gläser aus Polycarbonat ähnlich hart und unempfindlich zu machen wie Brillengläser aus echtem Glas. Das Geheimnis liegt in einer speziellen Hartschicht, die der Optiker auf die Gläser aufbringt.

Wie der Optiker die Gläser behandelt

Das am weitesten verbreitete Verfahren zur Veredelung der Brillengläser mit einer Hartschicht ist das Tauchlackieren. Dabei bekommen die Gläser von beiden Seite eine Schutzsicht, die als flüssige Lösung aufgebracht wird. Anschließend trocknet der Optiker diese Schicht mit Hilfe von UV-Strahlen oder mit Wärme. Das Ergebnis ist eine extrem harte Oberfläche, die der Brille einen sehr guten Schutz bietet.

Perfekte Lösung für Sportbrillen

Eine Hartschicht bietet sich immer dann an, wenn die Brille besonderen Risiken ausgesetzt ist. Das kann am Arbeitsplatz der Fall sein, aber ebenso in der Freizeit. Gerade beim Sport geht es nicht selten hoch her. Wer auch auf dem Sportplatz keine Kontaktlinsen tragen möchte, der lässt sich vom Optiker in der Regel eine spezielle Sportbrille anfertigen. Diese sollte ein robustes Gestell haben, dem die eine oder anderen unsanfte Berührung nichts anhaben kann. Sehr hohe Anforderungen werden natürlich auch an die Verglasung gestellt. Optiker raten hier in der Regel zu bruchfesten Kunststoffgläsern, die mit einer Hartschicht veredelt werden.

Höherbrechende Glasmaterialien

Starke Fehlsichtigkeit war in der Vergangenheit gleichbedeutend mit sehr dicken Brillengläsern. Viele Betroffene fühlten sich mit ihrer Brille wenig attraktiv. Hinzu kamen häufig Druckstellen auf dem Nasenrücken – eine Folge der relativ schweren Gläser. Seit einiger Zeit setzen Optiker verstärkt höherbrechende Glasmaterialien ein, die insbesondere für Kunden mit ausgeprägtem Sehfehler eine Reihe von Vorteilen bringen.

Dünne Gläser auch bei starker Fehlsichtigkeit

Dünne Gläser statt „Glasbausteinen“ – diesen Wunsch hat wohl jeder schon einmal verspürt, der fünf, sechs oder mehr Dioptrien hat. Herkömmliche Gläser, die der Korrektur von sehr starken Sehfehlern dienen, werden mit jeder zusätzlichen Dioptrie immer dicker. Zum Glück gibt es aber auch besondere Gläser mit einem außergewöhnlich hohen Brechungsindex. Diese Gläser kann der Optiker wesentlich dünner schleifen, und trotzdem ergibt sich die gewünschte Korrekturwirkung. Höherbrechende Glasmaterialien können sowohl in Brillen für Kurzsichtige als auch für Weitsichtige zum Einsatz kommen. Sie kosten gegenüber Standardgläsern mehr Geld – eine Investition, die sich in vielen Fällen lohnt. Ob auch für Sie Gläser mit einem höheren Brechungsindex sinnvoll sind, das besprechen Sie am besten mit Ihrem Optiker.

Wie Sie den richtigen Brechungsindex finden

Gemeinsam mit dem Optiker finden Sie im nächsten Schritt den optimalen Brechungsindex. Standardgläser weisen einen Wert von 1,5 auf. Für leichte Fehlsichtigkeiten bis etwa 2,0 Dioptrien ist das ausreichend. Ab höheren Dioptrienwerten zeigen sich jedoch die Nachteile des Glases mit vergleichsweise geringem Brechungswert deutlich. Besser geeignet ist hier ein Index ab 1,6. Spätestens ab 4,0 Dioptrien empfiehlt Ihnen der Optiker in der Regel Gläser mit einem Brechungsindex von 1,67 oder mehr. Selbst Werte von 1,8 oder 1,9 sind zu entsprechend höheren Preisen zu haben. Bevor Sie den Aufpreis akzeptieren, sollten Sie sich die erwartete Glasdicke vom Optiker im Detail ausrechnen lassen. Optiker verfügen in der Regel über Software, die Ihnen ein anschauliches Bild von Ihrer möglichen Brille vermittelt. Selbst bei hohen Dioptrienwerten lassen sich mit entsprechend kleinen Fassungen Glasstärken von wenigen Millimetern realisieren. Wählen Sie dann noch eine hochwertige Entspiegelung, ergibt sich eine sehr überzeugende Optik.

Optimale Sicht ohne Verzerrungen

Gegenüber herkömmlichen Gläsern bieten höherbrechende Glasmaterialien noch einen weiteren entscheidenden Vorteil: Sie vergrößern bzw. verkleinern die Augen nur in geringem Maße. Durch Gläser mit einem niedrigen Brechungsindex wirken die Augen stark Weitsichtiger oft sehr groß, die Augen stark Kurzsichtiger sehr klein. Das sieht nicht sehr attraktiv aus und stört die Betroffenen häufig massiv. Bei dünneren asphärischen Gläsern mit hohem Brechungsindex tritt der Effekt nur in sehr geringem Umfang auf. Zudem können Sie durch diese Gläser weitgehend ohne Verzerrungen sehen. Ihr Optiker spricht hier von sphärischen Aberrationen, die dank der hohen Brechungswerte kaum noch auftreten. Somit ergibt sich ein sehr gutes Sehgefühl auch im Randbereich der Brille. Sie profitieren auf diese Weise von einem größeren Sichtfeld und genießen einen beinahe ungestörten Rundumblick, wie Sie ihn sonst allenfalls mit Kontaktlinsen erreichen könnten.